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liess sich das Sakrament auf den Kopf legen, und be-gann den Anklagen der Wahnsinnigen beizustimmen.Liess sie sich an diesem Tage von der Macht der dasganze Kloster beherrschenden Ideen unterjochen, odergab sie der Verzweiflung nach, die bei dem Einstürmeuauf sie nicht gut ausbleiben konnte, der Verzweiflung,dass Gott doch das Opfer ihrer Ruhe, ihrer Ehre undvielleicht ihres Lebens fordere? Es scheint, dass Simonevon einer innern, gleichsam unwiderstehlichen Gewaltgetrieben wurde. „Es scheint mir,” sagte sie, „als seimir Alles im Traume begegnet, und dass ich nur Lügenvorbringe, und doch fühle ich, dass es nicht von meinemWillen abhängt, still zu schweigen oder eine andereSprache zu führen.” — Es kommt dieser innere Wider-streit noch bei einer andern Nonne aus dem Kloster derheil. Brigitte vor, die in kurzen Zwischenräumen Alleswiderrief, was sie in den vorhergehenden Verhören ge-standen hatte; wir haben früher dieselben Erscheinungenschon öfter gefunden. Man kann noch immer annelaneu,dass die Bekenntnisse zum Theil frei gewesen seien,wenn sie auch durch die nach einem bestimmten Typusformulirten Anklagen, durch das von Martern und Folternder Richter unterstüzte Hineinexaminiren hervorgerufenwurden, dass die Unglücklichen in dem Augenblicke, wosie ihre Geständnisse ablcgten, selbst von der Wahrheitihrer Frevel überzeugt waren. Es ist das Wesen vielerin dem Gemüthe wurzelnden Geistesstörungen (der so-genannten affektiven Krankheiten), dass sie an immer-währenden Gegensätzen sich fortbilden.
Die Krankheit der Nonnen der heil. Brigitte scheintbeinahe zehn Jahre gedauert zu haben. Es waren zumTheil dieselben Ideen, die im Labourd und Bastan ge-herrscht hatten, zum Theil der Wahn, besessen zu sein.Die meisten konnten lange Gespräche mit den bösenGeistern improvisiren. Mehrere starben ; Andere schlepp-ten in Schmutz und Elend, von Insekten verzehrt, nochlange ihr sieches Leben hin, von Unwissenden verlacht,oder vom abergläubischen Volke als Gottlose verdammt.