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Johann Joachim Spaltung.
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Bewegung setzet? Ich verlange von einem, derüberall noch Religion haben will, nur geradeso viel, und nicht mehr, Andacht, als er Reli-gion hat. Das ist, däucht mir, eine ganz billigeFoderung. Wenn also so mancher, der in demLehrgebäude der Philosophie, welches er gelcrnetauch die natürliche Gottesgclehrsamkeit undSitlenlehre annimmt, und im wirklichen Ernstesiir wahr hält, dieselbe nur nach diesem Maaßew dem Gefühle seines Herzens wirken ließe:was für andächtige und gerührte MenschenWürden wir denn nicht haben! Ich rede hiernicht bloß von dem Pöbel, nicht einmal vondem gelehrten Pöbel, überhaupt nicht von demSchwärme gedankenloser Menschen, bey denenM allen Stücken Erkenntniß, Empfindung undHandlung unendlich weit von einander ist, unddw sich lediglich von den blinden Trieben derSinnlichkeit beherrschen lasten; sondern ich habed-eienigen im Sinne, die sonst in ihrem Ver-fahren eine Art von System haben, die sonstgewohnt sind, in ihren Angelegenheiten solgr-rungsmäßig zu handeln, und sich selber Gründehon dem, was sie thun, anzugeben. WarumM doch bei denen im Herzen keine Andacht, wennanders in ihrem Verstände Religion ist?
Andacht! Es wäre seltsam, wenn dieß-short selbst schx>„ etwas Anstößiges und Ab-es c haben sollte; und doch scheint
i w, wenn man darauf Acht hat, in was fürben^! "achthriligen Verstände es gemeiniglichist n? modischen Geistern gebräuchlich
nicht viel, daß es nicht mit dereine^,. °'nes abergläubischen Kopfes fürwebt hthallen wird. Und dennoch wüßte ichunserer Sprache die Be-^.//.^Tung des Herzens mit Gottstärker ausdrücken wollte. Die' Pfändungen und Gemüthsbewegungen aus°°r Betrachtung des höchsten Gegenstandes desanschlichen Denkens, der noch dazu uns selbstw nahe angeht, die machen einen Andächtigen,und dann sehe ich, an Statt des Schwachenund Niedrigen, welches man so oft damit ver-knüpft, nichts anders darin», als die würdigsteund edelste Erhebung der menschlichen Seele.Die Stärke dieser vernünftigen Empfindungenist so groß, daß unser Geist, wenn er sie indem ganzen Umfange ihrer Wahrheit fassenwollte, nothwendig unter dem Gewichte der-selben niedersinken müßte. Und wenn wir auchbisweilen darinnen, bey einer strengen Ausam-wenhaltung unserer Gedanken, zu einer außer-ordentlichen, obgleich den Gegenstand nie über-steigenden , Höhe entzückt werden, so könnenunsere denkenden und fühlenden Kräfte das dochnur eine sehr kurze Zeit aushalten, und müssenbald zu sanfter» und ruhigern Regungen zurückkommen. Aber diese niedrige Gegend der An-dacht m,,ß dagegen auch nothwendig ein sehrnatürlicher und gewöhnlicher Aufenthalt für dasGemüth desjenigen seyn, der Gott, und seineBeziehung aus ihn. kennet.
Dreß kann auch um so viel weniger fehlen,da es nur einen Schritt mit den Gedanken zuthun braucht, um sogleich auf Gott, die Quelle^5 ., ° „ mmenheit, den Vater, Erhalter undWohlthäter aller Wesen zu komme». So oftnn Mensch von Verstände sich mit einiger MußeKurz, pros. »it.
in die Betrachtung der Natur einläßt: so mussalles, was um ihn ist, seiner Seele die lebhaf-testen Empfindungen von Ehrerbietung, Bewun-derung, Vertrauen, Dankbarkeit und inbrünstiger5 Liebe einflößen; und dazu gehöret nicht mehr,als der einzige ernsthafte Gedanke: „ Es ist eine„weise und gütige Gottheit, welche die Welt„gemacht hat und regieret." Und so oft esdann auch Anordnungen und eingeführte Ge-lt» wohnheiken giebt, welche die Erinnerung an dasoberste Wesen und an unsere Abhänglichkeit vonihm zum Zwecke haben, so wird es einem ordent-lich denkenden Gemüthe nicht möglich seyn, vonden einnehmenden Regungen frey zu bleiben,15 die eine solche Erinnerung, wenn sie ernstlichist, ganz natürlich bey sich führet.
Es würde eine sehr elende Ausflucht seyn,zu sagen, daß man von der innerlichen Andachteines andern nicht urtheilen könne, und daß es20 zu lieblos und vermessen sey, dieselbe einemgroßen Theile der Menschen darum abzusprechen,weil man sie äußerlich an ihnen nicht gewahr> wird. Denn eben diese Leute meyne ich, dieso wenig Empfindung von Gott bey sich wahr-25 nehmen lassen; und ich bin sehr neugierig, vonihnen zu erfahren, was sie für Ursachen dazuhaben, und wie sie es anfangen, daß man das,wovon ihr Herz, ihrer Versicherung nach, viel-leicht gerührt und voll ist, so gar nicht an30 ihnen merken kann. Hier ist von keinen kleinenund schwachen Gemüthsbewegungen die Rede,deren wir uns zu schämen hätten, oder derenAusbrüche unserer Wohlfahrt auf eine oder dieandere Art schädlich seyn könnten, die wir des-35 wegen sorgfältig verhehlen und unterdrückenmüßten: sondern es betrifft die größte und all-gemeinste Angelegenheit des menschlichen Ge-schlechts : es betrifft den höchsten Gegenstandder menschlichen Erkenntniß, und dasjenige, was,40 nach Aller Geständniß, die Glückseligkeit, dieEhre und den Trost der vernünftigen Geschosseausmacht. Wenn ein ordentlich denkendes We-sen zum voraus, und ehe es eine weitere Er-fahrung davon hat, urtheilen sollte, was Men-45 schen, die das alles glauben, die von Gott undder Religion so, wie sie sagen, überzeuget sind,was die wohl für Gesinnungen dabey äußern,und was für ein Bezeigen sie blicken lasse» wür-den .- so müßte es sich unfehlbar einen herr-50 schenken Geist der Andacht unter ihnen vor-stellen: es müßte denken, daß sie die großenund rühmlichen Empfindungen bey einer jedenvernünftigen Veranlassung, obwohl ohne schein-heilige Grimaßen und Verzückungen, ohne ge-55 zwungene abergläubische Aengstlichkeit, äußernwurden; daß sie sich eine Ehre daraus machenwürden, die gebräuchlichen Handlungen der An-betung des größten und besten Wesens mitwahren zuversichtlichen Anzeigen einer lebhaften60 Rührung auszuüben; daß auch ihre Unterredun-gen unter einander so leicht und natürlich aufdiese angelegentlichen Dinge kommen würden,als Kaufleute unter sich auf Handlungssachen,und Staatsmänner auf Weltgeschäffte fallen.65 wenn keine besondere Umstände sie davon zurückhalten. Es müßte dabey einen Ernst, eine Leb-haftigkeit in dem Gespräche vermuthen, die derWerth der Sache vernünftig und nothwendig»nacht. Allein dieß sind, der Erfahrung nach,7