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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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93-94
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Christian Fürchtegott Geliert.

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wir nicht mit vielem Stolze auf unsre Un-geschicklichkeit armselig und barbarisch sprechen?

Ja, meine Herren, daß wir st> viele Zeitauf die Erlernung der Regeln, und so wenigFleiß und Zeit aus die Ausübung derselben wen-den, daß wir unsre Kraft zu denken, und unsreGedanken auszudrücken, so wenig durch schrift-liche Versuche stärken, dieses ist der letzte Fehler,den ich noch berühren will; ein unvergeblicher

fragen, wo man Zeit zur Erlernung derPhilosophie hernehmen will? Vielleicht daher,daß man sie nützlicher und vorsichliger treibt.

Die Philosophie, so heilsam sie an und für sichden. Skudirenden ist; so schädlich wird sie dochvielen durch die Art, mit der sie dieselbe treiben.

Seinen Verstand in Ordnung bringen, die all-gemeinen Gesetze der Vernunft und Wahrheit,

die Wege kennen lernen auf welchen unser Ver- .-/ -i->u ; unv-ig^.^-.

stand zur Deutlichkeit und Gründlichkeit seiner 1» Fehler! Was ist die Veredsamkett uberh-upUrtheile gelangt, die Richtigkeit und Fehler der als erne Kunst, seme Gedanken deutlich o dent-Schlüsse und Beweise kennen lernen - was kann lich und schon vorzutragen ? Was nutzt alle

vortrefflicher seyn - Aber sollen wir dieses allein Wissenschaft wenn ich nicht die Gabe der Deut-

lernen' um es zu wissen um "s mit tausend lichkeit, der Ordnung und Anmuth habe - DurchSpitzfindigkeiten Andern wieder herzusagen, um 15 die Uebung nach Regeln, durch öftere Versuchsnur das System unsers Lehrers in unserm Ge- durch Nachahmungen schöner Beyspiele, durchdächtniffe aufrubchallen? Nein um unserm die Anmerkungen der Verständigen, können wirVerstände dft gehört natürliche Richtung »»S diese Gabe erwerben, und das Licht undzu geben, um uns die Fertigkeit richtig zu den- den Glanz der Schreibart in unsre Gewalt

ken und zu urtheilen zu erwerbem Sind wir 20 bringen. Und wenn stellen wir diese Versuche

dadurch' gebessert daß wir unser Gedächtniß an? Wenn hören wrr dre Crrtrken der Kenner,mir einer unzähligen Menge von Regeln wenn verbessern w.r unsre Au flatze nach rhrenund Kunstwörtern überladen, die unsern Ver- Anmerkungen? Es ist einem S-udrrenden Noth-stand strotzender, aber nicht stärker und gesünder wendig sich ^er late,Nischen Sprache zu übenmachen, die von uns nur halb, und von. An- 25 es rst seine Schande, »nd oft z tlebens ft.nodern, die unsre Methode nicht gelernt haben, Schande, es nicht genug gethan zu haben. Loch2« «fth. °°rstandm?verden?Jst die Kenntniß brauchen wir für die Geschaffte des g—d°r Philosophie nur die Kenntniß der Sätze Lebens, ,ur die ^'Seln für die Ger chrsstuben,und Kunstwörter, die unsre Lehrer aufgebracht brauchen wir nicht auch die Muttersprache.haben, und die nach wenig Jahren mit ihnen 30 Etwas von der Grammatik wissen , so vielwwder verschwunden seyn werden? Eine gründ- Deutsch wessen, als man rm täglichen Um-de^° ?°rnunftlehre fassen, und sie bald anwen- gange Hort, das heißt nicht seiner Sprache mach-Ken.rn"°"' ^ eine vortreffliche Sache. Eine tig seyn. Man muß d.e Sprache gebraucht,stck der natürlichen und ersten Pflichten geübt, man muß viel darinnen gedacht und ge-dern damit man sie ausüben und An- 33 schriebe» habe» wenn man sie b,s zur Deu -

Abringen könne, ist unsre unumgängliche lichkeit, Schönheit bis zum Nachdrucke m derSchuldigkeit. Die Weisheit die Ordnung, die Gewalt haben will. Wir wollen Männer wer-Wunder der Natur kennen lernen, damft wir den, die in ihren Aemtern durch Briefe, durchchren Urheber verehren und durch Gehorsam andere schriftliche Aufsätze ihre Gedanken in derund Ordnung in unsern Handlungen preisen W Muttersprache abfassen sollen, und wir vernach-und andren, und die Vortheile des menschlichen lässigen sie, und beschimpfen künftig die Bere -Lebens vermehren, ist das heilsamste Geschähe. samkeit und unsre Pflicht? Wir wollen MännerAber aus der Philosophie eine müßige Weisheit werden, die dem Volke dre göttlichen Wahrymachen, das Gedächtniß mit trocknen Lehrsätzen vortragen sollen; und wir gewöhnen uns nicht,anfüllen, die dem Verstände keine Nahrung, 45 Deutlichkeit, Ordnung und Anmuth uns narur-sond'ecn nur Arbeit verschaffen, diese oder jene lich, und alle Schätze der Muttersprache durch

Methode, als das Wesen und den Kern der soigfältige Uebung uns eigen zu machen- tslau-

Weisheit, viele Jahre studiren, und einige Ver- ben wir, daß es der Religion und der Tugendbesserungen, oder Aenderungen des Systems für gleichgültig ist, ob wir dunkel oder helle, gründ-die »och unerfundene, noch nicht gedachte Wahr- 5o lich oder abentheuertich, ordentlich oder verwirrtheil ansehen, und mir großen .kosten der Zeit ihre Lehren vortragen, ob wir von den heiligstenund des Fleißes fassen; dieses heißt sich im Wahrheiten in einer elenden, gezwungnen, nie-

Sludiren aufhallen, und aus Ehrerbietung für derirächtigen, oder in einer reinen, natürlichen

die Philosophie seine Vernunft blenden. Ich ver- und edlen Sprache reden ? Wir wollen alsgöltre die Allen und ihre Philosophie insonderheit 55 Scribenlen für die Well, oder für unser Vater-gar nicht; aber das weis ich, daß sie ihre Welt- land zur Aufnahme des Geschmacks, der Sitten,

Weisheit praktischer getrieben haben; das weis ich/ der Künste schreiben ? und wir üben uns nichr

daß ein WeltaUec in Athen war, wo die Philo- mtift der guten Schreibart, ehe wir diesesophie und die Beredsamkeit mir einander verbun- öffentlichen Aemter über uns nehmen? Ich willden waren, wo die Gründlichkeit der Gedanken 60 gar nicht, daß man Anfänger übereilen, daßzugleich mit der Schönheit der Ausführung und man sie nöthigen soll zu schreiben, ehe sie den-der Sprache vereint wurde. Wir, die wir gemei- ken können, daß man sie bey ihren Arbeiten inniglich in der trockensten und dunkelsten lateini- dem unmündigen Stolze, sich gedruckt zu sehen,schen oder deutschen Sprache, die von der Sprache bestärken soll. Muß alles so fort im Druckeder Alten, und von der Sprache der Welt so sehr 65 erscheinen ? Kann man unsre Schreibart nichteniftrnt ist, philosophircn lernen, was werden wir reif werden lassen ; und kann man sich nicht

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anfangen, wenn wir Redner aus den Kanzeln,auf dem Catheder, Scribenlen der Geschichte undder übrigen Wissenschaften seyn sollen? Werden

üben, seine Fehler abzulegen, ohne die Weltzum Zeugen zu nehmen, und junge Leute zugleicher Zeit eitel und lächerlich zu machen?