14. Hysterische Konvulsionen kleiner Knaben undMädchen in dein Waiseuhanse zu Hoorn. (1670.)
Franz Kuiper giebt folgende Erzählung von einerkonvulsiven Krankheit der Waisenkinder zu Hoorn, dieallgemein als Besessenheit angesprochen wurde:
„Ungefähr um das Jahr 1670 wurde eine grosseAnzahl Waisenkinder, sowohl Knaben als Mädchen, altund jung, doch keines unter 12 Jahren, meist Alle sehrungezogen, von einer besonder» Krankheit befallen.Viele Acrzte, die man um Rath fragte, wussten nicht,was sie aus den Zufällen machen sollten. —■ Die Krank-heit bestand darin, dass diese Kinder plötzlich ohne Be-wusstsein nicderßclen. Sie wurden dann hin- und lier-gezerrt, trampelten mit den Füssen, schlugen mit denArmen und dem Kopfe gegen die Erde, knirschten mitden Zähnen, heulten und bellten wie die Hunde. Einigenging der Bauch so heftig auf und nieder, als wenn einlebendiges Geschöpf sich darin bewegt hätte, oder alswenn ein kleines Tönnchen darin herumgewälzt würde.3, 4 bis 6 Menschen mussten sie manchmal halteu:Einer hielt den Kopf, zwei Andere die Hände, Einersetzte sich ihnen auf die Beine, und bisweilen Eiuer auchauf den Bauch, um ihn niederzudrücken. Wenn sie stilllagen, waren sie so steif wie Holz, und wenn man sicblos beim Kopfe und den Füssen anfasste, konnte mansic hiutragen, wohin man wollte, ohne dass sie sichbewegt hätten. In diesem Zustande blieben sie Stundenlang, manchmal bis in die Nacht hinein. Bei einer, Na-mens Katharine Lukas, einer der ältesten im Waisen-hause, begann der Paroxysmus früh um acht Uhr, alszum Frühstück geläutet wurde, und hielt bis zum Vesper-brod ohne Pause an. Nun wachte sie auf, und da siedie Glocke hörte, glaubte sie, dass sie nur einen Augen-blick in diesem Zustande gelegen habe. — Die Kinderwurden gewöhnlich von dieser Plage befallen, wenn sieAndere im Paroxysmus liegen sahen, oder wenn sic es