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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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6. Mal de layra in Aniou bei Dax. Die Frauen

haben Konvulsionen und bellen wie Hunde.

1613 wurden viele Frauen in der Kommune vonAmou bei Dax (Acqs) von einer krampfhaften Krank-heit befallen, welche in vielen Erscheinungen an diefrüher in deutschen Klöstern beobachteten Zufälle erinnert.

Delancre 1 ) berichtet darüber Folgendes: Wirhaben gehört, dass die Hexen von Amou bei der StadtAcqs zwei Arten von Krankheiten zaubern; die eineist Epilepsie oder Fallsucht, die andere nennt man malde layra, bei der die Kranken nicht hinfallen. DieEpilepsie bricht ganz plötzlich aus; die Befallenen stür-zen zu Boden und rollen sich wie wilde Thiere auf derErde; sie schlagen mit dem Kopfe überall an und be-schädigen sich durch die ungestümen Bewegungen ihrerGlieder; die natürliche Epilepsie ist bei weitem nichtso gewaltthätig, als die durch Hexerei erzeugte, welchedie Menschen ganz rasend darauf macht, sich zu miss-handeln ; achtzig Frauen wurden von dieser Art derWuth heimgesucht. — Das mal de layra (auch malvoyant genannt) ist noch seltsamer. Mehr als vierzigPersonen fingen bisweilen in der kleinen Kirche vonAmou an zu bellen, so wie es ungefähr Hunde in einermondhellen Nacht machen, weil der Mond ihr Gehirnmit bösen Dünsten erfüllt. Dieses schöne Concert be-ginnt jedesmal, wenn eine von den Hexen in die Kirchetritt, welche das Uebel hervorruft. Zuweilen brichtauch das Uebel in Abwesenheit der Hexen aus, dennsie haben die Macht, die armen Weiber auch aus derFerne zum Bellen zu zwingen; dann aber werden sievon den Befallenen gerufen und bei Namen genannt;denn Gott hat die Fürsorge gehabt, die Kranken inihrem Unglücke noch zu veranlassen, die Uebelthäterder Gerechtigkeit zu überliefern. Auf diese eine Anzeige

1) Delancre, Tableau de l’incoustauce etc. p. 357.

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