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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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wies zuerst alle Anklagen zurück; aber er wurde müdevon Sorge und Kummer, niedergedrückt durch unaufhör-liche Drohungen, dass Kain und Judas weniger schuldigseien, als er; dass Gott für ihn eine viel schrecklichereHölle erschaffen müsse; er wurde moralisch durch dasGeplärre von zwei Mönchen todt gemacht, die ihm immer-während vorerzählten, es sei noch Zeit, sich mit Gottauszusöhnen; er verlor den Kopf, und gestand:Dass er seit seinem 14ten Jahre dem Teufel angehöre;bei der Lektüre eines Buches aus der Bibliothek seinesOheims sei ihm der Teufel zum ersten Male erschienenund habe ihm angeboten, alle Frauen, die er mit seinemHauche berührte, in ihn verliebt zu machen, wofür erihm Leib und Seele mit seinem Blute verschrieben. Sohabe er mehr als tausend Frauen mit dem Zauber seinesAtliems vergiftet, und Magdalene habe eine wahnsinnigeLiebe für ihn gefasst und sich rückhaltslos ihm hingege-ben u. s. w. Man muss bei diesen Geständnissen hin-zufügen, dass Gaufridi während seines Prozesses unauf-hörlich weinte, wenig schlief und wenig Nahrung zusich nahm. Er wusste sehr wohl, dass er mit diesenGeständnissen sein Todesurtlieil unterschrieb *).

Auch nach Gaufridis Tode fuhren die beiden Nonnenfort zu deliriren. Ein blindes Mädchen, Namens Honoree,wurde von Louise Capel ebenfalls der Hexerei angeklagtund musste auf dem Scheiterhaufen enden.

Magdalene von Mandouls lief drei Monate nachGaufridis Tode barfuss in den Strassen von Carpentrasumher und bettelte von Thür zu Thür um Almosen ;später verkaufte sie auf einem Platze kleines Holz, wel-ches sie in den Wäldern gesammelt hatte.

1) Die Behauptung; von Calmeil, dass Gaufridi wirklich der-artige Hallucinationen gehabt habe, ist gänzlich unmotivirt.

L.