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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
285-286
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Gotthold Ephraim Lessing.

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Zur Nachricht.

' Der Funke hatte gezündet: — Ernst ging, undward Freyinäurer. Was er vors erste da fand, ist derStoff eines vierten und fünften Gesprächs, mit welchem— sich der Weg scheidet.

Viertes Gespräch.

Falk. Ernst! Willkommen! Endlich wie-der einmal! Ich habe meine Brunnenkur längstbeschlossen.

Ernst. Und du befindest dich wohl darauf?Ich freue mich.

Falk. Was ist das? Man hat mir ein:„ich freue mich" ärgerlicher ausgesprochen.

Ernst. Ich bin es auch, und es fehlt we-nig, daß ich es nicht über dich bin.

Falk. Ueber mich?

Ernst. Du hast mich zu einem albernenSchritte verleitet. — Sieh her! — Gieb mirdeine Hand! — Was sagst du? — Du zuckstdie Achseln? Das hätte mir noch gefehlt.

Falk. Dich verleitet?

Ernst. Es kann seyn, ohne daß du es ge-wollt hast.

Falk. Und soll doch Schuld haben?

Ernst. Der Mann Gottes spricht demWolke von einem Lande, da Milch und Honiginnen fließet, und das Volk soll sich nicht dab-nach sehnen? Und soll über den Mann Gottesnicht murren, wenn erste, anstatt in dieses ge-lobte Land, in dürre Wüsten führet?

Falk. Nun, nun! der Schade kann dochso groß nicht seyn. — Dazu sehe ich ja, daß duschon bey den Gräbern unserer Vor-fahren gearbeitet hast.

Ernst. Aber sie waren nicht mit Flam-men, sondern mit Rauch umgeben.

Falk. So warte, bis der Rauch sich ver-zieht , und die Flamme wird leuchten undwärmen.

Ernst. Der Rauch wird mich ersticken, ehemir die Flamme leuchtet, und wärmen sehe ichwohl, werden sich Andere an ihr, die den Rauchbesser vertragen können.

Falk. Du sprichst doch nicht vdn Leuten,die sich vom Rauch gern beißen lassen, wennes nur der Rauch einer fremden fetten Küche ist?

Ernst. Du kennst sie also doch?

Falk. Ich habe von ihnen gehört.

Ernst. Um so mehr, was konnte dich be-wegen, mich aus dies Eis zu führen? Mirdazu Sachen vorzuspiegeln, deren Ungrund dunur allzu wohl wußtest?

Falk. Dein Verdruß macht dich sehr un-gerecht. — Ich sollte mit dir von der Frey-mäurerey gesprochen haben, ohne es mehr alsauf eine Art zu verstehen zu geben, wie unnützes sey, daß jeder ehrliche Mann ein Freymau-rer werde — wie unnütze nur? — ja, wieschädlich. -

Ernst. Das mag wohl seyn.

Falk. Ich sollte dir nicht gesagt haben,daß man die höchsten Pflichten der Maurereyerfüllen könne, ohne ein Freymaurcr zu heißen?

Ernst. Vielmehr erinnere ich mich dessen.— Aber du weißt ja wohl, wenn meine Phan-

tasie einmal den Fittig ausbreitet, einen Schlagdamit thut - kann ich sie halten? — Ich werfedir nichts vor, als daß du ihr eine solche Lock-speise zeigtest -

5 Falk. Die du zu erreichen doch auch sehrbald müde geworden. — Und warum sagtest dumir nicht ein Wort von deinem Vorsätze?

Ernst. Würdest du mich davon abgerathenhaben?

tl> Falk. Ganz gewiß! — Wer wollte ei-nem raschen K „ aben, weil er dann undwann noch fällt, den Gängel wagenwieder einschmutzen? Ich mache dir keinCompliment; du warst schon zu weit, um von15 da wieder abzugehen- Gleichwohl konnte manmit dir keine Ausnahme machen. Den Wegmüssen Alle betreten.

Ernst. Es sollte mich auch nicht reuen,ihn betreten zu haben, wenn ich mir nur von2N dem noch übrigen Wege noch mehr zu ver-sprechen hätte. Aber Vertröstungen, und wiederVertröstungen, und nichts als Vertröstungen!

Falk. Wenn man dich doch schon ver-tröstet ? Und auf was vertröstet man dich25 denn?

Ernst. Du weißt ja wohl, auf die schot-tische Maurercy, auf den schottischen Ritter.

Falk. Nun >a, ganz recht. — Aber wessenhat sich denn der schottische Ritter zu trösten?3ü Ernst. Wer das wüßte!

Falk. Und deines Gleichen, die andernNeulinge des Ordens, wissen denn die auchnichts?

Ernst- O die! die wissen so viel! — Der35 Eine will Gold machen, der Andere will Geisterbeschwören, der Dritte will die ' '' wiederherstellen. — Du lächelst — Und lächelst nur? —

Falk- Wie kann ich anders?

Ernst. Unwillen bezeugen über solche Quer-40 köpfe.

Falk. Wenn mich nicht Eins mit ihnenwieder versöhnte-

Ernst. Und was?

Falk. Daß ich in allen diesen Träumereien45 Streben nach Würklichkeit erkenne, daß sich ausallen diesen Irrwegen noch abnehmen läßt, wo-hin der wahre Weg geht.

Ernst. Auch aus der Goldmacherey?

Falk. Auch aus der Goldmacherey. Ob sich50 würklich Gold machen läßt, oder nicht machenläßt, gilt mir gleich viel. Aber ich bin sehrversichert, daß vernünftige Menschen nur inRücksicht auf Freymaurerey es machen zu kön-nen wünschen werden. Auch wird der erste der55 beste, dem der Stein der Weisen zu Theil wird,m dem nehmlichen Augenblicke Frevmaurer -Und es ist doch sonderbar, daß dieses alleNachrichten bestätigen, mit welchen sich dieWelt von wahren oder vermeinten Goldmachern00 tragt.

Erast- die Geisterbcschwörer?

»alk. Von ihnen gilt ohngcfehr das nehm-liche. Unmöglich können Geister auf dieStimme eines andern Menschen hören, als eines65 Freymaurers.

Ernst. Wie ernsthaft du solche Dinge sa-gen kannst! —

Falk. Bey allem, was heilig ist! nichternsthafter, als sie sind.