2T4
während des Schlafes ermorden wollen. Von dem Au-genblick an verfiel sie sichtlich und nach drei Tagenwar sie todt. Die Obrigkeit und die Aerzte des Ortesuntersuchten möglichst genau, wie der Vampirismus,den man vor einigen Jahren mit der Wurzel ausgerottetzu haben meinte, wieder habe entstehen können, undkamen endlich zu dem Resultat, Millo habe vor seinemTode Fleisch gegessen, was von einem Vampir ange-steckt worden sei. Man verbrannte ihn nebst den sech-zehn andern Kadavern in derselben Weise wie ArnoldPaul. — Der Graf von Cabrera liess 1728 einen Leich-nam verbrennen, der dreissig Jahre todt war, und sei-nem eigenen Bruder, einem seiner Söhne und einemDiener, die alle drei eines plötzlichen Todes gestorbenwaren, das Blut vom Halse weggesaugt hatte. — EinAnderer wurde nach sechzehn Jahren ausgegraben, weiler zwei seiner Söhne getödtet haben sollte. Es beklag-ten sich Soldaten über die Vampire; wenn ein KrankerVisionen irgend welcher Art gehabt hatte und unglück-licher Weise bald nachher starb, so wurde sogleich dasGerücht im Volke lebendig, dass ein Vampir ihn ge-tödtet habe. 1725 erzählte ein Mann aus Kisölova inUngarn seinen Nachbarn, sein drei Tage vorher gestor-bener Vater sei ihm in der Nacht erschienen und habevor seinen Augen gegessen.' Als er acht und vierzigStunden später starb, w urde der Leichnam seines Vatersausgegraben, mit einemPfahl durchstochen und verbrannt. 1 ).Es muss gerechtes Staunen erregen, das Magistratsper-sonen, Geistliche, Aerzte, Gelehrte durch ihre Gegcmvartdiese wahnsinnigen Proceduren billigten und gut hiessen.Zum Theil waren sie gewiss in demselben Wahn be-fangen ; zmveilen hoffte man vielleicht durch Nachgiebig-keit die Aufregung des Volkes zu beschwichtigen. Fran-zösische Naturforscher sahen bei ihrer Rückkehr ausdem Orient 1701 auf der Insel Chios einen Leichnamausgraben, der die ganze Insel in Schrecken gesetzt
1) Calinet I. c. Tom. 2, |>. 38, 44.