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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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Anblick der Persou, welcher man einen bösen Einflusszuschreibt, kann so aufregen, dass die Zufälle, die manfürchtet, die man furchtsam erwartet, wirklich eintreten.In dem letzten Falle ist bemerkenswerth, dass der mo-ralische Eindruck nicht auf das ganze Nervensystemseine Wirkungen ausübte, sondern sich auf die Verän-derung in der Bewegungsthätigkeit eines einzigen Gliedesbeschränkte. Die Fortpflanzung des Ucbels, das selt-same Bellen oder Heulen erinnert an die ähnlichen Vor-gänge im Kloster Iventorp, an das Blöken der Nonnender heil. Brigitte, an das Katzeuconcert im Waisenhausevon Amsterdam 1 ). Dass es Hexen sein mussten, welchedie Krankheit hervorriefen, lag in der damals allgemeinverbreiteten Ansicht. Die wegen der Uebertragung aufAndere Angeklagten litten ebenso an dem Uebel, wiedie später Befallenen, konnten ebensowenig ihrer AnfälleHerr werden. Wir erinnern uns, dass die Köchinn desKlosters von Kentorp an ebenso starken Konvulsionenlitt, wie die andern Nonnen. Dclancre 2 ) erzählt voneiner gewissen Violonne, welche angeklagt war, dasmal de layra ihrer Nachbarinn mitgetheilt zu haben, dieaber fortwährend ihre Unschuld betheuerte und versicherteebenso krank zu sein, wie jene. Sie wurde in der Thatselbst auf der Folter so heftig von dem Uebel befallen,dass man der Folter Einhalt thun musste. Delancrewusste auch dafür eine Erklärung. Man sieht darausdeutlich, meint er, dass ihnen der Satan zuredet, sichauch gegenseitig das Uebel mitzutheilen, um weniger leichtentdeckt werden zu können, dass sic Andern die Krank-

1) Im Jahre 1700 wurde in Blacktown in der Grafschaft Oxfordeine ähnliche Krankheit beobachtet. Fünf Schweslern , in deinAlter von sechs bis zu 'fünfzehn Jahren, hatten Krämpfe undheulten wie Hunde. In einem Kloster in der Nähe von Parisfinden täglich um dieselbe Stunde alle Nonnen zum grossenSkandal der ganzen Umgebung an zu miauen. Sic wurden da-durch geheilt, dass man ihnen drohte, eine Kompagnie Soldatenvor der Thür aufzustellen, und die erste, die wieder miaute,sollte durchgepeitscht werden.

2) I. c. p. 338 et sqq.