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Moses Mendelssohn.
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du, o Sokrates! einschlägst, uns durch eineeinfache Reihe von unumstößlichen Gründen zurWahrheit führet: so können wir hoffen, unsdes Beweisthumes zu versichern, und ihn zuallen Zeiten in unserer Gewalt zu haben. EineKette deutlicher Schlüsse läßt sich leichter indie Gedanken zurück bringen, als jene Ueber-einstimmung der Wahrheiten, die gewissermäs-sen ihre eigene Gemüthsbeschaffenheit erfordert.Aus dieser Ursache trage ich kein Bedenken, diralle die Zweifel entgegen zu sezen, die der ent-schlossenste Leugner der Unsterblichkeit vorbringenkönnte. Wo ich dich recht verstanden habe, sowar dein Beweis etwa folgender: Seele undKörper stehen in der genauesten Verbindung;dieser wird allmählig in seine Theile aufgelöset,jene muß entweder vernichtet werden, oderVorstellungen haben. Durch natürliche Kräftekann nichts zernichtet werden; daher kann un-sere Seele, natürlicher Weise, niemals aufhörenBegriffe zu haben. Wie aber, mein lieber So-krates ! wenn ich durch ähnliche Gründe bewiese,daß die Harmonie fortdauern müsse, wenn manauch die Leyer zerbräche, oder daß die Symme-trie eines Gebäudes noch vorhanden seyn müsse,wenn auch alle Steine von einander gerissen,und zu Staub zermalmet werden sollten? DieHarmonie so wohl, als die Symmetrie, würdeich sagen, ist etwas: nicht? Man würde mirdieses nicht läugnen; jene stehet mit der Leyerund diese mit dem Gebäude in genauer Ver-bindung: auch dieses müßte man zugeben. Ver-gleichet die Leyer oder das Gebäude mit demKörper, und die Harmonie oder Symmetriemir der Seele: so haben wir erwiesen, daß dasSaitenspiel länger dauern müsse, als die Sai-ten, das Ebenmass länger, als das Gebäude.Nun ist dieses in Absicht auf die Harmonie undSymmetrie höchst ungereimt; denn da sie dieArt und Weise der Zusammensezung andeuten:so können sie nicht länger dauern, als die Zu-sammensezung selbst.
Ein Gleiches läßt sich von der Gesundheitbehaupten: Sie ist eine Eigenschaft des ge-gliederten Körpers, und nirgends anders anzu-treffen, als wo die Verrichtungen dieser Gliederzur Erhaltung des Ganzen abzielen; sie ist einEigenthum des Zusammengesetzten, und ver-schwindet, wenn das Zusammengesetzte in seineTheile aufgelöset wird. Mit dem Leben hat eswahrscheinlicher Weise eine ähnliche Bewandniß.Das Leben einer Pflanze höret auf, so bald dieBewegungen in den Theilen derselben zur Auf-lösung des Ganzen abzielen. Das Thier hatvor der Pflanze die Gliedmaffen der Sinne unddie Empfindung, und endlich der Mensch dieVernunft voraus. Vielleicht ist diese Empfin-dung in den Thieren, und selbst die Vernunftdes Menschen, nichts als Eigenschaften des Zu-sammengesetzten , so wie Leben, Gesundheit,Harmonie, u- s, w. die ihrer Natur und Be-schaffenheit »ach nicht länger dauren können,als die Zusammensezungen, von denen sie un-zertrennlich sind. Reichet die Kunst des Baues
hin. Pflanzen und Thieren Leben und Gesund-heit zu geben, so kann eine höhere Kunst viel-leicht dem Thiere Empfindung, und dem Men-schen Vernunft verleihen. Wir Blödsinnigen5 begreiffen jenes so wenig, als dieses. Des ge-ringsten Blättchens kunstreiche Bildung übersteigtalle menschliche Vernunft, enthält Geheimnisse,die des Fleißes und der Scharfsinnigkeit un-serer spätesten Nachkommen noch spotten wer-10 den: und wir wollen vorschreiben, was durchdie Organisation erhalten werden kann, undwas nicht? Wollen wir der Allmacht oder derWeisheit des Schöpfers Grenzen sezen? Einesvon beiden, dächte ich, müssen wir nothwendig,15 wenn unsere Nichtigkeit entscheiden soll, daßdie Kunst des Allmächtigen selbst kein Ver-mögen zu empfinden und zu denken durch dieBildung der feinsten Materie hervorbringenkönne.
20 Du siehst, mein lieber Sokrates! was deinenSchülern zur völligen unwankenden Ueberzeu-gung noch fehlet. Ist die Seele beym Lebenetwas, das der Allmächtige ausser dem Körperund seiner Bildung geschaffen und mit ihm25 verbunden hat: so hat es seine Richtigkeit, daßdie Seele auch nach dem Tode fortdauren undVorstellungen haben müsse; allein wer leistetfür jenes die Gewähr? die Erfahrung scheinetvielmehr das Gegentheil auszusagen. Das Ver-30 mögen zu denken wird gebildet mit dem Körper,wächßt mit demselben, und leidet mit demsel-ben ähnliche Veränderungen, Jede Krankheitin dem Körper wirb von Schwäche, Zerrüt-tung oder Unvermögen in der Seele begleitet.35 Vornehmlich stehen die Verrichtungen des Ge-hirns und der Eingeweide in so genauer Ver-bindung mit der Wirksamkeit des Denkungs-vermögens, daß matt sehr geneigt ist, beide auseiner Quelle herzuleiten, und also das Unsicht-40 bare durch das Sichtbare zu erklären; so wieman Licht und Wärme einer einzigen Ursachezuschreibt, weil sie in ihren Veränderungen sosehr übereinstimmen.
Simmias schwieg, und Cebes ergriff das45 Wort. Unser Freund Simmias, sprach er,scheinet nur das sicher besitzen zu wollen, wasihm versprochen worden; ich aber, mein lieberSokrates l möchte gern mehr haben, als duuns zugesagt. Wenn deine Beweise auch wider50 alle Einwürfe geschähet werden, so folget dochnichts mehr aus denselben, als daß unsere Seelenach dem Hintritt unsers Körpers fortdauretund Vorstellungen hat; aber wie fortdauret?vielleicht so, wie sie im Schwindel, in einer55 Ohnmacht, oder im Schlafe fortdauret. DieSeele des Schlafenden muß nicht ganz ohneBegriffe seyn; die Gegenstände umher müssendurch schwächere Eindrücke auf seine Sinne wir-ken, und in seiner Seele wenigstens schwache60 Empfindungen erregen, sonst würden stärkereund stärkere Eindrücke ihn nicht aufwecken kön-nen *), Aber was sind dieses für Begriffe?Ein dunkles Gefühl ohne'Bewußtseyn, ohneErinnerung, ein vernunftloser Zustand, in
», Wenn mächtige Eindrücke lebhafte Empfindungen erregen; so müssen die schwächsten selbst nicht ganz ohneWirkung sehn; sondern Empfindungen veranlassen, die nur dem Grabe der Lebhaftigkeit nach von jenen unter,schieden sind.