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Justus Möser.
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VII. Etwas gur Vertheidigung des sogenannten Aberglaubens unserer Vorfahren.
Unsere Vorfahren hatten die Gewohnheit, 5 stellenden Bildern, als die Griechische, welchekleine Klotze an ihre Schüssel zu binden, um von Dichtern, Malern und Bildhauern bear-si'e nicht so leicht zu verliere», oder, wenn beitet war; und sie mußten sich daher, beson-sie verloren waren, so viel geschwinder wieder- ders als die christliche Religion ihre Gotterlehrezufinden; und ebenso verfuhren sie auch mit den verdunkelte, in ihrem 'Vortrage, mit einem
nützlichen Wahrheiten, welche sie der Jugend 1» lieben Gotte, und einem bösen Geiste, oderrecht lief einprägen wollten: sie hingen jeder mit ein bischen Spätere»), behelfen,guten Lehre ein Klötzchen an, damit sie ihr Nun müßte einer aber gewiß sehr übler
bald wieder einfallen, oder zu rechter Zeit ins Laune sein, wenn er diese Art, der Einbildung
Gedächtniß treten mögte. So sagten sie ihr oder dem Gedächtniß zu Hülfe zu kommen,
z. B.: „Kinder! so manches Salzkorn Ihr ver- 15 für den hellen Weg zum Aberglauben erklären,streuet, so manchen Tag werdet Ihr vor der und .alle diese Klötzchen als so viel Merkmale
Himmelsthüre stehen müssen; legt die Messer der finstern Begriffe der ersten rohen Zeiten
nicht auf den Rücken, die heiligen Engel mögten aufstellen wollte. Jedes Zeitalter und jedessich darauf die Füße zerschneiden; seht des Abends Volk hat sich solcher Hülfsmittel bedient, umnicht in den Spiegel, der Schwarze guckt euch 2» dasjenige in allegorische Handlung zu verwan-über die Schulter — und die Erfahrung be- dein, was sich als trockene Lehre nicht so gutstätigt es, daß diese Klötzchen dem Gedächtnisse einprägen würde; und man kann dergleichenwenigstens eben so gut zu Hülfe gekommen sind, Mittel nur alsdann als abergläubisch verwerfen,als die Reime, die, ehe die Schrcibekunst recht wenn sie zum Betrüge gemißbraucht werden,gemein war, in gleicher Absicht gebraucht wur- 25 und z. B. die Jäger den Glauben an den Toll-den; oder die Ohrfeigen, welche man der Ju- wurm unterhalten, um ihn den Hunden ber-gend bei Beziehung der Grenzen zu geben Bauern für Geld zu schneiden,pflegt. ' Andre Ausnahmen giebt es freylich auch;
In neuern Zeiten hingegen, will man so aber diese werden eher durch die Regeln ver-gär bei Kindern alles durch reine Gründe zwin- 30 Kunst als der Moral zu finden seyn. Die Re-
gen, und fürchtet jene Anhängsel mögten eine gel» der Kunst erfordern unter andern, daßüble Wirkung thun, und die Leute zum Aber- den gute» Geistern gute Handlungen, und denglauben verführen. Ich sehe aber doch nicht bösen böse zugeschrieben werden; und wenn die-ein, wie dieselben einen größern Schaden an- ses beobachtet ist, so befürchte ich von demrichten könnten, als die Zauberwelt in der 35 Bösen, der den eitel» Mädchen, die sich desOper, die Feenmährchen, die Fabeln, und andre Abends noch bespiegeln, über die SchulternArten von Erdichtungen, worin man die Thiere guckt, nicht mehr als von allen Teufeln, dievernünftig denken und sprechen, oder die Göt- bey Milton oder Klopstock die ganze Maschineter sich mit den Menschenkindern - unterreden regieren.
und bisweilen gar versündigen läßt. Hier fürchtet 40 Das gute alte Klötzchen: daß derjenige wel-man nicht, daß die Leute, welche durch der- cher einen Grenzstein verrückt, oder einen fal-
gleichen sinnliche Darstellungen unterrichtet oder schen Eid schwört, oder seinem Hofe etwas ver-
ergötzet werden, sich einst bey den denkenden und giebt, spuken gehen müsse; ist immer noch ein
sprechenden Thieren Raths erholen, oder die ge- eben so feines als kunstmäßiges Mittel, die
zauberte Welt für die wirkliche halten werden. 45 Aufmerksamkeit auf jene wichtigen Pflichten zuJa, wie jüngst ein gewisser Lehrer auf dem erhalten. Ich bin einmal selbst bev einemLande seinen Schülern erzählte, daß, als der Streite, worin die Frage zwischen zwey Nach-ließe Gott einmal spazieren gewesen, ein Schnei- barn zu erörtern war: ob der Gränzstein ge-
der im Himmel sich zu dessen Throne gcschli- wichen sey oder nicht? Schiedsrichter gewesen,
chen, und durch die darunter befindliche Ocf- 50 Der Eine sprach zu dem Andern: Setze du dennung seinem Amtsbruder in der Welt, bereden Stein, wie er stehen muß; dieser aber antwor-eine Elle Tuchs bey Seite gelegt, ein Thron- tete: Setze du ihn. Nein, versetzte darauf der-bem auf den Kopf geschleudert hätte, worauf Erste, ich will nicht darum spuken gehn; und
ihm aber der liebe Gott, als er von seinem ich auch nicht, erwiederte der Letzte. Endlich
Spazierganae zurückgekommen, und ihm sein 55 baten mich beide, ich mögte den Stein richten,Thron mit drey Beinen in die Augen gefallen wie ich glaubte daß er stehen müsse; und wiewäre, zugerufen: „Wanne! Wanne! wenn ich ich ihnen einen Borwurf über ihre thörichte
so hastig wäre wie du, wie würde es dir er- Spukerey machte, riefen beide: O wir mögten
gangen sein!" — so meinten die schalkhaften um aller Welt willen nicht die Nachrede haben.
Jungen, der Thron müsse sehr wurmstichig ge- 00 daß wir uns etwas zugeeignet hätten was unsWesen sein, sonst würde ihn der Schneider nicht nicht von Rechtswegen zukäme; und so war
haben zerbrechen können; so bald sahen sie ein, ihre ganze Spukere» der kurze symbolische Aus-
daß es nur eine Erdichtung war. Und wie druck des edelste» Gefühls,oft haben nicht schon die Schlüssel Petrie zur Anstatt nun überall die Reste des Abcrglau-
Unterlage einer moralischeu Erzälflung dienen 05 bens unserer Vorfahren aufzuspüren, und ihnenmüssen, ohne' daß es jemanden eingefallen ist, solche zur äußersten Einfalt anzurechnen, solltesich vor dem Himmel eine Thür zu denken? man den Geist oder den Sinn dieser ihrer Lehr-
Dic Götter - und Fabellchre unsrer Nordischen Methode aufsuche», und sehen ob die Allegorie
Vorfahren war nur so reichhaltig nicht an dar- wohl erfunden und mit der gehörigen Mäßigung