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Matthias Claudius.
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andern. Ich pflege solch Ding „Hollunder-Freundschafren " zu nennen. Wenn du einenjungen Hollunderzweig ansiehst, so sieht er feinstämmig und wohl gegründet aus; schneidest duihn aber ab, so ist er inwendig hohl und ist 5so ein trocken schwammig Wesen darin.
So ganz rein gehts hier freylich selten ab,und etwas Menschliches pflegt sich wohl mireinzumischen; aber das erste Gesetz der Freund-schaft soll doch seyn: daß einer des andern 10Freund sey.
Und das zweite ist, daß du's von Herzenseyst, und Gutes und Böses mit ihm theilest,wie's vorkömmt. Die Delikatesse, da man denund jenen Gram allein. behalten und seines 15Freundes schonen will, ist meistens Zärtelcy;denn eben darum ist er dein Freund, daß ermit untertrete und es deinen Schultern leichtermache.
Drittens laß du deinen Freund nicht zwey- 20mal bitten. Aber wenns Noth ist und er helfenkann; so nimm du auch kein Blatt vors Maul,sondern gehe und fordre frisch heraus, als obsso seyn müßte und gar nicht anders seyn könne.
Hat dein Freund an sich, das nicht taugt; 25so mußt du ihm das nicht verhalten und esnicht entschuldigen gegen ihn. Aber gegen dendritten Mann mußt du es verhalten und ent-schuldigen. Mache nicht schnell jemand deinenFreund, ist er's aber einmal, so muß er gegen 30den dritten Mann mit allen seinen Fehlernseyn. Etwas Sinnlichkeit und Partheilichkeitfür den Freund scheint mit zur Freundschaftin dieser Welt zu gehören. Denn wolltest du
an ihm nur die würklich ehr- und liebenswür-digen Eigenschaften ehren und lieben, wofürwärst du denn sein Freund; das soll ja jederwildfremde unparlheyische Mann thun. Nein,du mußt deinen Freund mit allem was an ihmist in deinen Arm und in deinen Schutz neh-men; das 6ranu,u 8slis versteht sich von selbst,und daß aus einem edlen kein unedles werdenmüsse.
Es giebt eine körperliche Freundschaft. Nachder werden auch zwey Pferde, die eine zeitlangbeysammen stehen, Freunde, und können einsdes andern nicht entbehren. Es giebt auchsonst noch mancherley Arten, und Veranlassun-gen. Aber eigentliche Freundschaft kann nichtseyn ohne Einigung; und wo die ist, damacht sie sich gern und von selbst. So sindLeute, die zusammen Schissbruch leiden und diean eine wüste Insel geworfen werden, Freunde.Nämlich das gleiche Gefühl der Noth in ihnenallen , die gleiche Hoffnung und der Eine Wunschnach Hülfe einigte sie; und das bleibt oft ihrganzes Leben hindurch. Einerley Gefühl, einer-ley Wunsch, einerley Hoffnung einigt; und jeinniger und edler dies Gefühl, dieser Wunschund diese Hoffnung sind, desto inniger und edlerist auch die Freundschaft, die daraus wird.
Aber, denkst du, auf die Weise sollten jaalle Menschen auf Erden die innigste Freundeseyn? Freylich wohl! und es ist meine Schuldnicht, daß sie es nicht sind.
Postscript. Es giebt einige Freund-schaften, die im Himmel beschlossen sind undauf Erden vollzogen werden.
Helfrich Peter Sturz.
I. Erster
London den 13. Aug.
Ich komme von Samuel Johnson, dem Ko-loß in der Englischen Litteratur, der tiefes Wis-sen mit Wiz, und Laune mit ernsthafter Weis-heit vereinigt, und deßen Menschenlarve nichts 55davon ankündigt; denn in seiner Gestalt ist keinVerhältniß — eines faustgerechte» Trabanten —beleidigt. Er zielt darauf in der Schilderungdes Müßiggängers: „Der Fleiß eines Müßig-gängers ist schnell und heftig, wie schwere Kör- 00per, die zur Schnelligkeit gezwungen werden,mit einer ihrem Gewicht angemeßenen Heftig-keit sich bewegen?' (Der Müßiggänger Nr. I.)
Sein Anstand ist bäurisch, und sein Augekalt, wie sein Spott; nie tagt ein Blick darin 65auf, der Scharfsinn oder Schalkheit verriethe;
Ü r i e f.
er scheint immer zerstreut, und ist es nicht sel-ten. Er hatte Colmann und mich schriftlicheingeladen, und es wieder vergeßen. Wir über-fielen ihn im eigentlichen Verstand auf demLandgute des Herrn Lhrailes t), dessen Frau,eine artige Walliserin, Griechisch zum Zeitver-trieb liest und übersezt. Hier lebt Johnsonund herscht (denn er mag wol herschen,) wieim Schooße ftiner eignen Familie. Er empfinguns freundlich, ob ihn gleich nie eine gcwißeFeierlichkeit verließ, die in seine Sitten, wie inseinen Stil, verwebt ist. Er kündet auch imUmgänge seine Perioden, und spricht beinah imTheaterton; aber was er sagt, wird durch eingewißes eigenes Gepräg inlereßant. Wir rede-
l> Mitglied des Parlaments für Southwark i ein reicher Bierbrauer.