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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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633-634
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Johann Kaspar Lavatcr.

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thigstc Wohlthäter des menschlichen Geschlechtsdas ekelhafteste Geschöpf sei; daß Gott der Lu-gend alle Schönheit versage, um sie ja nichtzu empfehlen, daß die ganze Natur darauf ein-gerichtet sei, das, was der Gottheit das Liebste 5und an sich das Liebenswürdigste ist, gleichsammit dem Siegel seines Mißfallens zu stempeln."Wer, Bruder, Freunde der Tugend, Mitan-» beter der höchsten Weisheit, die lauter Güteist! wer kann diesen — beinahe hätte ich ge- 10sagt, gotteslästerlichen — Gedanken ertragen?

Setzt den ähnlichen Fall mit dem Verhält-niß der Erkenninißfähigkeiten zu der körperli-chen Feinheit. Könnt ihr es schicklich, der höch-sten Weisheit angemessen finden, in dem Maße 15Plumpheit zum Vorschein kommen zu lassen,in welchem die innere Verstandeskraft da istund sich entwickelt? Saget, was ihr wollt,nimmermehr könnt ihr es, und wie unendlichviel weniger liegt doch an dieser, als an jener 20Harmonie? Wie unendlich viel mehr ist demUrheber unserer Natur um die Entwickelungund Vervollkommnung des moralischen Theilsunserer Natur zu thun, als des intellektuellen?

Weiter, wer wird es schicklich und der hoch- 25sten Weisheit angemessen finden können, daßsie dem schwächsten Körper die Form und denSchein des stärksten, und dem stärksten die Formund den Schein des schwächsten gebe? (Ichrede nicht von Zufälligkeiten und Ausnahmen, 30ich rede von durchgängig allgemeiner Einrich-tung der Natur.) Und doch wäre diese Vor-stellung , diese unwürdige Spielsucht noch Weis-heit und Würde, in Vergleichung mit demBetragen, zwischen moralischer und physischer 35Schönheit eine sichtbare Disharmonie in derganzen Natur zu veranstalten.

Doch, ich will es zugeben, dergleichen me-taphysische Präsumtionen, so einleuchtend siescheinen und so viel sie, wenigstens bei gewissen 40Leuten, gelten sollten, sind nicht beweisend ge-nug. Es kommt auf die Wirklichkeit der Sachein der Natur, mithin auf sichere Beobachtun-gen und Erfahrungen an.

Ich setze zum Voraus, was auch der schlech- 45tcstö Beobachter seines eigenen oder AndererAngesichter nicht mehr läugnrn kann: JederGedankenzustand, jeder Empsindungszustand derSeele hat seinen Ausdruck auf dem Gesichte.Unähnliche Zustände der Seele haben nicht ahn- 50liche Ausdrücke des Angesichts, und ähnlicheZustände nicht unähnliche Ausdrücke.

Ich setze voraus, was auch kein Moralistläugncn wird, daß gewisse Zustände der Seele,gewisse Empfindungen, Empfindungsweisen, Rei- 55gungen schön, anmuthig, edel, groß sind, undjedem empfindsamen Herzen Wohlgefallen, Ach-tung, Liebe, Freude gleichsam abnöthigcn; daßandere hingegen ganz das Gegentheil seyn undwirken; häßlich widrig, unangenehm, abschre- 60ckend, Ekel erregend seyn!

Ich setze voraus, was jedem gesunde», auch

ungeübten Auge einleuchtend ist, daß es Schön-heiten und Häßlichkeiten der Züge des Angesichtsgebe (wir reden fürs Erste auch nur von die-sem ss), was man auch für seltsame Einwen-dungen gegen eine wesentliche Schönheit desKörpers überhaupt, gegen ewig wahre, ständigePrinzipien körperlicher Schönheit ausgeheckt hat:Ich stelle den» schönsten Menschen neben denhäßlichsten, und kein Mensch wird ausrufen:„ Jener wie häßlich ! dieser wie so reizend schön!"Und eben derselbe schöne Mensch schneide aller-lei Gesichter; Zuschauer aus allen Nationen desErdballs werden immer mit Einer Stimme ru-fen: „Das war.ein häßliches, das ein scheuß-liches, das ein ekelhaftes, dieß nun wieder einordentliches, ein anmuthiges, ein schönes Ge-sicht!" und so fort. Die meisten Einwendun-gen gegen eine wesentliche Schönheit, die nichtin dem willkürlichen Geschmacke des Zuschauersbestünde, waren immer von dem verschiedenen,oft seltsamen Urtheile der Nationen über dieSchönheit des menschlichen Körpers hergenom-men; allxin, daß Alle, die zu der Nation ge-hören, gerade alle die, und dann weiter keinermehr, ein gegebenes Ding so seltsamer Weisefür schön oder für häßlich halten, daß geradealle Hottentotten, und sonst dann Niemandweiter, die unfläthige Hautrindc für Zierde,gerade nur der Mohr die Stumpfnase für schönhält, und sonst Niemand; — nur Ein Völkchendie Kropfhälse liebt, zeigt ja klar, daß dieß nurdie Tyrannei eines hoch hinabgeerbten Natio-nalvorurtheiles war, die das natürliche Gefühldes Schönen in solchen Fällen zu tilgen oderzu krümmen vermochte. Und gerade diese Allewerden über den Punkt der Schönheit undHäßlichkeit in allen großen, starken, in die Au-gen fallenden Fällen mit allen Einwohnern derErde wieder gleich urtheilen, werden das gleicheGefühl des Schönen und Häßlichen verrathen,wenn ihr die Fälle ausnehmt, wo ein National-vorurtheil im Wege steht. Ich sage nämlichmit Vorbedacht in großen Fällen, in stark ab-stechenden Extremen von Schönheit und Häß-lichkeit. Denn je'nachdem die Gegenstände vomhäßlichsten und schönsten Punkte einander näherrücken, ein desto feineres, geübteres Auge wirdwiederum erfordert, es zu unterscheiden, — wasman denn nun freilich bei groben Menschennicht erwarten darf. Und tausend Irrthümerim Punkte der Unterscheidung und des Gefüh-les feinerer Grade von Schönheiten können sowenig eine Einwendung gegen die immer we-sentlichen Unterschiede der Schönheiten abgeben,so wenig als zwanzig Linien um deßwillen nichtwahrhaftig an Größe verschieden sind, weil jedenur um einen Punkt größer ist, und also dieUnterschiede zu fein sind, als daß sie gemeinenAugen sichtbar würden.

Wir fassen zusammen:

Was in der Seele vorgeht, hat seinen Aus-druck auf dem Angesichte.

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-Am meisten herrscht da« Gesicht. Mit ihn, sind wir dem.Mg, "tt chm drohend. Mit thm l,ebko,end. mtt chmtraurig, mit ihm fröblick,. mttibmNo,.. mit ..t.erwnrfig. Von tkm. lm,mr>> Um .'N

fröhlich, mit ihm stolz, mit ihm Unterwürfig. Von ihn, hängen die Menschen ab, »ach ihm

sihancn fic, nach ihm richten sie die Augen, sogar ehe wir sprechendurch es begreifen wir Viele«; es ist oft statt aller Worte."

-ttr ihn, lieben wir einige, in ihm Haffen wir.