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wechseln das Rauschen des Windes mit den Tönen derMusik.
Im Somnambulismus können die geistigen Thätigkeitenmomentan zu einer höheren Entwickelung kommen; dasGedächtniss gewinnt eine ungewöhnliche Lebendigkeit undSicherheit, längst vergessene Dinge kehren dem Bewusst-sein wieder; der Kranke spricht in sorgsam gewählten Wor-ten, wenn er es auch früher nicht vermochte, durchschautdie Gedanken seiner Umgebung, die allgemeinen Zeitver-hältnisse mit Scharfsinn und Umsicht, und vermag über dieorganischen Vorgänge in seinem eigenen Körper eine Gewaltauszuüben, die er im gesunden Zustande nicht besitzt u. s.w.Wenn der Somnambulismus durch die Kunst bewirkt ist,so scheint die ganze Reihe von Symptomen das Resultatäusserer physikalischer Einwirkungen zu sein, währendman doch nie vergessen darf, dass es nicht die Aktioneines besondern Fluidums, sondern nur die Erregung derNervencentra durch die Exaltation der Einbildungskraft ist,welche den zuerst künstlich erzeugten Somnambulismusjedesmal zu einem spontanen macht. Die Erzählungen vonder wunderbaren Begabung einzelner Sinne der Somnam-bulen , dass sie z. B. durch Mauern durchlesen, dass sieBegebenheiten, die iii weiter Entfernung geschehen, anOrten, wo sie nie gewesen, genau schildern können u.s.w.,sind nicht anders aufzufassen, als dass bei ihnen Repro-duktionen wirklich gehabter Sinneseindrücke stattfmden,dass es immer nur eine Modifikation ihres Centralorgansist, ihres Gehirns, die auf diese Weise zur Erscheinungkommt. Die Angaben solcher Art verdienen nicht im Ge-ringsten mehr Glauben als die Träumereien eines Torralba,der Magdalene von Kordua, die Phautasieen der Besessenenim Labourd , in Loudun und Louviers ; — oder wir müss-ten alle Beobachtungen über Geisteskrankheiten für einenerbärmlichen und lügenhaften Roman halten.
Die Unempfänglichkeit gegen äassere Sinnesein-drücke ist bei vielen Somnambulen eine nur thcilweisc,wie man sich vielfach aus den von den Schülern Mes-mer’s selbst bekannten Beobachtungen überzeugen kann;