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Johann Jakob Breitinger.
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ahmung, sondern von der Schönheit der Schil-dere»), oder dem Leben und der Vermischungder Farben, oder der Wahl der Handlung, oderden Gebehrdungen der Personen, und von vie-len andern Sachen, so das Auge an sich ziehen,und zugleich dem Geist etwas zu thun geben,und ihn in wahrender Ergetzung unterrichten.Gleichwohl ist hier zu erinnern, daß auch bei)der Vorstellung unbekannter Dinge, von welcherArt die Poesie eine Menge aus dem Reiche dermöglichen Welt vorstellet, eine ähnliche undeben so angenehme Gemühtes - Beschäffligungund Ueberlegung in den Gedancken statt hat,da wir nemlich diese unbekannten Bilder mitandern ähnlichen und bekannten vergleichen,und aus Zusammenhaltung der Umstände ent-scheiden, ob sie möglich und wahrscheinlich seyen.Mithin ist in der That das Ergehen, welchesdas Verwundersame in der Kunst der Nach-ahmung hervorbringet, viel'stärcker und em-pfindlicher, als dasjenige, welches von dem Lehr-reichen entstehen kan. Wenn die Nachahmunguns durch die vollkommene Ähnlichkeit in Zwei-fel sehet, ob wir nicht das Urbild selbst vordem Gesichte haben, wenn sie eben die Empfin-dungen und Regungen in uns hervorbringet,welche das gegenwärtige Urbild erwecket hätte,so muß diese verwundersame Kraft nothwendigdie Betrachtung veranlassen, wie groß die Fä-higkeit der menschlichen Kräfte sey, daß sie dieKräfte der Natur durch die Kunst hat erreichenmögen. Erstaunung und Entzückung überfallenuns, wenn wir den Menschen zu solchen vor-trefflichen Wercken geschickt und tüchtig finden,und füllen uns mit prächtigen Einbildungen vonunserer Würde an. Mit dieser Verwunderungüber die Nachahmungs - Kunst wächßr zugleichdas Ergehen, wenn wir ferner betrachten, daßdieselbe geschickt ist, nicht alleine das Gemüthein Bewegung zu setzen, und den Verdruß derden Mangel an Geschäften begleitet, zu ver-jagen, sondern auch die Gemüthes-Leidenschaflenvon allen widrigen Folgen und Zufällen völligzu reinigen, also daß wir ein reines Ergehengemessen können, auf welches keine solche Un-gelegenhciten folgen, als die ernstlichen Bewe-
gungen zu begleiten pflegen. Lucretius hatsolches von der Furcht angemercket, welches eineungestüme und beklemmende Leidenschaft ist; ersagt, daß die Nachahmung sie gleichsam von5 aller Gefährlichkeit erledige und alle Bangigkeitdavon sondere:
„Süß ist's, Anderer Noth bei tobendem Kampfeder Winde
Auf hochwogigem Meere vom fernen Ufer zu10 schauen;
Süß auch ist es zu schaun die gewaltigen Kämpfedes Krieges
In der geordneten Schlacht, vor eig'nen Ge-fahren gesichert."')
15 Und diese Ueberlegung, „vor eig'nen Gefahrengesichert", ist eben die Ursache, daß die künst-liche» Vorstellungen von erschrecklichen und furcht-baren Dingen in der Nachahmung crgetzlich wer-den ; welches Cicero in dem Schreiben an2V Luccejus, in welchem er diesen geschickten Histo-ricus auf eine feine Art aufmuntert, die Ge-schichte von seinem Bürgermeister - Jahre zuverfassen, mit diesen Worten bekräftiget: „DennNichts gewährt dem Leser mehr Ergötzung, als25 diese großen Abstiche von Licht und Schatten,die, durch schnell aufeinander folgende Zeit- undGlückswechsel bewirkt, wie unerwünscht sie auchwaren, als ich sie erfuhr, dennoch mir selbst imLesen Vergnügen machen werden, weil in ru-3V higer Erinnerung überstandener Schmerzen eineArt von Wollust ist. Den Andern hingegen,welche, ohne selbst dabei gelitten zu haben, zublossen Zuschauern fremder Leiden gemacht wer-den, wird das Mitleiden selbst zu einem ange-35 nehmen Gefühl. Oder welcher unter uns kannden sterbenden Epaminondas bei Mantinea ohnediese Mischung von Mitleiden und Vergnügenansehen, da er sich den Wurfspieß nicht eher,als bis er versichert wird, daß sein Schild ge-4« rettet sei, aus dem Leibe ziehen lassen will, undmitten in der Pein einer tödtlichen Wunde keineandere Sorge hat, als rühmlich zu sterben?Wer kann die Geschichte der Flucht des Lhe-mistokles ohne die lebhafteste Theilnahme und45 ohne den Wunsch, daß er wieder in sein Vater-land zurückberufen werde, lesen?"^i
Christian Ludwig Liseov.
Vikrea kack», oder des Ritters Robert Clifton Schreiben an einen gelehrten Sa-
mojcdcn, betreffend die seltsamen und nachdenklichen Figuren, welche derselbe den
13. Januar 1732 st. v. auf einer gefrornen Fensterscheibe wahrgenommen.
(Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzet.)
-„ Es erfreuet zu geben auf Gipfeln, wo IcincS
In oerwundclubcn Pfap zur Knstnlin sauft sich hlnabneigt,' >!)
Mein Lerr ' da Mir, zu Ausgang des vorigen Jahres. der
Nimmer habi ich mich so sehr gcfreuet, als Herr Willia m Medley Dero vortreffliche Ode
1, Lucre^u der Natur der Ding-, II. tTrH s, k iübcrs, von Knebel), 2, Eiccro's Briefe, übersetzt vonWielanb. U, S, 23N. 3, Virgil'S Landbau iübers, r, Voß) lii, 282, 283,