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Hclfrich Peter Sturz.
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Schauspielen, oder aus seinem LieblingsdichterHoraz, alles das strömt mannigfaltig und un-aufhörlich daher. Sein Herz würden Sie ambesten aus seinen freundschaftlichen Briefen ken-nen lernen, wo er, in einem leichten, gefälligenStil, alle Akkorde der edelsten Gefühle durch-läuft, und seinen Verstand, wenn er von sei-ner Kunst spricht. Er ist voll der intereßante-sten Anekdoten; und wenn er erzählt, so han-delt er zugleich. Jeder erscheint mit einerGrimaße aus seinem Gesicht, und spricht mitdem Ton seiner Stimme; auch das kleinste Ge-schichtchen wird zum Drama. Hier ist Gebcr-dcnsprache, deren Beweglichkeit und Wahrheiteinen Theil der Pantomimenwunder begreiflichmacht. Was er dadurch, ohne Sprache, zuwirken vermag, sah ich neulich im Makbeth.Als er, mit einem zum Mord entschloßenen,fanatischen Blick, einen Dolch zu sehen glaubt,und mit pinem Griff, wie man nur nach Kro-nen greift, nach dem Hefte haschte, sank einFremder in meiner Loge, der nichts von derHandlung begrif, weil er nicht ein Wort Eng-lisch verstand, vor Entsezen ohnmächtig zurück.
Wir unterredeten uns viel vom armenSterne. Garrick liebte den Menschenfreund,und ehrte den Maler des Herzens; aber dochsagt er irgendwo strenge genug von ihm:
„Nicht will ich gleich Freund Shandy klappern,Den Stoff verlierend, nur stets plappern."
Auch nennt er ihn „einen liederlichen Burschen",der noch ausgelaßener in seinem Umgang, alsin seinen Schriften, war, und gewöhnlich alleFrauen durch seine Zoten verjagte. Er artetein London aus, wie mir alle meine Bekanteversichern, einer übelversezten Pflanze gleich;der Weihrauch der Große» verdarb ihm denKopf, und ihre Ragouts den Magen; er wurdekränklich und stolz, ein Invalide am Leib undGeist.
Ich fragte nach Fielding. Auch er war ei-ner von Garrick's Lieblingen, als Gesellschafterund als Schriftsteller. Garrick zieht ihn, wiedie Engländer alle. dem idealischen Richardson ')weit vor, der sich eine Welt in der Studier-ftube schuf, und Menschen aus dem Berg Alhosschniztc. Fielding malte die Natur so getreu,daß Sie in England überall eine Bekantschaflaus dem Tom Jones antreffen, so. wie in Hol-land aus jeder Hütte ein Ostade, oder ein Te-niers kriecht. Sonst war Fielding ein vollkom-mener Cvniker, der dem alten Hund in derTonne nichts nachgab, und Tabak und Weinund Epigrammen sehr unappetitlich unter ein-ander käuetc. Einst, als Garrick mit einigenFreunden bei ihm speiste, reizte ihre Nasen einwidriger Ausfluß; Fielding half ihnen bald ausdem Traum: denn, indem er lachend aufstand,ward die Gesellschaft gewahr, daß er auf demNachtstul bei Tische saß. Ich habe nun vonGarrick selbst die Geschichte von Fielding's Bild-niß bestätigen hören, welches vor Murphp'sAusgabe seiner Schriften steht Hogarth zeich-nete solches nach Fielding's Tod aus dem Ge-
dächtniß; und weil er sich eines merkwürdigenZuges im Munde nicht erinnern konte, so ahmteGarrick denselben nach, und erfrischte dadurchHogarth's Einbildungskraft. Dies veranlaßte5 das oft wiederholte lächerliche französische Mähr-chen, daß Garrick einem Maler zu einem frem-den Gesicht geseßen habe. Wir würden be-rühmte Männer oft aufrichtiger bewundern, wennman weniger Wunder von ihnen erzählte. Wich-1« tiger ist eine Anekdote von Garrick in Rom.AIs man in einer Gesellschaft von Künstlernvom Ausdruck der Leidenschaften sprach, so in-dividualisirte er eine nach der andern auf seinemGesicht mit einer fürchterlichen Wahrheit. Härte15 der gegenwärtige Äengs diese Erpreßionen ge-zeichnet, so würden sie für den Ausdruck derSeele das Nämliche sein, was Polyklet-s Regelfür die Verhältniße des Körpers war. Ichselbst habe etwas ähnliches von ihm gesehen,2t> als ich ungefähr vor acht Tagen der Repetizioneines Stücks: „Das Vorhängeschloß" vonBitterstoff, zusah. Er hatte in solchem selbstkeine Rolle, und dennoch machte er alle, auchdie Wciberrollen, seinen Schauspielern mit ei-25 ner täuschenden Wahrheit vor. Es ist unbe-greiflich, wie sein feingesponnenes Nervengewebediese beständige Anstrengung erträgt; wie eszugeht, daß seine Gesundheit nicht unterliegt:denn Sie müßen nicht glauben, daß es nur bei36 ihm auf der Oberfläche stürmt. Ich sah ihneinst nach vollendeter Rolle Richards, wie densterbenden Germanikus auf Poußins Bilde, hin-terrücks auf einer Ruhebank gelehnt, mit kei-chender Brust, bleich, mir Schweißtropfen be-35 deckt, und mit herabgesunkener, bebender Hand,ohne Sprache. Auf dem Lande sammelt Gar-rick seine verschwendete Schnellkraft wieder, under eilt hinaus, so oft er nur einen freien Tagerhäschen kan. Alsdann genießt er, wie er sagt,-IN einige Viertelstunden seines Lebens. In derStadt gehört er der Nazion zu. Sein mühsa-mes Studium nicht allein, sondern auch dieRegierung der Bühne raubt ihm oft Zufrieden-heit und Ruhe. Diese Regierung hat in Eng-45 land alle Jnkonvenienzen der briltiichen Konsti-tuzion. Bald stürmt im Grcen Room?) dasHaus der Gemeinen; bald sind Mylords, dieAutoren, unzufrieden,
. „ „ Die, mit dem Stück, wie mit Pistolen in der
Hand:
Jetzt dem Direktor zugewandt,
Ihn fragen: „Herr! was meinen Sie davon?"„Madam - mein Herr - obschon"
„„ „Was halten Sie von dem Gedicht?
Ich warte nicht!"
„ Ganz schön, doch ist der Schein — "
„So sagen Sie nur offen,
Kann ich auf diesen Winter hoffen?
^0 3a oder Nein?"
und die Stimme des Volks ist fürchterlich, weiles, wie in Athen, seine größten Leute in einerüblen Laune mißhandelt. Er ist zwar der Lieb-ling des Volks, und trift mcistenrheils den Ge-65 schmack dieser strengen Obrigkeit; dennoch er-
I> Wir lesen, dünkt mich, nur so lange wir mindcrjäbrig sind, den Richardson lieber als dc» Fielding.2> Das Zimmer für die Schauspieler auf dem Tbcatcr ,» Drurvlane.