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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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Seine Stiefmutter habe sich von seinem Vater deshalbgetrennt, weil sie einmal gesehen, dass er Füsse vonHunden und die Hände von kleinen Kindern ausgebrochenhabe. Er fügt noch hinzu, dass ihm der Herr vom Waldestreng verboten, an dem Nagel des Daumens seiner lin-ken Hand zu nagen, der auch viel dicker als die übri-gen, dass ihn dieser niemals aus den Augen verloren unddass er sogleich seine menschliche Form wieder habe an-nehmen müssen, sobald ihn dieser nicht mehr mit seinenBlicken verfolgt.

Die Aussagen der Eltern der angefallenen und ge-mordeten Kinder sind ganz übereinstimmend in Bezug aufden angegebenen Ort, Zeit, die Wunden der Kinderu. s. w.; man konfrontirt ihn, er wird wieder erkannt. Beidem ersten Zusammenstellen mit seinem Vater änderteer Vielerlei in seinen Aussagen; mau sah, dass die langeDauer des Gefängnisses ihn schwachsinnig gemacht hatte.Bei der zweiten Konfrontation bestätigte er seine frühe-ren Aussagen. Grenier der Vater, gegen dessen Sitt-lichkeit nicht das Geringste vorlag, wurde nach einer Un-tersuchung aus dem Gefängnisse entlassen.

Ehe das Parlament sein Urtheil aussprach, entwik-kelte der erste Präsident dAffis in einer glänzendenRede, in der alle Fragen über Zauberei, über die Unmög-lichkeit der Verwandlung in Thiere berührt wurden, dieGründe, weshalb Grenier nicht mit dem Tode zu bestra-fen sei. Der Gerichtshof, sagte er, hat auf das Alter unddie Imbecillität dieses Kindes Rücksicht genommen, wel-ches so stupide und so sehr Idiot ist, dass Kinder vonsieben bis acht Jahren gewöhnlich mehr Ueberlegunghaben ; er ist so wenig entwickelt, dass man ihn für zehn-jährig halten würde; der Gerichtshof hofft noch seine

Besserung. Grenier wird verurtheilt, lebenslänglich

in einem der Klöster in Bordeaux eingeschlossen zu wer-den ; seine Entweichung soll mit dem Tode bestraft wer-den. In der ersten Zeit seiner Einsperrung lief JeanGrenier mit grosser Leichtigkeit auf allen Vieren; er ver-schlang oft die noch blutigen Eingeweide von Fischen.