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Christian Ludwig Liöcov.
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auf den Tod des Kaisers Peters des Ersten,samt Dero gelehrten Nachricht von dem Zu-stande der Insel Nova Zembla vor der Sünd-fluht, von Archangel aus zuschickte.
Ich bin zwar nicmalen so leichtgläubig ge-wesen, daß ich alles für unstreitige Wahrheitenangenommen hätte, was die gemeinen Büchervon der Barbarey sagen, die in den Nordlän-dern herrschen soll; noch weniger hat mir derhochmüthige Wahn' vieler Landsleute' gefallenwollen, die sich einbilden, daß aller Witz in denGränzen unserer Insel eingeschlossen sey. DerUmgang, den ich, auf meinen ehemaligen Reisen,mit vielen gelehrten und scharfsinnigen Lap-ländern gehabt habe, hat mich eines andernbelehret: Allein das hätte ich mir doch nimmerträumen lassen, daß in einem Lande, welchesman uns als eine Wüsteney, und als eineWohnung der Ohim und Zihim beschreibet, einMann von so scharfem Verstände, und von sogrosser Gelehrsamkeit anzutreffen sey, als ausIhren Schriften hervorleuchtet.
In Spanien bildet sich der Pöbel ein, einKetzer sey ein Thier, das Hörner und Klauenhat. Unser Irrthum in Ansehung der Samo-jcden ist gewiß nicht kleiner gewesen- Kaumhat man bisher» geglaubet, daß ihr Vaterlandvon vernünftigen Creatoren bewohnet werde;so scheußlich hat man uns dessen Einwohnerabgemahlet. Urtheilen Sie demnach, meinHerr, wie groß meine Verwunderung gewesenseyn müsse, als ich Dero herrliche Schriftengelesen.
Gewiß, mein Herr, ich bin erstaunt, daß einPoet, der in einem so kalten Lande gebohrenist, in seinen Gedichten so viel Feuer zeigenkönne, und muß bekennen, daß die Einfälle un-serer Dichter, gegen die Ihrigen zu rechnen,kälter sind, als alle Eisberge in der Meer-EngeWeygatz.
Sie schreiben so hoch und prächtig, als einAraber, und ich wüßte keinen unter den Alten,der Ihnen gleich zu schätzen sey, als den Pinda-rus. Ich weiß nicht, ob Sie denselben gelesenhaben; das weiß ich, daß ihre vortreffliche Odeeben die Bewegungen in meinem Gemühte er-reget, die ich spühre, wann ich diesen altenGriechen lese: Und einer meiner Freunde hatmir zugeschworen, er,verstünde von Ihrer Odeeben so viel, als vom Pindarus.
Ich glaube es ihm gerne, und ich bin ver-sichert, daß alle unsere Gelehrten, die sich soklug dünken, und so geneigt sind, andere zuverachten, von Ihren Schriften nicht das Ge-ringste verstehen. Ich hpbe noch keinen gesehen,der nicht Nase und Maul aufgesperret hätte,wann er von den herrlichen Nachrichten gehö-ret, die Sie uns von Nova Zembla geben. Wiegroß wird nicht ihre Bestürzung seyn, wannsie des Herrn Medley vortreffliche Uebersetzungdieser gelehrten Geschichte erst lesen, und mitihren Augen sehen werden, wie wenig Ursachesie haben, die nordischen Völker zu verachten.Ich wollte wünschen, daß sie dadurch bescheide-ner würden, und begreifen lerneten, daß ihrWissen Stückwerk sey: allein ich weiß nicht,ob ich es hoffen kann. Wo fern ich unsere Ge-lehrten recht kenne, werden sie lieber alles, wasSie uns von Nova Zembla erzehlen, für er-
dichtet ausgeben, als gestehen, daß sie es bisher»nicht gewußt haben.
Ich werde mich dieser Sünde nicht theil-haftig machen; sondern allemal bekennen, daßich aus Ihren Schriften unglaublichen Nutzengeschöpfte habe. Ich werde es dem Herrn Med-ley, so lange ich lebe. Dank wissen, daß er mirDero Bekanntschaft zuwege gebracht, und einbeständiger Verehrer Ihrer Verdienste leben undsterben.
Diese Erklärung habe ich schon lange ausmeinem Herzen gehabt, und auch bereits etlichemal die Feder ergriffen, mich derselben in einemSchreiben an Sie zu entledigen. Allein es hatmir bis auf diese Stunde nicht glücken wollen:Ich habe wohl dreymal angefangen; aber auchdreymal wieder ausgestrichen, was ich geschrie-ben hatte.
Es ist dieses an Leuten meiner Art etwasungewöhnliches. Wir, die wir von den Spöt-tern armselige Scribenten betitelt werden, habenauch bey unsern Feinden den Ruhm, daß wirnicht lecker sind, und daß uns alles gerächt, waswir anfangen. Ich wüßte noch keinen von allenmeinen Brüdern, der sich jemalen geschämethätte, etwas vorzubringen, io die leckere undverwöhnte Welt für läppisch hält, und ich selbsterkenne gar wohl, daß die Schamhaftigkeit eineTugend sey, die mir und meines gleichen ebenso schädlich ist, als einem Dürftigen. Ich er-kenne dieses, sage ich, und bewundere die Voll-kommenheit meiner Brüder. Ich muß aberzugleich meine Schwachheit gestehen. Ich streichenoch aus, und scheue das Urtheil derer, die sichklug dünken. Dieses ist das einzige, das meineFreunde an mir tadeln. Allein, ich bin nunso, und mein Schicksal will, daß ich mich mitdieser Unvollkommenheit schleppen soll.
Ich fühle am besten, wie beschwerlich es ist,und wer da wüßte, was mich bloß der Anfangdieses Schreibens vor Mühe gekostet hat, derwürde ein Mitleiden mit mir haben. Als ichdas erstemal die Feder ansetzte, sing ich folgen-der Gestalt an: „ Nachdcmmalen ich aus DeroSchriften ersehen, daß Sie ein feiner gelehrterMann, habe ich nicht unterlassen wollen, diesegeringe Zeilen an Sie abzulassen, und Sieunterdienstlich zu ersuchen, mir Ihre höchst schätz-bare Gewogenheit zu gönnen-" Mancher vonmeinem Orden würde fortgefahren seyn: Alleinich stutzte, und die Furcht, es möchte mir ebenso gehen, als jenem, der ein Danksagungs-schreiben, an ich weiß nicht wen, fast auf gleicheArt angefangen hatte, machte, daß ich diesenEingang, ohne alle Barmherzigkeit, wegstrich.
Ich fing darauf wieder von vorne an, undbrachte, nach einem halbstündigen Grübeln, nach-folgendes zu Papier: „Gleichwie der Magnetdas Eisen, ein Beutel voll Ducatcn einen Gei-zigen, grosse Titel einen Hochmüthigen, dieHoffnung des Gewinns den Künstler, ein GlasWein und ein hübsches Mädgen einen Wollü-stigen, und ein geriebenes Stück Bernstein undSiegellack leichte Sachen an sich ziehet: alsoreistet mich, grosser Mecenat, Dero Bortreff-lichkeit zu Sie." Aber auch dieser Anfangwollte mir nicht gefallen; denn wie mir dererste etwas zu schlecht und bäurisch vorkam: soklang mir der andere komödiantenhaft. Ich strich
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