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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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ihnen selbst angeboren , und diejenigen, welche, wie siemeinen, ihnen von Andern zugeflüstert werden - , Hallu-cinationen haben für sie nicht den Werth ihrer eigenenGedanken. Die einzelnen Worte klangen öfter wie einefremde, schwer verständliche Sprache, deren sich indessdie Konvulsionärs mit grosser Leichtigkeit bedienen konn-ten. Nach Montgcrons Versicherung sollen sie indiesen an und für sich unverständlichen Lauten die ver-schiedenartigsten Empfindungen ausgedrückt haben, sodass man unter gleichzeitiger Berücksichtigung ihrer Ge-sichtszüge und Bewegungen ihre jedesmaligen Cemüths-zustände deutlich erkennen konnte. Die Meistenwussten nach einem konvulsivischen Paroxvsmus nicht,was mit ihnen vorgegangen; sie hatten nur manchmaleine unvollkommene Erinnerung'von den während ihrerecstatischen Verzückung gehaltenen Reden; die währenddes Nachschreibens ihrer Predigten gebliebenen Lückenkonnten sic nachher nur auf eine sehr einfache und ver-worrene Art ausfüllen und nachbessern, während sie inihrer Verzückung die erhabensten und kräftigsten Aus-drücke hatten brauchen können l ). Einzelne verlorenauch während der Konvulsionen das Bewusstsein nichtund konnten nachher sich noch deutlich der ausgespro-chenen Worte erinnern.

Auch Wunder wollten die Konvulsionärs verrichten,Krankheiten und Wunden heilen. Eine gewisse Lopin,mit dem Beinamen Taboyeu&e, weil sie mit mehrerenandern während ihrer hysterischen Anfälle bellte, ver-sprach, ein todtes Kind wieder zu erwecken. Es wurdemit grosser Feierlichkeit zu ihr gebracht, sie wusch denLeichnam mit Wasser aus dem Brunnen des heil. Paris,rieb ihn mit Erde von seinem Grabe und legte sich nachdem Beispiele der Propheten über seinen Körper, wo sieso lange sitzen blieb, bis das Fleisch in Fäulniss zer-fallen war. Einige leckten mit ihrer Zunge die ekel-haftesten Wunden und Geschwüre ab, saugten den Eiter

f) Mo nt ge ron I. c. Tom. 2. |>. 80.