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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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Helfrich Peter Sturz.

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ren von der Englischen Sprache; und ich merktean, daß sie ihre Perioden geschwinder, als an-dere Sprachen, durchlebte; schon ist mehr Un-terschied, sagte ich, unter ihren izigen Schrift-stellern und dem „ berühmten Schriftstellerclub«aus der Zeit der Königin Anna, als unter denFranzosen dieses und des vorigen Jahrhunderts.Sie streifen in fremdes Gebiet, und verschwei-gen den leichterworbenen Raub; denn sie folgenSwift's Rath nicht, neue Wörter zwar aufzu-nehmen, aber nie wieder zm verstoßen. Wirerobern, fiel mir ein Anwesender in die Rede,neue Wörter im Enthusiasmus, und geben siezurück bey kaltem Blute, wie unsere Konque-ten beim Frieden. Aber büße» sie, fragte ich,nicht bei der Nachwelt dafür? Denn so blei-ben sie kaum dem dritte» Menschenalter ver-ständlich. Neue Wörter, antwortete Johnson,sind ein wohlerworbener Reichthum. Wenn einVolk seine Kennlniße erweitert und neue Ideenerwirbt, so hat es Kleider dazu nöthig; fremdeKonstrukzionen hingegen hat man als gefährlichverschrieen, und man wirft mir täglich meineLatinismen vor, welche den Charakter der Spracheändern sollen; aber es ist meine ernsthafte Mei-nung, „daß sich jede lebendige Sprache nachirgend einer alten recht knechtisch bilden müße,wenn unsere Schriften dauern sollen." — Den-ken Sie nicht, daß etwas Wahres in der So-sisterei ist? Eine todte, nicht mehr wandelbareSprache taugt allerdings zum Maaßstabe derlebendigen. Es ist altes Sterlinggewicht, wor-nach die Kuxrentmünze gewürdigt werden kan.Die größte Sprachverwirrung, fuhr ich gegenJohnson fort, richtet eine Art Originalgenieenan, die ihr eigenes Sanskrit') erfinden, umihre Ideen in heiliges Dunkel zu kleiden; unddoch hören wir oft ihre Orakelsprüche gern, undfangen endlich die Krankheit. Liu^ularitx, riefeiner, ist oft ein Zeichen des Genies- Dann,antwortete Johnson, giebt es nicht viel größereGenieen als Wilton in Chelsea?). Seine Artzu schreiben ist die singulärste von der Welt;denn er schreibt seit dem lezten Kriege mit denFüßen.

Colmann nannte die „Probe" als ein ehe-mals bewundertes Meisterstück, das man jeztnicht mehr zu lesen im Stande sei: „Es warnicht gesalzen genug, um sich lange zu halten",sagte Johnson. Hume wurde genant. Priest-ley, sagte ich, wirft ihm Gallizismen vor. Undich, sagte Johnson: daß seine ganze Geschichteein Gallizismus ist. Johnson muß seinem Haßgegen die Schotländer bei jeder GelegenheitLuft machen; sogar in seinem Wörterbuche stehtfolgender Artikel: „Haber ist eine Art vonGetreide, das in England Pferde, in Schot-land Menschen sättigt."

3ch erinnerte mich seiner Ausgabe des Shake-Ipear nicht, die so sehr unter der Erwartungder Kunstrichter blieb, und fragte ihn, übereilt

genug: welche Ausgabe des Dichters er ammeisten schäze? „Ei! antwortete er lächelnd:das nennen wir eine unglückliche Frage."

Ich erkundigte mich nach Boswell^). Er5 scheint ihn sehr zu lieben, und fühlt, aber ver-gabt ihm seine Schwärmerei. Boswell ist einfeuriger Jüngling, der steif und fest an dieHeldentugend glaubt, und der in, Rausche sei-nes Herzens so gut in Island, als in Korsika,1l) einen Halbgott aufgespürt hätte.

Sie kennen Johnson's Schriften. Der Wan-derer, der Müßiggänger, die Satire Lon-don, Savage's voNreflich geschriebenes Lebensind auch in Deutschland bekant. Weniger15 hört man bei uns vom Prinz Rasselas, einemmeisterhaften, kalten, politischen Roman, wiesie es alle sind aus der Familie; denn ein Re-gierungskünstler, der fern von Geschäften fürKönige schreibt, kan aus sich selbst nichts als20 Gemeinsäze spinnen. Irene, ein Trauerspielvon Johnson, „voll der zierlichsten Re-den", ward ausgezischt, und ist vergeßen.

Dieser berühmte Mann kämpfte lang mitDürftigkeit; denn Sie müßen nicht glauben,25 daß England seine Schriftsteller, die es bewun-dert , immer auch belohnt. Oft verbarg er sichin einem Keller bei Moorfields, um einem Zim-mer mit eisernen Gittern zu entflieh». In die-ser Zeit schrieb er demosthenische Reden, für30 und wider die wichtigsten Fragen im Parlament,unterm Namen wirklicher Glieder, die man eineZeit lang in den Provinzen für ächt hielt; undes ist nicht allgemein bekant, daß unter diesendie berühmte Rede Pitt's ist, die er gehalten35 haben soll, als man ihm seine Jugend vorwarf,und die nie aus Pitt's Munde kam. Izt hatJohnson den Paktolus in seinen Garten gelei-tet. Er genießt dreihundert Pfund SterlingEhrengehalt, nicht um Reden zu machen, son-40 der», wie die Minorität versichert, um zuschweigen.

Ich habe vergeßen, Ihnen zu sagen, daßJohnson das Alterthum des Offians läugnet.Macpherso» ist ein Schotländer; und er will45 ihn lieber für einen großen Dichter gelten las-sen, als für einen ehrlichen Mann. Ich binvon der Wahrheit der Sache überzeugt. Mac-pherson zeigte mir, in Alexander Dow's Gegen-wart, wenigstens zwölf Hefte Manuskripte des50 Ersischen Originals. Einige davon schienen sehralt zu sein. Gelehrte von meiner Bekantschaft,welche die Sprache verstehen, haben sie mir derUebersezung verglichen; und man muß entwe-der die Abgeschmacktheit glauben, daß Macpher-55 son auch den Grundtext gemacht habe, odernicht länger der Evidenz widerstreben. Mac-pherson dcklamirte mir einige Stellen vor. DieSprache klang melodisch genug, aber feierlichklagend und guttural, wie alle Sprachen un-00 gebildeter Völker.

» Die heilige Spräche in Indien.

Ein Invalide,^,» rie Arme abgeschoben sind.

Zj Perfaßcr der Schilderungen von Korsika und Johnson'» Begleiter aus seiner »cnlichcn Reise nach den westli>chcn Inseln von Schotland.