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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
287-288
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Gottlwld Ephraim Lcssing.

Ernst. Wenn das wäre! — Aber endlichdie neuen * * *, wenn Gott will?

Falk. Vollends die!

Ernst. Siehst du! Von denen weißt dunichts zu sagen. Denn k * * waren doch ein- 5mal, Goldmacher aber und Geisterbeschwörergab es vielleicht nie. Und es läßt sich frevlichbesser sagen, wie die Freymaurer' sich zu solchenWesen der Einbildung verhalten, als zu würk-lichen. »IN

Falk. Allerdings kann ich mich hier nUrin einem Dilemma ausdrücken: Entweder,oder —

Ernst. Auch gut! Wenn man nur wenig-stens weiß, daß unter zwey Sätzen einer wahr 15ist: Nun! Entweder diese * * * rvoulll i,o —

Falk. Ernst! Eh du noch eine Spöttereyvöllig aussagst I Auf mein Gewissen ! — Diese

— eben diese sind entweder gewiß auf demrechten Wege, oder so weit davon entfernt, daß 2Vihnen auch nicht einmal die Hoffnung mehrübrig ist, jemals darauf zu gelangen.

Ernst. Ich muß das so mit anhören.Denn dich um eine nähere Erklärung zu bit-. ten - 25

Falk. Warum nicht? Man hat langegenug aus Heimlichkeiten das Geheimniß ge-macht.

Ernst. Wie verstehst du das?

Falk. Das Geheimniß der Freymaurerey, 3»wie ich dir schon gesagt habe, ist das, was derFreymaurer nicht über seine Lippen bringenkann, wenn es auch'möglich wäre, daß er eswollte. Aber Heimlichkeiten sind Dinge, diesich wohl sagen lassen, und die man nur zu 35gewissen Zeiten, in gewissen Ländern, theils ausNeid verhehlte, theils aus Furcht verbiß, theilsaus Klugheit verschwieg.

Ernst. Zum Exempel ?

Falk. Zum Exempel! Gleich diese Ver- 40wandtschast unter * * * und Freymaurer». Eskann wohl seyn, daß es einmal nöthig und gutwar, sich davon nichts merken zu lassen. — Aberjetzt — jetzt kann es im Gegentheil höchst ver-derblich werden, wenn man aus dieser Der- 45wandtschast noch länger ein Geheimniß macht.Man müßte sie vielmehr laut bekennen, undnur den gehörigen Punkt bestimmen, in welchemdie * * * die Freymaurer ihrer Zeit waren.

Ernst. Darf ich ihn wissen, diesen Punkt? 50

Falk- Lies die Geschichte der *** mitBedacht! Du mußt ihn errathen. Auch wirstdu ihn gewiß errathen, und eben das war dieUrsache, warum du kein Freymaurer hättestwerden müssen. 5,5

Ernst. Daß ich nicht den Augenblick untermeinen Büchern sitze!— Und wenn ich ihn »r-rathe, willst du mir gestehen, daß ich ihn er-rathen habe?

Falk. Du wirst zugleich finden, daß du 0»dieses Geständniß nicht brauchst. — Aber aufmein Dilemma wieder zurückzukommen! Ebendieser Punkt ist es allein, woraus die Entschei-dung desselben zu holen ist. — Sehen und fühlenalle Freymaurer, welche jetzt mit den *** «5schwanger gehen, diesen rechten Punkt; Wohlihnen! Wohl der Welt! Segen zu allem, wassie thun, Segen zu allem, was sie unterlassen!

— Erkenne» und fühlen sie ihn aber nicht,

jenen Punkt; hat sie ein blosser Gleichlaut ver-führt; hat sie blos der Freymaurer, derim** arbeitet, auf die * * * gebracht; habensie sich nur in das .. . auf dem . . . vergafft;möchten sie gern einträgliche .... fette Pfrün-den sich und ihren Freunden zutheilen können:

- Nun, so schenke uns der Himmel recht vielMitleid, damit wir uns des Lachens enthaltenkönnten.

Ernst. Sieh! du kannst doch noch warmund bitter werden.

Falk. Leider! — Ich danke dir für deineBemerkung, und bin kalt wieder, wie Eis.

Ernst. Und was meinst du wohl, welchervon den beyden Fällen der Fall dieser Her-ren ist?

Falk. Ich fürchte der letztere. Möchte ichmich betrügen ! — Denn wenn es der erste wäre;wie könnten sie einen so seltsamen Anschlag ha-ben ? — die wieder herzustellen! — Jenergroße Punkt, in welchem die *'' Freymaurerwaren hat nicht mehr Statt. Wenigstens istEuropa längst darüber hinaus, und bedarf darinweiter keines außerordentlichen Vorschubs. —Was wollen sie also? Wollen sie auch einSchwamm werden, den die Großen einmalausdrücken? — Doch, an wen diese Frage? Undwider wen? Hast du mir denn gesagt — hastdu mir sagen können, daß mit diesen Grillenvon Goldmachern, Geisterbannern, sich

andere, als die Neulinge des Ordens schleppen?

- Aber Kinder werden Männer. - Laß sie nur!

- Genug, wie gesagt, daß ich schon in demSpielzeuge die Waffe» erblicke, welche einmaldie Männer mit sicherer Hand führen werden.

Ernst. Im Grunde, mein Freund, sind esauch nicht diese Kindereyen, die mich unmuthigmachen. Ohne zu vermuthen, daß etwas Ernst-haftes hinter ihnen seyn könne, sahe ich übersie weg - Tonnen, dachte ich, den jungen Wall-fischen ausgeworfen! — Aber was mich nagt, istdas: daß ich überall nichts sehe, überall nichtshöre, als diese Kindereyen, daß von dem, dessenErwartung du in mir erregtest, keiner etwaswissen will. Ich mag diesen Ton angeben, sooft ich will, gegen wen ich will; niemand willeinstimmen, immer und aller Orten das tiefsteStillschweigen.

Falk. Du meinst —

Ernst. Jene Gleichheit, die du mir alsGrundgesetz des Ordens angegeben; jene Gleich-heit die meine ganze Seele mit so unerwarteterHoffnung erfüllte, sie endlich in Gesellschaft vonMenschen athmen zu können, die über allebürgerliche Modifikationen hinweg zu denkenverstehen, ohne sich an einer zum Nachtheileines Dritten zu versündigen —

Falk. Nun?

Ernst. Sie wäre noch, wenn sie jemalsgewesen! — Laß einen aufgeklärten Juden kom-men, und sich melden! „Ja," heißt es, „einJude? Christ wenigstens muß freylich der Frey-maurer seyn." Es ist nur gleichviel, wasfür ein Christ „Ohne Unterschied der Re-ligion, heißt nur, ohne Unterschied der drey imheiligen römischen Reiche öffentlich geduldetenReligionen." — Meinst du auch so?

Falk. Ich nun wohl nicht.

Ernst. Laß einen ehrlichen Schuster, der