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Johann Jakob Bodmcr.
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zigen Narren, sondern man findet auch viel tct. Wer wohl stirbt, dessen Grab ist das
Närrinnen, denen ich hier die Schleyer, die höheste, der Tod der Sünder ist der böseste."
Schürtze und Voiles, mit Narrenkappen be- Wie schwer es sey den Frauen recht zu
decke; auch Wetzen haben Narren-Röcke an. thun: „Die gröste Weisheit auf Erden ist thun
Sie wollen ohne dieses ietzo tragen, was vor- 5 können, was jeder begehrt, und wo man das
mahls den Mänvern schändlich war, spitzige nicht vor gut nimmt, doch thun können, was
Schuhe, und ausgeschnittene Röcke, damit der jedem geziemt. Wer aber Frauen recht thun
Milchmarckt nicht bedecket werde. Sie wickeln will, der muß ctwann mehr, als ein Knecht
viel hudeln in die Zöpfe, und machen grosse seyn. Denn sie thun gar oft mehr durch ihre
Hörner auf die Köpfe, als ob es ein grosser 10 Blödigkeit, als durch ihre Listigkeit."
Stier wäre. Also gehen sicher, wie die wilden Folgendes hat einen satvrischcn Schwung:
Thiere. Doch sollen ehrbare Frauen mir ver- „Wen der Teufel bctriegen will, dem giebt er
zeyhen, denn ich will ihrer zu keinem Argen viel Gut und Reichthum. Gedult in der Ar-
gantz nicht gedencken. Der bösen giebt es doch mut ist besser, als aller Welt Glück, Reich-
nur zu viel." 15 thum und Gut. Niemand überhebe sich seines
Ein Scribent, der mit dergleichen Gemü- Glücks, denn es nimmt ab, wann Gott will.
thes-Gedancken zum Vorschein kömmt, muß sich Der ist ein Narr, der oft schreyt, o Glück wie
so wohl mit seiner Gutherzigkeit als seinem verläst du mich, was zeihest du mich, gieb mir
Verstände die Gunst der Zuhörer und Leser so viel, daß ich noch eine Weile ein Narr bleibe!
erwerben. 20 Denn grössere Narren sind niemals worden.
Die Lehren und Lebensrcgcln, die Brand als diejenige, welche hier alles Glück gehabt
vorträgt, die Frucht einer gereinigten Vernunft, haben."
werden mit einer Menge satyrischer Stiche und Das Capitel von unnützlichcn Wünschen ist
charakterisierender Züge belebet. Die Exempel, gantz lehrreich: „Gott giebt uns allen das, was
die zwar symbolisch, doch meistens aus der 25 er will; er weis was recht ist, was zu viel;
wahren Historie hergenommen chnd, bekommen auch was uns nütze sey, und wohl komme;
am meisten Platzes. Manchmal führt er seine woraus uns Schade entspringen solle; wenn er
Personen selbst redend ein, zum Exempel den uns nicht lieber hätte, als wir uns selbst haben,
Koch, den er unter andern sagen läßt: „Wir und thäte, was wir wünschen, und machte es
achten fleiffig darauf, wie wir viele Trachten 30 wahr, so reute es uns eh ein Jahr auskäme,zurichten; damit wir den Magen und die Lust Denn unsre Begierde macht uns blind, daß
zu essen reißen, kochen wir, sieden, braten, wir Dinge wünschen, die wider uns sind. Wer
schweitzen, rösten und baken; wir machen Pfef- wünschen will, daß er recht lebe, der wünsche
ferbrey voll Zucker, Gewürtze und Spccerey, daß ihm Gott zu diesem Ende einen gesunden
wir geben einem Oxymel ein, der denn bey der 35 Sinn, Leib und Gemüth gebe, und ihn vor derSteige Gewell leidet, oder es wieder mit Furcht des Todes, vor Zorn, Begierde, und
Syropen und mit Klistieren von ihm purgieren dem bösen Geitz behüte."
muß." In dem Capitel von dem Vorherwissen
Von dem Ueberhandnehmen der Pracht bey Gottes sind etliche tiefsinnige Gedancken: „Eineschlechten Leuten sagt er: „Die Bauren waren 40 Artzney macht einen gesund, und macht einenehedem einfältig; da die Gerechtigkeit aus den andern noch mehr kranck. Einer, nachdem erStädten und den Maure» floh, wollte sie in Gottes Strafe und gewaltige Hand empfunden,
strohern Hütten seyn, ehe denn die Bauern hat seine Sünde mit viel Seufzern bedacht;
Wein tranken. Ihnen schmeckt der Zwilch nicht der andere hat seinen freyen Willen gebraucht,
mehr, wie ehemals, sie wollen kein Gippen 45 und da er Gottes Gerechtigkeit gemcrcket, dochmehr, es muß lündisches und mechelsches äNeid seine Barmhertzigkeit gemißbrauchec. Gott hatseyn, und gantz zerhacket und gespreitet, mit nie einen verlassen, er wußte wohl warum ers
allen Farben wild über wild, und auf dem gethan hätte. Webn er alles gleich wollte ge-
Ermel ein Gauchsbild. Der zuvor ein Biir- habt haben, so hätte er wohl nichts als Rosen
gerkauffmann war, will edel und Rittersgenosse 50 gemacht: Aber er wollte auch Disteln haben,seyn, der Edelmann begehrt ein Frey, der Graf daß man an denselben seine Gerechtigkeit sähe.gefürstet zu seyn, der Fürst begehrt die Krone — — Die Urtheile Gottes sind heimlich, nie-des Königs." mand weis ihre Ursachen gäntzlich, je mehr man
Von der Pracht mit den Grabmählern sagt sie zu ergründen begehrt, je minder erfährter: „Die Seele hilft ein köstliches Grab nichts, 55 man davon. Ob jemand schon wähnet, daß eroder daß man es von Marmor habe, und sie wisse, so ist er dessen doch gantz ungewiß."Schild, Helm und Panier aufhänge. — Dann Folgender Character von denen, welche mir
erstechen sich die Freunde um das Gut, welcher Vorsatz und aus Ruhmbegierde Narren seynes gantz behalten solle; die Teufel sind der wollen, ist bey den Sittenrichtern seltenes Bor-Seele gewiß und triumphieren wüste mit der- 60 kommens: „Es ist aus Erden mancher Narr,selben, führen sie bald von einem in das andere, der sich närrischer Gebehrden annimmt, undvon eitel Kälte in eitel Hitze. Wir Menschen wenn man ihn schünde, und sötte, so könnte
leben gantz ohne Witz, daß wir der Seele nicht er es doch nicht weiter bringen, als daß er
wahrnehmen, und immerdar des Leibes sorgen. etwann die Ohren schüttelte; er will mit allemAlle Erde ist Gott gesegnet, der liegt wohl, 65 Fleiffe närrisch seyn, doch seine Narrenweiseder da wohl todt ist. Der Himmel decket gefällt Niemanden; und wiewohl er einem Nar-manchen Todten, der sich unter keinem Steine ren gleich thut, nimmt doch niemand seinen
streckt; wie könnte der ein schöneres Grab Schimpf vor gut auf. Daher sprechen die
haben, dem das Gestirne von oben herab lcuch- Leute von ihm, der Narre wollte sich gerne