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Johann Jakob Bodmer.
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er in dem Schlesischen Helicon, Golau,Kottwitz, Lakmann, Langn au, Cor-vini, und zwantzig ihres gleichen vergebenssuchen wird. Was er von seinem eigenen Ge-mütheszustande, als eines moralischen Scriben-ten schreibt, zeiget ein philosophisches und gros-ses Hertz: „Wer Ohren hat, der höre, undmercke. Ich schweige, denn der Wolf ist nichtfern von mir. Ein Narr straft manchen vorder Zeit, ehe er weis, was ihm anliegt. Müßtejeder des andern Rücken seyn, so würd? er baldinnen werden, was ihn drüket. Ich weis wohl,wo mich der Schuh drüket, darum ob man michschelten und sprechen wollte, Artzt heile dichselber, denn du bist auch in unserer Rotte, soweis ich das, und bekenne es Gott; nemlichdaß ich viel Thorheiten gethan habe, und nochjetzo im Narrenorden gehe; wie fast ich an derKappen schüttle, will sie mich doch nicht gantzlassen. Doch habe ich zu diesem Ende Fleißund Ernst angekehrt, und damit, wie du siehest,so viel gelernet, daß ich ietzo viel Narren kenne;ich habe auch den Muth mich, ob Gott will,ferner mittelst Witzes und mit der Zeit zubessern." Das stimmt mit Horatzens Borsatzeüberein:
- — „Möglich, daß hievon (von den
Fehlern)
Reichlich hinweg noch nimmt ein längeres
Leben, der Freunde
Freimuth, eigner Rath. Doch - - —
- — nie fehl' ich mir." >) — — —
Unsere heutigen poetischen Moralisten haben
das Hertz nicht, selber ein solches Bekenntnißvon sich selbst abzulegen. Brand erzehlt unssein Vorhaben mit dem größten Nachdruck beyder natürlichsten Einfalt: „Die ganze Weltlebt in finsterer Nacht, und verharret als blindin Sünden. Alle Strassen und Gassen sindvoll Narren; die mit nichts anders als mitThorheit umgehen, aber doch den Nahmen nichthaben wollen. Aus dieser Ursache habe ich ge-dacht, Schiffe für die Narren auszurüsten;Galeren, Fristen, Kragken, Rauen) Barken,Kiele, Weidlinge, Hornache, Rennschiffe, dane-ben Schlitten, Karren, Roßbären, Rollwagen,denn ein Schiff möchte nicht alle die tragen,die ietzo in der Zahl der Narren sind. Einigehaben gar kein Fahrzeug gefunden. Diese allestieben um mich herum wie die Immen, vieleunterstehen sich zum Schiffe herzu zu schwim-men. Hier will ein jeder Fuhrmann seyn.Ich habe die Bildnisse dieser Thoren und Nar-ren daneben ausgefertiget, damit ob jemandwäre, der die Schrift verachtete, oder vielleichtnicht lesen könnte, derselbe sein Wesen im Ge-mählde sähe. Er wird darinnen finden, werer ist, und wem er gleich sey, und was ihmgebricht. Ich nenne dieses den Rarrenspiegel,in welchem sich ein jeder Narr kennen kan.Wer recht in denselben sieht, wird von ihmberichtet, wer er sey. Wer sich recht spiegelt,der lehrt wohl, daß er sich nicht vor weise ach-ten solle, nicht auf sich halten, was nicht ist-Denn es ist niemand, dem nichts gebricht, oderder mit Wahrheit sprechen dürffe, daß er weise
-) Hera;, -ite Satyrc. übersetzt von Kirchner.
und nicht ein Narr sey. Aber wer sich voreinen Narren achtet, der ist bald zu einemWeisen gemachet; hingegen wer witzig seyn will,der ist mein Gevater Fatuus. Dieser thut mirauch daran Gewalt, so fern er dieses Buch nichtbehält. .
Hier ist kein Mangel an Narren, ein jederfindet, was ihn gelüstet, und wozu er gebohrensey; auch warum so viele Thoren sind; wasvor Freude und Ehre die Weisheit hat, undwie besorglich sie dem Narren steht. Hier fin-det man den gantzen Lauf der Welt, so daßdas Buch zum Kauf gut werden muß. Manfindet hier Narren, wie man will, zum Schimpfe,zum Ernst, und zu allem Spiele. Ein Weiserfindet was ihn erfreuet, ein Narr redet gernvon seinen Brüdern. Man findet hier armeund reiche Thoren, schlimm schlemm, ein jederfindet hier seines gleichen."
Es zeigt ein unerschrokenes Gewissen, einstarckes Vertrauen auf die Wahrheit, und einegrosse Liebe für die Besserung des Nebenmen-schen, wie er sich über die Vorstellung der ge-fährlichen Arbeit Satyren zu schreiben, tröstet.
„Ich schneide hier manchem Manne eine Kappe,der sich doch dessen nichts annimmt. Hätte ichihn bey seinem Nahmen genannt, so hätte ergesagt, ich hätte ihn nicht erkennt. Doch hoffeich, daß die Weisen ein Wohlgefallen daranhaben, und aus ihrer Wiffendheil sagen werden,daß ich recht und wahr gesagt habe. Nachdemich von den Narren solche Kundschaft habe, sogebe ich einen klguirro von ihnen, sie müssenalle die Wahrheit hören, ob sie ihnen gleichnicht gefällt; wie Terentius wohl spricht, daßwer die Wahrheit sagt, Haß verdiene. Undwer sich lange schneutzt, der wirft erwann Blutvon sich; und wann man die (loleram anreget,so wird gar oft die Galle beweget. Darumachte ich es nicht, ob man mich schon mit Wor-ten hintergehen, und um meine nützliche Lehreschelten wird. Ich habe mehr derselben Nar-ren, denen die Weisheit nicht wohl gefällt, diesBuch ist derselben voll, doch bitte ich einen jeden,daß er vielmehr Vernunft und Ehre als michoder mein schwaches Gedichte ansehen wolle.
Ich habe wahrlich nicht ohne Arbeit so viele ,Narren zusammengebracht. Ich habe manch-mahl des Nachts gewacht, da die schliefen, de-rer ich gedachte; oder vielleicht beym Spiele undWein fassen, und wenig an mich dachten. Einigefuhren in Schlitten im Schnee herum, daß siewohl halb erfroren. Andere giengen sonst aufKalbesfüssen; noch andere rechneten den Ver-lust, den sie den Tag gehabt hatten, oder wasihnen vor Gewinn aus etwas kommen mögte;oder wie sie Morgens liegen und mit Schwät-zen verkaufen, und manchen betriegen mögten.Denselben allen nachzudenken, wie ihre Weise,Worte, Wercke, mir gefallen, ist kein Wunder,ob ich schon oft, da es niemand hoffele, ge-wachst habe, damit mein Gedichte nicht gestraf-fet würde. In diesen Spiegel sollen beydeGeschlechter der Menschen, die Männer und dieFrauen hineinschauen. Ich meine je eines beydem andern. Die Männer sind nicht die ein-
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