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8. Tlieomanie mit Ecstasc. Eine Betschwester undihr Beichtvater klagen sich gegenseitig an, demTeufel zn dienen 1 ).
In dem Werke von Leuormand findet sich auchdie Geschichte einer Betschwester, die als Hexe verfolgtwerden sollte, und die, um sich selbst der Gefahr zuentziehen, ihren Beichtvater anklagte, dass er sie zurReligion des Teufels habe verführen wollen.
Maberthe war duch zu anhaltende Andachtsübungen,indem sie jeden Tag beichten, jeden Tag das Abendmahlnehmen wollte, endlich in einen Zustsand ecstatischerVerzückung geratlien. Sie glaubte sich von einer be-sondernGnade erleuchtet, bildete sich ein, überden Schmutzder Sünde erhaben, von Gott mit der Fähigkeit des Ilell-seliens begabt zu sein, durch die sie in den GedankenAnderer zu lesen vermöge; sie glaubte, dass der Herrsie besuche, ihr seinen Rath und seine Gunstbezeugungenunmittelbar zu Theil werden Hesse. Eine gcheimnissvolleStimme in ihrem Innern sprach: „Ich will dir Vergebuugfür alle deine Sünden schenken, beichte ohne Unterlass,meine Tochter”; zugleich fühlte sie, dass aus dem Ver-borgenen eine Hand auf ihren Kopf gelegt werde. Dannglaubte sie, obgleich sie nicht mehr jung war, dass siejede Nacht ein phantastisches Wesen besuche, durch dassie die Wonne und die Entzückungen einer unaussprech-lichen Liebe geniesse; nicht zufrieden damit, selbst die-ses Uebermaasses von Glück theilhaftig zu sein, setzte
15 162t führte Elisabeth von Banfaing zu Nancy ein ähnlichesSchauspiel auf, wie früher Nicole Ohry zu Vervins. Die krank-haften Erscheinungen, die sie zeigte, stellen denen von Magda-lene von Mandol ziemlich nahe. Sie klagte den Arzt Poirot an,dass er ihr einen Zauber gegeben habe; sie sollte selbst voreinem Tribunal erscheinen, aber ihre Beschützer begünstigtenihre Flucht aus dem Gefängnisse. Der unglückliche Poirot je-doch musste das Geschick von Gaufridi erleiden ( 7 . April 1622).Ebenso wurde Anna ßouley verbrannt, die angeklagt wordenwar, Poirot unterstützt zu haben. — Die Nachweise über dieseVorfälle finden sich bei Bottdon und Pithois 1621. ln 8°.