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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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konnte, so führte er die Mägdalene als die dm schlimm-sten Besessene nach Maximin, um sich beim Vater Mi-chaelis Rath einzuholen *). Dann wurden beide Nonnennach dem Kloster de la Sainte-Baume gebracht, woLouise oder vielmehr der Teufel Verrine durch ihrenMund einen heftigen Ausfall gegen den Priester Gaufridimachte, ihn anklagte, der Fürst aller Hexenmeister vonSpanien, Frankreich, England und der Türkei zu seinund Lucifer als seinen leibeigenen Dämon zu besitzen.Michaelis, der sich niemals die Gelegenheit hatte entgehenlassen, einen Unglücklichen zu verderben,der sich wohlüberlegt hatte, dass die beiden Mädchen wirhlich beses-sen seien, machte dem ersten Präsidenten des Parla-mentshofes der Provence, du Vair, Anzeige. Das Par-lament liess Gaufridi, Pfarrer an der Kirche des Acoulesin Marseille, gefangen nehmen, und der Rath Thoronleitete den Prozess ein, dessen blutige Entscheidung nurzu bald die Wünsche des Pater Michaelis krönte. Am30. April 1611, um fünf Uhr Abends, wurde Gaufridiauf einem Schaffotte zu Aix öffentlich seiner Würdenentkleidet. Der Henker führte ihn unter dem Zuströmendes Volkes durch alle Strassen der Stadt; er ging bar-fuss und barhaupt, einen Strick um den Hals und einebrennende Fackel in der Hand. Vor der Thür der erz-bischöflichen Kirche musste er Gott, den König und denGerichtshof laut um Verzeihung bitten; auf dem Platzedes Precheurs war der Scheiterhaufen aufgerichtet, undseine noch nicht erkaltete Asche wurde in alle Windegestreut.

Viele haben Gaufridi falsch beurtheilt, und sind ohneMitleid über sein Schicksal hinweggegangen. Bis zu dervon den Nonnen erhobenen Anklage war Gaufridi, selbstnach dem Zeugnisse von Michaelis, von den vornehmstenPersonen geehrt und geachtet. Magdalene von Mandouls

1) Micltaölis, Histoire admirable de Ja possessio» et co»Ver-sion dune piuitente sdduite par un magicien etc. Ed. de Lyon1614. In 8°. preface.