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wenn er Kolik hätte. Andere Male warf ihn der Teufelauf die Erde, peinigte ihn an verschiednen Stellen desKörpers und ging erst fort, wenn auf diese Stellen dasSakrament aufgelegt wurde 1 ). Eine sehr merkwürdigeSchilderung dieses Zustandes hat Surin selbst in einemBriefe an den Pater d’Attichi, Jesuiten zu Rennes, oeae-
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ben. Er klagt ihm, wie der Teufel immer von der Be-sessenen auf ihn überspringe und ihn grausam quäle. „Ichkann nicht erklären, was in mir während dieser Zeitvorgeht, wie der böse Geist sich mit dem mehligen ver-eint, ohne mir weder das Bewusstsein, noch die Freiheitmeiner Seele nehmen zu können, und wie er doch einanderes Wesen aus mir macht. Es ist als ob ich zweiSeelen hätte; die eine ist ihres Körpers und ihrer Or-gane entkleidet und schaut zurückgezogen der anderneingedrungnen ruhig zu. Die beiden Geister bekämpfensich im Körper wie auf einem Schlachtfclde und dieSeele ist zerspalten. Ein Theil von ihr ist dem Teufelunterworfen, der andere folgt seinen eignen Eingebungenund den Gedanken, die von Gott kommen. Wenn ichdurch Gottes Hülfe Ruhe und Frieden empfinde, so brichtzuweilen die grösste Wuth und das grösste Ungestümin mir aus. Ich fühle den Zustand der Verdammnis»und fürchte ihn, und in der fremden Seele, die doch meinzu sein scheint, herrscht trostlose Verzweiflung, lind dieandere Seele ist voller Zutrauen, verspottet solche Em-pfindungen und verwünscht in ihrer Freiheit den, der sieverursacht. Der Schrei, den mein Mund ausstösst, kommtvon beiden Seelen, und ich kann kaum unterscheiden, obes die Freudigkeit der einen oder die Wuth der andernist, die ihn hervorruft. Das Zittern, von dem ich ergrif-fen werde, wenn mir das Sakrament aufgelegt wird, rührtzu gleicher Zeit von dem Schrecken her, den ich überseine Nähe empfinde, und von einer herzinnigen und de-müthigen Ehrfurcht. Wenn ich mit der einen Seele das
1) Histoire des diables p. 215, 216.