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Von den Veränderungen des Gehirns bei Geisteskrankenwurde damals am häufigsten Injektion der oberflächlichenGefässe, Serum in den Ventrikeln, blutige Injektion, Ver-mehrung oder Verminderung in der Konsistenz des Ge-hirns bemerkt. Willis fand bei einem Idioten ein sehrkleines Gehirn; die Ramificationen des grossen sympa-thicus waren ebenfalls sehr klein. Bei einem Andern er-schien die pia mater an den Gehirnwindungen wie ange-löthet; das Gehirn war nach hinten wenig entwickelt undliess das kleine Gehirn unbedeckt; die glandula pinealisfand sich nicht vor; im rechten Ventrikel war ein Steinvon weisser Farbe, viel Serum in den Ventrikeln undgrosse Weichheit der ganzen Substanz u. s. w.
Die in der „Medicina septentr von Bonet gesam-melten Fälle sind hauptsächlich aus Donatus, Borri-chius, Greiselius, Scultzius, Schmid entlehnt.
Von den Männern, die sich in anderer Weise be-strebt, den Aberglauben zu stürzen, sind FriedrichSpee und Balthaser Becker rühmlichst auszuzeicli-nen *).
1. Jean Grenier wird als Lykanthrop und Mörderangeklagt und zu lebenslänglichem Gefängniss ver-
urtkeilt 1 2 3 ).
1603 wurde vor dem Parlament von Bordeaux derProcess eines Lykanthropen verhandelt; die Untersuchungbegann am 24ten Mai. Margarethe Poirier, ein Mädchenvon dreizehn Jahren, sagt aus, sie habe gewöhnlich miteinem Knaben, Namens Jean Grenier, das Vieh zusammengehütet; dieser habe sich öfters vor ihr gerühmt, er könnesich, so oft er wolle, in einen Wolf verwandeln, er habe
1) Spee, Cautio crimiualis, seu de processibus contra sagas admagistratus. Germaniae 1631. — Balth. Bekker, Le mondeenchant6. 4 Vol. Amsterd. 1694; bald in zahlreichen Ueber-setzungen.
2) Delancre, Tableau de l’inconstance des mauvais anges etc.
Paris 1613. ln 4°. p. 253.