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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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194
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Louis Chauvet, von dessen Krankheit in allen Wer-ken der damaligen Zeit gesprochen wird, war Lieutenantcivil in Loudun. Er war ein geistreicher, fein gebildeterund rechtlich denkender Mensch. Er hatte an der An-klage gegen Grandier nicht Theil genommen, weil er anBesessenheit nicht glaubte. Die Umtriebe der Geistlich-keit, die solche Ansicht nicht dulden konnte, suchten ihnzu verdächtigen und nahmen zu dem gewöhnlichen Mit-tel, zu der Anklage durch eine Besessene ihre Zuflucht.Er verlachte zuerst diese Anklage; aber als er das tragi-sche Ende Grandiers mit angesehen hatte, wurde seinMuth erschüttert; ein tiefer Schreck bemächtigte sichseiner. Auf einer Reise nach Poitiers führte er mit einemangeschnen Manne ein langes Gespräch über die Besessen-heit der Nonnen in Loudun und dieVcrurthcilungGrandiers.Jener versicherte mit Bestimmtheit, er sei überzeugt, dassalle der Zauberei Angeklagten bedeutende Gefahr liefen,ihre Ehre und ihr Leben zu verlieren, und dass es ihm,wenn er angeklagt wäre, doch trotz seines guten Rufes,trotz aller seiner Freunde ebenso gehen könne. Seit derZeit befand sich Chauvet in fortwährender Angst, und zuklarer Besinnung ist er eigentlich nie mehr zurückge-kehrt *).

10. Tenfelswalm mit Hysterie in einem Nonnen-kloster der heil. Elisabeth zu Louviers. Das Parla-ment von Rouen vernrtheilt einen Priester zum Feuer-tode, lässt den Leichnam eines andern Priestersausgraben und ebenfalls verbrennen. (1642.)

Wenige Jahre nach der Errichtung des Klosters derheil. Elisabeth in Louviers wurden unter 50 Nonnen 18von Konvulsionen und Monomanie befallen. Ihr Beicht-vater Picard 2 ) wurde allgemein für den Urheber ihrer

1} Histoire des diables p. 209.

2t Bosroger (La piÄte afflig^e 011 Discours historique et theolo-gique de ia possession du religieuses dites de St. Elisabeth ä