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hatte, geschehen war, von der Stirn der Nase gegen-über lierabgleiten. Man willfahrte ihrer Bitte, und inetwa dreiviertel Minuten war sie stumm; man vernahmnur einige unartikulirte Töne, obgleich die entsprechen-den Muskelbewegungen stattfanden. Der Zustand dauertenur eine Minute, aber man sieht, dass erst genau diefrüheren Verhältnisse die früheren Wirkungen hervor-brachten. Gleichzeitig sieht man, dass erst die zusam-menwirkende Thätigkeit mehrerer Sinne die Phantasiegenügend zu erregen vermochte.
Bailly bemerkt bei diesem Falle: „Die Macht desGesichts auf die Einbildungskraft erklärt die Wirkungen,welche die Lehre des Magnetismus dem Blicke zuschreibt.Der Blick soll vorzugsweise die Kraft zu magnetisirenbesitzen, und alle Zeichen sollen gar Nichts ausrichten,wenn der Magnetiseur nicht vorher durch einen Blicksich des Kranken bemächtigt hat. Der Grund liegtdarin,, dass sich in denAugen die ausdrucksvollsten Zügeder Leidenschaften ausprägen, dass sich in ihnen der ver-führerischste, der imposanteste Charakter ausdrückt.Sie besitzen aber diese Kraft nur dadurch, dass sie aufdie Einbildung wirken. So sah eine Frau, welche einSchüler des Dr. Des Ion magnetisirt und dreiviertelStunden mit seinem Blicke lixirt hatte, diesen Blick dreiTage lang im Schlafe und im Wachen vor sich.”
Dieser letzte Fall ist ein Beispiel, wie der Magne-tismus auch Gesichtstäuschungen bewirken kann. AnalogeErfahrungen für diese wunderbar scheinenden können wiralle Tage machen; furchtsame Hirten und Hunde werdenbeim Anblick des Wolfes sprachlos; der Raubvogel,die Klapperschlange lähmen durch ihren Blick die Beuto,auf welche sie sich stürzen u, s. w.
Man hat versichert, dass magnetisirtes WasserDiarrhöe hervorrufe. Das kann richtig sein, ist abernur dann möglich, wenn sich der Kranke von dem Ma-gnetiseur wirklich überreden lässt, dass das Wasserdiese Kraft besitze; das durch diese Ueberzeugung inbestimmter Weise Veränderte Gehirn wirkt nämlich dann
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