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Nur die Heilung des krankhaft veränderten Organs lunndie Störungen der Denkt hätigkeit-, die davon abhäugen,au fliehen; so lässt das Aufhören der Trunkenheit dieStörung der Vernunft schwinden; mit dem Nachlass hef-tiger moralischer Afifektionen, die ein Delirium hervor-gerufen haben, stellt sich das Gleichgewicht der intellek-tuellen Kräfte wieder her. — Ucberall finden wir beiSylvius die grösste Aufmerksamkeit auf die patholo-gische Anatomie. Epilepsie, Apoplexie, Konvulsionen,Katalepsie, Somnambulismus u. s. w.; auch die Therapiewird mit grosser Aufmerksamkeit durchgenommen.
Die Werke von Willis enthalten einen beinahevollständigen Abriss der Gehirnpathologie. Es ist be-kannt, welche Aufschlüsse ihm die Anatomie und Phy-siologie des Nervensystems zu verdanken hat. Indessverringert Willis sein Verdienst durch seine übergrosseNeigung zu Erklärungen und Theorieen, die er selbstvor dem Zeugnisse seiner eigenen Sinne nicht recht-fertigen könnte. Hierher gehört seine Theorie von derSäure des Nervensaftes und der animalischen Geister,von ihrer Effervescenz, ihrer Erhebung und Ausdehnung,wie sie durch die Ilirnmasse sich einen Ausweg bahnenwollen und nur die Intelligenz in Unordnung bringen,und diesen Hypothesen werden die pathologischen Faktaangepasst; das Nervensystem der Wahnsinnigen müssteeinem Laboratorium gleichen, wo die Effervescenz dergährenden Flüssigkeiten fortwährend das Gleichgewichtder Seele störte. Dabei ist nicht zu leugnen, dassWillis überall seine Theorieen über die Spiritus ani-males, ihre Verbindung mit dem Blute, dem Gehirn u. s. w.mit einer Masse von feinen und scharfsichtigen Beobach-tungen durchwebt hat.
Melancholie und Manie gehen in einander über;■wenn die Melancholie exacerbirt, so wird sie Manie.Er vergleicht ‘sie mit der Flamme und mit dem Rauche;wie ein Stoss der Flamme den Rauch durchbricht, sodurchbricht die Manie den dichten Nebel der Melancholie.Die Manie ist fieberlos, das Delirium in ihr ist anhaltend;