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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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den Montag, Freitag und Sonnabend täglich eine Stundegegen Abend und gegen Morgen mit neun andern Nach-barn, deren Namen er theilweise nannte, als Wolf um-her, indem er Hunde und kleine Kinder, die ihm freilichbesser schmeckten, anfiele und verzehrte.

Das mit Jean Grenier angestellte Verhör ergiebt, dasser dreizehn Jahre alt und der Sohn eines armen redlichenArbeitsmannes, dass er seit drei Monaten von seinemVater entfernt und als Viehhüter bei mehreren Herrenim Dienst gewesen sei. Er sagt ferner aus:als ichzehn oder elf Jahre alt war, hat mich unser NachbarDuthillaire, in der Tiefe eines Waldes, einem schwarzenManne vorgestellt, der sich Herr vom Walde nannte, dermir mit einem Nagel ein Zeichen auf den Hintern ein-drückte und mir und Duthillaire Salbe und eine Wolfs-haut übergab. Seitdem bin ich als Wolf umhergelaufen.Die Aussage von Margarethe Poirier ist richtig. Ueberdie Kinder befragt, die er als Wolf getödtet und ver-zehrt habe, giebt er an, er sei einmal auf dem Wegevon Coutras nach St. Anlaye in einem Dorfe, dessen Na-men er nicht mehr wisse, in ein ödes Haus hineingegan-gen, habe ein Kind aus einer Wiege gerissen und es hin-ter einem Zaun im Garten grossentheils verzehrt; denRest habe er einem Wolfe überlassen. Ebenso habe erbei dem Kirchspiel St. Antoine du Pizon ein kleines Mäd-chen in einem schwarzen Kleide, welche die Schaafe hü-tete, angefallen und vor ungefähr sechs Wochen noch einanderes Mädchen in der Nähe eines Steinbruches; inEparon die Hündin eines gewissen Millon, die er auchgetödtet hätte, wenn Millon nicht mit dem Degen dazugekommen wäre. Als Wolf habe er eine Wolfshaut,müsse sich aber vorher erst mit der Salbe nackt einrei-ben. Er sei viermal mit Duthillaire zusammen umherge-laufen, ohne aber zu tödten. Sein Vater habe ihn mehr-mals eingerieben und sei ihm beim Anziehen der Wolfs-haut behülflich gewesen, auch er besitze eine Wolfshautund habe mit ihm gemeinschaftlich bei dem Dorfe Gril-laud ein Mädchen, das die Gänse hütete, aufgezehrt.