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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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die bösen Geister zu G aste; Joachim von L. hatte zweiGeister, die er sich untterthiinig gemacht, einer Pigmäus,so unter dem Gesindetisch gewohnt und ihn den lapisphilosophorum zu machen gelehrt; der andere Celus, sounter der Hölle (Ofen) gewohnt, und ihm zu Zeitenstattlich musicirt u. s. w.; sonst hatten sie auch nochmehr Geister und Teufel. Z/.]

9. Die Besessenen von Loudun. Urban Gratulier.(1632-39) ').

1626 stifteten mehrere vornehme Damen aus Poitou,Saintonge und der Touraine zu Loudun eine Gemeinschaft

1) Oie Vorfälle in London sind sehr oft behandelt und auch inder neuesten Zeit durch einen Aufsatz im „neuen Pitaval” derKenntnis» eines grossem Publikums zugänglich gemacht worden.Man hat meistcntheils die Geschichte für Betrügerei, die selt-samen Zufälle der Nonnen für Simulation erklärt, angestiftetvon einigen rachsüchtigen Priestern, welche aus selbstsüchtigenZwecken den Nonnen die Zufälle der Besessenheit einstudirten,um Urban Grandier in’s Verderben zu stürzen. Urban Graudierwar Pfarrer und Kanonikus in Loudun. Mit gläuzeuden Gabeuausgestattet hatte er durch seinen Ruf als Kanzelredner, durchsein Glück bei den Frauen, durch seine stolze und hochmiithigeVerachtung sich den Hass der übrigen Geistlichen zugezogen.Mignon, der Beichtvater der Ursulinerinnen, ligurirt unter sei-nen Hauptfeinden. Den Hass des Kardinals v. Richelieu soll ersich durch ein anonymes Pasquill gegen ihn zugezogen haben. —Wenn ich trotzdem unternehme, die Vorfälle nach Calmeil,der eine andere Auffassung hat, in einer kurzen Skizze wieder-zugeben , so ibin ich dabei von folgenden Gesichtspunkten aus-gegangen:

An Urhan Grandier ist ein verabscheuungswürdiger Mord be-gangen worden. Oer Prozess gegen ihn ist aber für unsereZwecke von untergeordnetem Interesse; die Zufälle der Nonnenwaren nur eins von den Mitteln, deren sich seine Feinde gegenihn bedienten. Bei der Betrachtung der Krankheit der Nonnenist eine doppelte Ueberlegung möglich. Entweder bestand dieKrankheit schon selbständig; — es war fürGrandier’s Feinde dannein glücklicher Fund; es war leicht, Grandier hineinzullechten,die Nonnen zu veranlassen, seinen Namen zu nennen, Grandier,den durch Schönheit und Geist ausgezeichneten Mann, der, wieman aus andern Schilderugen erfährt, ohnehin so tiefen Eindruckauf die weiblichen Gemiither in Loudun gemacht hatte, — oderdie Nonnen waren gar nicht krank, sondern simulirten Alles.Wenn die Zufälle in Loudun in der Geschichte der Hysterie,der Besessenheit isolirt daständen, so wäre die Annahme der