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Gottlieb Wilhelm Rabener.
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Pfarrer einen Todtenkopf mit einem Kreuze mseinem Peischakie hat; dieses hilft mir mehr,als wenn ich das ganze Geschlecht, und alleWapen des Kaisers von Fez und Marocco aus-wendig konnte. Daß ich die Rechte der Reicheund meines Vaterlandes lerne» soll, solches^eint mir ein verwägnes Unternehmen zu seyn.Es sind Geheimnisse, welche man nicht erforschen,sondern den Regenten überlassen muß; zu ge-schweige», daß man vielmals an den Höfen selbsthicht weis, was Rechtens ist; wie will man esm den Schulen wissen? Die flatterhafte Eitel-keit der Franzosen, und die Gemüthseigenschaftender Jtaliäner haben mir jederzeit einen Abscheuvor ihren Sprachen gemacht. Deutsch zu lernen,klingt gar lächerlich. Unser Lhorwärter in derSchule konnte gutes Deutsch reden, ungeachteter niemals in die Lehrstunden kam, und meineMutter verstund mich allemal, wenn ich umGeld schrieb. Ich habe zwar gegenwärtigenBries von einem meiner guten Freunde durch-sehen, und die Schreibart ändern lassen; diesesgeschieht aber mehr aus einer Gefälligkeit, alsinnerlichen Ueberzeugung, daß es nöthig sey.Daß die mathematische» Wissenschaften ausschu-len getrieben werden, das lasse ich eher gelten.Es kommen doch immer griechische Wörter dar-innen vor. Die Malerey, Musik, und das Tan-zen schicken sich am besten für Frauenzimmer,und die Kunst, leserlich und schön zu schreiben,für den Pöbel. Denn gelehrte Leute müssenschlecht schreiben; dieses ist ein altes Her-kommen.
Sagen Sie mir aufrichtig, mein Herr, wiegefällt Ihnen dieser Beweis? Nicht wahr?vortrefflich! Sollten Sie wohl in einem jungenMenschen so viel Verstand, und einen so gutenGeschmack suchen?
Die lateinische Sprache kam mir so ein-nehmend und reizend vor, daß ich mich schäme,ein gcborner Deutscher zu seyn. In der grie-chischen Sprache fand ich etwas, von dem ichviel zu wenig sage, wenn ich spreche, daß esreizend und entzückend war. Ich habe michvielmals gewundert, warum man sie nicht beyHose einführt, und ich bin gewiß versichert, einFrauenzimmer würde bei einer griechische» Lie-beserklärung nimmermehr unempfindlich bleibenkönnen. Daß ich ebräisch ebne Punkte ver-stehe, daS ist das wenigste, dessen ich mich rüh-men kann. Die Redekunst hat mich recht be-zaubert. Die Regeln und Muster, die ich mirerwählte, waren zwar nach dem neusten, jedochnach meinem Geschmacke. Besonders in denFiguren war ich sehr stark. Ich wußte alle ihreVor- und Zunamen, und meine Reden, die ichhielt, bestunden in nichts, als Fragen und Aus-rufungen. Die Erlernung der Logik war meineernsthafteste Beschäffcigung. Zwar die gemeineArt zu denken hat mir niemals gefallen wollen.Sie ist gar zu deutlich, und die Kunstwörtersind zu sehr gespart. Wenn ich jemanden, alsein Gelehrter, überzeugen will; so muß meineUeberzeugung kunstmäßig seyn, und ich magdenken, was ich will, so denke ich in formn.Meiner Abschiedsrede kann ich mich ohne einigeSelbstliebe nicht erinnern. Ich handelte vogden Rauchfängcn der alten Grieche», und in-sonderheit der Lacedämonier. In welcher Sprache
ich dieselbe eigentlich gehalten habe; solches kannich Ihnen nicht sagen. Wenn ich Ihre Ohrennicht beleidigte, so würde ich sie kll»raico-I.atino-Orwoam nennen. Dieses letzte Meisterstück mei-5 ner Fähigkeit mochte wohl Ursache seyn, daßman mir ein vortreffliches Schulzeugniß gab.Ich werde es mit nach Leipzig bringen, und alsodie Ehre haben, Ihnen Brief und Siegel übermeine Geschicklichkeit zu zeigen.
1Ü Bis hieher klingen meine Erzählungen ganzvergnügt. Sie werden den wichtigsten Umstandnoch nicht einsehe» können, welcher mich be-wogen hat, an Sie zu schreiben. Sie sollenihn gleich erfahren.
15 Von der Schule ging ich nach Hause zumeinem Vater, welcher im Gebirge ein adelichesRittergut gepachtet hakte. Meine Absichtenerforderten, daß ich unserm gnädigen Herrnsogleich meine Aufwartung machte. Er erkun-20 digte sich nach der Einrichtung der Schule undbesonders meines bisherigen Studirens. Icherzählte ihm alles, was ich itzt geschrieben habe,und ich glaube, ich erzählte ihm noch mehr.Seine Aufmerksamkeit machte mich beredt, und25 ich versprach mir schon im Voraus die Anwart-schaft auf eine Pfarre. Allein, wie sehr betrogich mich in meiner Hoffnung! Urtheilen Sieselbst von meiner Bestürzung, die ich empfand,als mir derselbe mit einem ernsthaften Gesichte30 ungefähr also antwortete: „ Gewiß, mein Freund,„ich bedaure ihn, sein Vater hat das Geld ver-klären, und er die Zeit verderbt- Er hat stu-„dirl, und ist keinem Menschen zu etwas nütze.„Wäre es nicht vernünftiger gewesen, wenn er35 „sich auf diejenigen Wissenschaften etwas mehr„gelegt hätte, von denen er geglaubt, daß sie„so verächtlich und überflüßig sind? Muß er„sich nicht schämen, daß er in Griechenland zu„Hause, und in Sachsen ein Fremdling ist?40 „ Daß er die Gesetz» seines Solons versteht, und„nicht die geringste Kenntniß von den Rechten„seines Vaterlandes hat? Hätte er sich nicht„die Sprachen der Ausländer wenigstens nur„in etwas bekannt machen sollen; wenn er sie45 „auch allenfalls nicht besser gelernt hätte, als„die deutsche? Wie viel brauchen wir latei-nische und griechische Sprachmeister? Ich tadle„deswegen nicht an ihm, daß er lateinisch und„griechisch gelernt hat. Dieses muß seyn, und50 „ein Gelehrter, der es nicht kann, kömmt mir„eben so abgeschmackt vor, als er, daß er seine„Muttersprache nicht besser versteht. Was glaubt„er wohl, daß ich mit meinem Schneider an-fangen sollte, wenn er nichts arbeiten könnte,55 „als solche Kleider, wie sie Seneca und So-„krateS getragen haben? Würde der Kerl„nicht Hungers sterben müssen, wenn er sonst„nichts gelernt hätte? Mit seiner Redekunst„lockt er keinen Hund aus dem Ofen, geschweige,60 „daß er die Gemüther der Zuhörer rühren sollte,- „ und seine ganze Logik besteht aus Worte» ohne
„Gedanken. Hat ihm denn niemand auf der„Schule gesagt, wie unentbehrlich es heutiges„Tages sey, daß man die sogenannten gelehrten65 „Sprachen und Künste mit den neuern Wiffen-„schaften verknüpfe?" Ich konnte dieses nichtläugnen. Ich gestund, daß einige meiner Leh-rer mich deswegen vielmals getadelt, und mirmeine Bemühungen, als unnütze, vorgeworfen