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Jttstus Möser.
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und erwarte eine glücklichere Stunde, die durch-aus von selbst kommen muß, und leicht kommt,nachdem man einmal mit einer Wahrheit sovertraut geworden ist- Ist aber die beste Artder Vorstellung, die immer nur einzig ist, 5während der Arbeit aus der Sache hervorge-gangen: so sang' ich allmählig an, alles wasich auf diese Art meiner Seele abgewonnenhabe, darnach zu ordnen, was sich nicht dazupaßt, wegzustreichen, und jedes auf seine Stelle i»zu bringen.
Insgemein fällt olles, was ich zuerst nie-dergeschrieben habe, ganz weg, oder es sindzerstreute Einheiten, die ich jetzt nur mit derherauskommenden Summe zu bemerken nöthig 15habe. Desto mehr behalte ich von den folgendenOperationen, worin sich alles schon mehr zurBestimmung geneigt hat, und der letzte Gewinndient mchrentheils nur zur Deutlichkeit undzur Erleichterung des Lortrags. Die Ordnung 20oder Stellung der Gründe folgt nach demHauptplan von selbst, und das Kolorit über-lasse ich der Hand, die, was die erhitzte Ein-bildung nunmehr» mächtig fühlt, auch mächtigund feurig mahlt, ohne dabei einer besondern 25Leitung zu'bedürfen.
Doch will ich eben nicht sagen, daß Sie sichsogleich hierin selbst trauen sollen. Jeder Grundhat seine einzige Stelle, und er würkc nichtauf der einen, wie auf der andern. Gesetzt ich 30wollte Ihnen beweisen, daß das frühe Disponi-ern sehr mißlich sey, und singe damit an, daßich Ihnen sagte: „Garrick bewunderte die„Clairo», als Frankreichs größte Actrice; aber„er fand es doch klein, daß sie jeden Grad der 35„Raserei, worauf sie als Medea steigen wollte,„vorher bei kaltem Blute und in ihrem Zimmer„bestimmen konnte:- so würden Sie freilich dieRichtigkeit der Vcrgleichung leicht finden, aberdoch nicht alles dabei fühlen, was ich wollte, 40daß Sie dabei fühlen sollten- Garrick dispo-nirte seine Rolle nie zum voraus, er arbeitetesich nur in die Situation der Person hinein,welche er vorzustellen hatte, und überließ esdann seiner mächtigen Seele, sich seiner ganzen 45Kunst nach ihren augenblicklichen Empfindungenzu bedienen. Und das muß ein jeder thun, dereine mächtige Empfindung mächtig ausdenkenwill.
Das Koloriren ist leichter, wenn man es 5Vvon der Haltung trennt; aber in Verbindungmit derselben schwer. Hierüber lassen sich nicht
wohl Regeln geben; man lernt es blos durcheine aufmerksame Betrachtung der Narur undviele Uebung, was man entfernen oder vorrü-cken, stark oder schwach ausdrücken soll. DasMchrste hängt jedoch Hiebei von der Unterord-nung in der Gruppirung ab, und wenn Siehierin glücklich und richtig gewesen sind: sowird die Verschiedenheit des Standorts, worausdie Leser, wofür Sie schreiben, ihr Gemähldeansehen, nur eine allgemeine Uebcrlegung ver-dienen.
Unter Millionen Menschen ist vielleicht nurein einziger, der seine Seele so zu pressen weiß,daß sie alles hergiebt, was sie hergeben kann.Viele, sehr viele haben eine Menge von Ein-drücken, sie mögen nun von der Kunst odervon der Natur herrühren, bei sich verborgen,ohne daß sie es selbst wissen; man muß dieSeele in eine Situation versetzen, um sich zurühren- man muß sie erhitzen, um sich auszu-schließen, und zur Schwärmerei bringen, umalles aufzuopfern. Horaz empfahl den Weinals eine gelinde Tortur der Seele; andre haltendie Liebe zum Gegenstände für mächtiger, oderden Durst zu Entdeckungen: jeder muß hierinsich selbst prüfen. Rousseau gab nie etwasvon den ersten Aufwallungen seiner Seele; wernur diese und nichts mehr giebt., der trägt nursolche Wahrheiten vor, die den Menschen ins-gemein auffallen und. jedem bekannt sind. Erhingegen arbeitete oft zehn Mal auf die Art,wie ich es Ihnen vorgeschlagen habe, und hörtenicht auf, so lange noch etwas zu gewinnenübrig war. Wenn dieses ein großer Mann thut:so kann man so ziemlich sicher seyn, daß erweiter vorgedrungen sey, als irgend ein andrervor ihm. So oft Sie sich mächtiger in derEmpfindung, als im Ausdruck fühlen, so glau-ben Sie nur dreist: Ihre Seele sey faul, sißwolle nicht alles hervorbringen. Greifen Siedieselbe an, wenn Sie fühlen, daß es Zeit ist,und lassen sie arbeiten. Alle Ideen, die ihrjemals eingedrückt sind, und die sie sich selbstaus den eingedrückten unbemerkt gezogen hat,müssen in Bewegung und Glüht gebracht wer-den; sie muß vergleichen, schließen und empfin-den, was sie auf andre Art ewig nicht thunwird; sie muß verliebt und erhitzt werden, ge-gen ihren großen Gegenstand. - Aber auch fürdie Liebe giebt es keine Disposition; kaum weißman es nachher zu erzählen, wie man von ei-ner Situation zur andern gekommen ist.
Vl. An einen jungen Dichter.
O! Ihre Lieder sind schön, mein Freund, 1>0und bezaubernd, wenn Sie wollen. Aber darfich nun auch wohl fragen, wozu es eigentlichdienen sollte, die Reitzungen der Liebe nochreihender zu mahlen, und den Geschmack fär-ben Wein noch inehr zu schärfen? Haben Liebe l>5und Wein nicht schon ihre natürlichen Reitzun-gen für unsre Bedürfnisse, und ist es rathsam,das Gewicht, was schon auf dieser Seite denAusschlag giebt, noch zu vermehren?
Ja, wenn die Andacht jeden Kuß zur Tod-sünde gemacht hätte, wenn das schöne Geschlechtsich weigerte, die Mühseligkeiten und Gefahrendes Ehestandes zu tragen, oder wenn die Män-ner sich in die Einsamkeit begäben, Wein undLiebe flöhen, oder wenn gar der Staat Gefahrliefe, auszusterbcn, dann wäre es freilich Zeit,jenen Gegenständen alle nur mögliche Reitzun-gen zu leihen, und in jeden Busen eine neueFlamme zu singen. Aber so geht nur alles