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Justus Möser.
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gebraucht sey, und dann urtheilen ob es feiner als mit den römischen Dichtern Jupiter i»gewesen sey, den Menschen in einen Wehrwolf, einen Ochsen, zu verwandeln.
VlI. Ueber die DeutscheSchreiben an e
Edler lieber Freund!
Es liegt völlig in dem großen Plane IhresKönigs, daß er nun auch einen Blick auf unsreDeutsche Litteratur geworfen hat. Nachdem er 15sich an die vierzig Jahr damit beschäftiget, sei-nem Staalskörper Stärke und Fertigkeiten zugeben, und ihn gelehrt hatte die größten Be-wegungen mir der leichtesten Mühe zu machen:so wagte er es in seinem Werke über die -20Vaterlandsliebe dieser Maschine ein Herzund eine Seele zu geben; und wie diese Schö-pfung vorüber ist, kömmt er nun endlich auchzu den Wissenschaften, welche den Putz dieseszu allen Verrichtungen fähigen Körpers besor- 25gen sollen. Andere Fürsten habe» mit den letz-ter», weil sie mehr in die Augen spielen, an-gefangen, oder wo sie sich zuerst mit der Orga-nisation ihres Staats befasset haben, diese sogeschwind und gewaltsam betrieben, daß die 30besten Hebel darüber zersprungen sind. Er aber,ungeachtet er früh die Musen liebte und vonihnen wieder geliebt wurde, hat sich als einweiser Hausvater lange bey dem Nothwendigenund Nützlichen verweilet, und den Putz nichteher seiner Aufmerksamkeit werth geschätzt alses die natürliche Ordnung erforderte.
Allein dieses scheint mir nicht in seinemPlane zu liegen, daß wir bey den Griechen,Lateinern und Franzosen zu Markte gehen,und dasjenige von Fremden borgen oder kaufensollen, was wir selbst daheim haben können.Hier vermisse ich den Hausvater; und Sie ha-ben, meiner Meinung nach. Recht zu fragen:ob wir nicht selbst unsre Eichen also ziehenkönnen, daß sie den härtesten, höchsten undreinsten Stamm geben, ihre Krone hoch emportragen, und so wenig in den Acsten fahren,als von Mooße bekümmert werden-, oder obwir solche von einem französischen Kunstgärtnerzustutzen und ausschnitzeln, und unsre Wälderin einen regulären Sternbusch verwandeln las-sen sollen? Mit andern Worten: ob wir nichtbesser thun, unsre Götze von Berlichingen,so wie es die Zeit bringen wird, zu der ihrerNatur eignen Vollkommenheit aufzuziehen, alsganz zu verwerfen, oder sie mit allen Schön-heiten einer fremden Nation zu verzieren?
Indeß bleibt es doch noch immer eine wich-tige Frage, ob wir würklich eigne Gewächsehaben, die eine Kultur verdienen, und ob unsreArt der Kultur der fremden vorzuziehen sey?Hieran hat der König natürlicher Weise ge-zweifelt, weil er sonst ganz gewiß das Einhei-mische dem Auswärtigen vorgezogen haben würde;und hier bin ich j» der That verlegner als
Kprache und Litteratur.
neu Freund.
Sie wohl glauben, ungeachtet ich die veredeltenStauden unsers Bodens, welche Jeru salem')dem Könige vorzählt, mehr als einmal vormir aufgestellet und betrachtet habe.
Unsre Empfindungen sind das erste vonallem, ihnen haben wir Gedanken und Ausdruckzu danken- Große Empfindungen aber könnenallein von großen Begebenheiten entstehen, dieGefahr macht Helden, und der Ocean hat tau-send Waghälse ehe das feste Land einen hat.Hs müssen große Schwierigkeiten zu überwindenseyn, wo große Empfindungen und Unterneh-mungen aus unserer Seele empor schießen sollen;und diese Ueberwindung muß der Ehre, derLiebe, der Rache und andern großen Leiden-schaften durchaus nothwendig seyn, oder derGeist hebt sich nicht aus seinem gewöhnlichenStande, die Seele umfaßt keine große Sphäre,und der Mensch bleibt das ordinäre Geschöpf,was wir täglich sehen, und nach unsern ge-meinen Regeln zu sehen wünsche». Dergleichengroße Gelegenheiten, wo Schwierigkeiten zuübersteigen sind, finden sich aber bei uns Deul-35 scheu nicht. Der Staat geht unter der Wachestehender Heere maschinenmäßig seinen Gang,wir suchen die Ehre fast bloß im Dienste od^rin der Gelehrsamkeit, und nicht in Erreichungdes höchsten Zwecks von beiden: unsre Schönen40 stimmen leichter zu ordentlichen als heroischenEmpfindungen; und der Zweykampf, der sichimmer noch glücklicher Weise erhält, versöhnetden Rächer, und wehret der meuchelmörderischenWollust, welche die Rache erfinderisch und be-45 geistert macht. Oder wo sich ja eine große Be-gebenheit, die das menschliche Geschlecht inte-ressier, zeigt: so wirkt sie auf uns so starknicht wie aus andere Nationen. Die Geschichtedes Müllers Arnold würde in Frankreich alle50 Parlamenten und in England alle Parteyen,die vor und wider den König sind, in Bewe-gung gesetzt haben. Aber in Deuschland hatman sie sich als eine frohe Neuigkeit erzählet;,keiner hat die Gefahr laut gerüget, welche dem55 Staate bevorsteht, worin die Rechtssachen imKabintt untersuchet und entschieden werden-und nicht einmal ein Schmeichler hat es gewagtzu sagen, daß es ein dem Könige zum erstenund einzigenmale entschlüpfter Donnerkeil sey,00 der aber, indem er eine große Veränderungin der Justizverwaltung nach sich gezogen, einenFels gespalten und eine Goldmine bloß gelegethabe.
Unsre Empfindungen sind nicht zu der feinen05 Rachsucht bestimmt, welche in Lessin gs Emilietönt; und wir haben höchstens nur Vaterstädte
»> In seine,» Bericht, »per pjc Deutsche Sprache und Litteratur.