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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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Tag und Nacht jagt eine Masse von Gedanken an der Ein-bildung der Kranken vorüber, man hört sie unaufhörlich spre-chen und schreien; da ihre Gedanken ganz zusammen-hangslos sind, so beurt.heilen sie auch die Qualitäten deräussern Objekte falsch 5 sie haben falsche Sensationen.Die Manie kann durch einen heftigen Schreck entstehen,durch getäuschte Liebe, durch Gewissensbisse. Auch

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Ehrgeiz, Stolz kann dazu Veranlassung geben. Beierblichem Wahnsinn ist der Ausbruch besonders gegendas dreissigstc oder vierzigste Jahr zu fürchten; dieKeime der Krankheit scheinen dann reif geworden zusein. Erschöpfen sich die Keime, so hört das Deliriumauf; es wird intermiltirend, wenn neue Keime späterzur Reife kommen; es wird ein Kontinuum, wenn immerneue Keime producirt werden. Eine schlechte Ernäh-rung, Unterdrückung der Menstruation, der Hämorrhoi-den, eine fieberhafte Aufregung tragen zur Entwickelungdes krankhaften Principcs bei; manche Fermente, wieder Saft von Aconit, das Gift toller Tliierc, erregen durchVermischung mit dem Blute oder dem Nervensafte un-mittelbar die Manie.

Die Melancholie ist ein von Traurigkeit und Furchtbegleiteter fieberloser Zustand von Delirium; das Gehirnund das Ilerz sind zu gleicher Zeit afficirt: das Gehirnals das Organ des Denkens, und das Herz als der Sitzder Kleinmüthigkeit und der traurigen Affekte. Je nach-dem eine Menge von unvernünftigen Gedanken vorüber-gehen, oder der Melancholische seine Aufmerksamkeit aufeinen einzigen Gegenstand koncentrirt, kann man dieMelancholie in allgemeine oder partielle eintheilen. MancheMelancholische, deren Delirium sich sehr weit verbreitet,haben die Eigentlnimlichkcit, dass ihre Denkthätigkeitgar nicht müde wird, dass sie sich ebenso sehr mitunbedeutenden Dingen, als mit wichtigen beschäftigen,dass sie überall unglückliche Aussichten vor sich sehen,dass sie sich selbst Schwierigkeiten erschaffen, die garnicht existiren. Man könnte sagen, dass bei ihnen derkrankhafte Zustand des Gehirns und der sfriritus animales