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sicht, dass sie besessen seien, durch sieben Beweise zustützen; seine hauptsächlichste Demonstration beruht aufdem innern Widerstreit der Gefühle, der die Kranken beitheilweis richtigem Verstandesgebrauche, bei dem eignenAbscheu doch zu Blasphemieen gegen Gott und die hei-ligen Gebräuche antreibt. Uebrigcns spricht er auch vonseltsamen Schilderungen, welche sie von der Feier desSabbats, von der Gestalt des Teufels u. s. w. machen.E;ine der Nonnen schrieb an ihren Beichtvater: „MeinGeist, der von den schwärzesten Bildern der Hölle ver-düstert wird, gestattet mir kein anderes Denken alsBlasphemieen, und wie ich auch meinen Geist wenden undzwingen will, ich kann mich von solchen Gedanken nichtlosreissen; deshalb steigt die Wuth in mir auf und meineDüsterkeit wird von den Flammen meiner Verzweiflungerhellt. Nirgends Ruhe, nirgends Frieden ; Verwünschungist meine Speise, und was mich erhält, ist nur die Ver-achtung gegen Gott. Was ich jetzt sage, weiss ich nicht,denn ich empfinde eine schreckliche Umwälzung in mei-nem Geist und meinen Sinnen und eine unbegrcifbarcVerhärtung des Herzens. Ich weiss gewiss, dass ich michtäusche; ich möchte mich lieber dem Gedanken an eineUmwandlung liiugeben, dem Gedanken an einen besondernWillen Gottes, als mich in einer fortwährenden Wuth,Hass und Verzweiflung gegen Gott und die Menschenzu sehen. Ich weiss sehr wohl, was und wie ich esthun soll und kann es doch nicht, und w r eiss nicht, wermich daran hindert. Ich gestehe Dir, dass Du mir durchDeine Gebete für dies verdammmte Haus viele Leiden be-reitest; lass ab, mir zu befehlen; ich kann nicht Gottpreisen, während Alles in mir Hass und Verwünschungist; früher war Alles in mir Liebe, aber jetzt ist es an-ders. Wehe mir” 1 ). Die Hallucinationen, von denen diearmen Nonnen gequält wurden, waren mannigfaltiger Art.
1) Bosroger loc. cit. p. 284.