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56 l Helfnch Pcter Sturz.
kennt er ihre Herschaft mit Ehrfurcht, undweis, daß sie nie einen Fehler, nicht eine Rach-läßiqkeir verzieht. Garrick ist auch nicht un-empfindlich gegen einzele Kritiken, und ent-rann so wenig, als irgend ein verdienstvoller 5Mann, den Kabalen des Neides und der Scha-denfreude schlechter Menschen; ja es war zumTheil Verdruß über mancherlei Beleidigungendieser Art, was ihn zu einer langen Reiseaußerhalb Landes bewog. Er schilderte seine 1gdamalige Verfaßung in folgenden Versen:
„Gen Himmel schau'n, ermüdet das Gesicht,
Und wenn ein Mensch zu fliegen nur beginntUnd einen höhern Punkt gewinnt, ..
So fehlen Neid und Mißgunst nicht.
Und mancher Freund in diesem guten LandReicht, ihn hcrabzuzieh'n, ihm schnell die Hand! "
Und die Herren Kunstrichter werden miteinem Gleichniß bewillkommet: 20
„ Nachtwächtern gleich sind unsere Kunstrichter,Halb blind und lahm, und doch erschlagen sieden Dichter.«
Garrick verdient diese Begegnung nicht. Er 2',hat nie das Genie angefeindet, nie eine Par-thei, oder, wie man es bei uns nennt, eineSchule') kommandirt; er hat kein aufkeimen-des Talent durch Verachtung gedemüthigt, oftunerkante Fähigkeiten hervorgezogen, auch den 30Fleiß geschäzt, und Ruhm und Belohnung mirseinen Gehülfen getheilt. Er ist nicht allein derLehrer, sondern auch der Vater seiner Gesell-schaft, und ehrt seltene Gaben mit Enthusias-mus. Nachdem Mistreß Pritchard die Bühne 35verlaßen hatte, gab er ihr jeden Winter, eineBenesizvorstellung, spielte alsdann immer selbst,und machte nicht selten ein eignes kleines Stückdazu. Noch spricht er mit. Rührung von derberühmten Mistreß Cibber. Sie empfand, sagt 49er, und. wirkte Empfindungen. Seitdem sietodt ist, kan ich keine verliebte Rollk mehrmachen.
Es ist wahr, seine Dienste werde» reichlichbelohnt. Man rechnet sein Vermögen auf 100,000Pfund Sterling, und das Theater bringt ihmjährlich, als Schauspieler und als Eigenthümerzur Hälfte, noch gegen 4000 Pf. ein. WennReichthum, Verstand und ein großer Nameglücklich machen können, so ist Garrick ein glück-licher Mann: und er ist es auch in seinemHause: denn seine Frau ist eine liebenswürdige,schaabare Frau, die von ihrem vorigen Stande 2)nichts als die Grazie übrig behielt: aber ihnenfehlen Kinder, der Trost und die Freude desAlters, und Garrick's Vermögen wird der Fa-milie seines Bruders zu Theil. Weil Garrickin künftiger Woche spielen soll, so lag seinSchreibtisch voller Bittschriften von Herren undDamen aus allen Ständen, die um einen Plazin den Logen flehten; ein fremder Prinz warunter den Supplikanten, und ein auswärtigerMinister hatte sein Gesuch durch einen eignenBrief unterstüzt. Es wäre kein Wunder, wennein so gefeierter Mann endlich stolz würde.Baron war es mit ungleich geringerm Rechte.Garrick aber ist es nur für die Narren, gegenderen Zudringlichkeit nichts in Sicherheit sezt,als Kälte. Alles, was aus den Provinzen,oder übers Meer kömt, will durchaus die Lö-wen im Towcr, und Garrick, den Wunder-mann sehen. Ich bin, sagt er, auf dem Thea-ter für Geld zu sehen, aber in meinem Hauseallein für meine Freunde.
Auf meinem Rückwege trat ich einen Au-genblick in Twickcnham, dem berühmten Gar-ten Pope's, ab, der allein durch seinen Namenmerkwürdig ist. Die so schön besungene Grotteist ein mittelmäßiges Gewölbe, mit Muschelnohne Geschmack überladen, in welchem hie undda etwas Waßer, wie von einem Ziegeldache,herabtropft.
Künftig sage ich Ihnen vielleicht etwas überGarrick's Schriften und über die Bildniße vonihm, die mir vorgekommen sind.
III. Lllopstock. An Boic.
Ich habe Tellows Briefe an Elisa mit in-nigem Vergnügen gelesen. Mögen sie doch fürden größten Haufen manch unwichtiges enthal-ten; mich interessier jede Miene des Mannes,den ich mit warmer Zärtlichkeit liebe; alles er-neuert mir den Genuß besserer, vergangenerZeilen.
Als ich im Hause des unsterblichen Bern-storfs mit ihm lebte, mein Herz mit ihm theilte,über alle Wünsche glücklich war unter den be-sten, edelsten Menschen — heiterer Morgen ei-ner trüberen Zukunft! — Meine Bekantschaftmit Klopstock bildete sich schnell, und in siebenunvergeßlichen Jahren sind, außer einer acht-monatlichen Reise, wenige Tage verflossen,worin wir uns nicht sahen. Nie hat in dieser
00 Zeit ein Wölkchen Laune unsre Freundschaftumdämmert; denn auch als Freund ist Klopstock
Eiche, die dem Orkane steht.
Gegenwärtig, ferne von ihnen, oder im täu-55 schenken Schatten, er verkennet seine Freundenie- Hat er einmal geprüft und geliebt, sowäbrt's ewig, laß auf sein Urtheil Wahrschein-lichkeiten und künstlich erlogene Thatsachenstürmen.
60 Ich will, lieber Boie, auch aus meinemGedächtniß einzelne Züge für die wenigen sam-meln , denen das Bild eines würdigest MannesGcisteswollust gewährt. Alles ist mir ganz ge-genwärtig; denn ich empfinde, lebe, genieße65 immer noch in der vergangenen Zeit.
1 ) Weil das Heer oft aus Schülern besteht.
2l Sie war eine Tänzerin. Sterne nennt sie in seinen Briefen „eine unvergleichliche Frau."
Kurz, Pros. Lit. - 36