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Johann Gottfried von Herder.
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möge- Die Jahre des Jünglinges auf derAkademie sind ihm zeitlebens die liebsten Jahre;was er da mit Lust zur Wissenschaft, im erstenFeuer der Begeisterung, noch unbekannt mitLasten und Hinderungen des Lebens, oder mitjugendlichem Muth diese verachtend, als Beutedes Wissens, als Regel der Uebung annahm,das bleibt ihm lang' oder immer, ein froh er-worbener Schatz, eine heil,ige Regel-
Haben wir noch dies Publicum der Schu-len und Universitäten? Wir Habens noch, undes hat sich (was man auch sagen möge) nichtverschlimmert, sondern verbessert. Seltener tre-ten jetzt die rohen Heere erwachsener Streiterauf dieses Feld des Wissens und Lernens; zar-tere Jünglinge sind es, in denen das Wort deSLehrers auch zartere, deßhalb aber nicht unkräf-tigere Wurzeln schlägt. Wenn sie es nicht mitder Klinge behaupten, so hangen sie ihm destogewissenhafter an; der Lehrer sprach für sieselbst jugendlicher und weckte ihr eigenes Nach-denken, ihre mit ihm wirkenden Kräfte. Einstlernte man und behauptete: er cultivirt undbessert. Statt des ehemaligen Sekten- undRaufgcistcs nehmen mehrere Universitäten einefeinere Tendenz an, Gesellschaften der,Wissen-schaft, pylhagorische Schulen zu werden, in de-nen sich die erlesensten Jünglinge nicht zumWissen der Dictaten, sondern zur Wissenschaft,zur Uebung und Kunst ihres Lebens oder Ge-schäfts bilden. Ein schönes Publicum, wennder Lehrer den Werth seines Geschäfts fühlet.Glaube niemand, daß mit Wiclef, Huß, Lutherdiese große Wirkung der Universitäten vorübersey; die Reformation auf ihnen in jeder Wis-senschaft, Facultät und Lehre ist noch nichtstillgestanden; ja sie wird und kann nicht still-stehen, so lange Universitäten da sind. Meh-rere Lehrer Einer Facultät, mehrere Fakultä-ten, mehrere Universitäten gegen einander sindgemeiniglich in Wettstreit; dieser Wettstreitmuß mit den Jahren nicht abnehmen, sondernwachsen. Je mehr die Handwerkshindcrniffegeschwächt werden (dies müssen sie nothwendig),je mehr das Werk der Akademien ein Werk desGeistes und einer freien Uebung wird, destomehr entzündet sich der Wetteifer mit reinererFlamme. Universitäten sind Wacht- und Leucht-thürme der Wissenschaft; sie spähen aus, wasin der Ferne und Fremde vorgeht, fördern esweiter, und leuchten andern selbst vor. Uni-versitäten sind Sammlungs- und Vereinigungs-plätzc der Wissenschaft; aus ihrer Zusammen-stellung und gegenseitigen Befehdung oder Be-freundung entspringen dort und dann neue Re-sultate, Universitäten endlich sollten die letztenFreistätten und eine Schutzwehr der Wissen-schaften sein, wenn solche nirgend eine Freistattfänden. Was allenthalben verkannt würde, wasim Geschäft hie und da seine Stimme wehrloserhübe, sollte hier einer unparteiischen Auf-merksamkeit und eines Beistandes gemessen, dervon keinem Einfluß gestört würde. Irre ichnicht, so ist dies mehrmals geschehen; die Rath-schläge der Lehrer haben Verfolgungen aufge-halten, die die Rathschläge der Slaatsweisennicht unterdrücken mochten; und so sehe ich auchfür die Zukunft Rathschläge der Lehrer aufUniversitäten hervorgehen, denen die Rathschläge
blöder Weisen kaum bestehen mögen. Bis alsodie Universitäten sich selbst unnoth machen, un-terstütze man ihren Werth; ihr Publicum wirdnoch lange durch ein besseres nicht ersetzt wer-den- Zunächst gflt dieses von den UniversitätenDeutschlands; fast st„d sie die einzige Gattungdeutscher Institute, die jedes Ausland mit Rechtehrt.
Ein noch größeres Publicum hat uns dieBuchdruckerei verschaffet; es ist sehr gemischtund fast unübersehlich. Welche Mühe kostete esin ältern Zeiten, Bücher zu haben, mehrere zuvergleichen und über einen Inbegriff von Wis-senschaft zu urtheilen! Jetzt überschwemmen sieuns; eine Fluth Bücher und Schriften, ausallen für alle Nationen geschrieben. Ihre Blät-ter rauschen so stark und leise un> unser Ohr,daß manches zarte Gehör schon jugendlich über-täubt wurde. In Büchern spricht Alles zuAllem; niemand weiß zu Wem? Oft wissen wirauch nicht, Wer spreche? denn die Anonymieist die große Göttinn des Marktes. Von einemsolchen Publicum wußte weder Rom noch Grie-chenland; Guttenberg und seine Gehülfen habenes für die ganze Welt gestiftet.
Was ist darüber zu sagen? Dies, daß es,ohngeachtet aller und der schnödesten Mißbräucheein großes Geschenk, ein unwiderrufliches Pri-vilegium für die menschliche Gesellschaft, undein ungeheures Mittel der Vorsehung sey, des-sen Wirkungen und Folgen noch nicht vor un-serm Auge liegen. Was geschehen ist, könnenwir nicht zurücknehmen; die Buchdruckerei istda; nicht nur als Nahrungszweig für Handelund Arbeit, sondern als eine Tuba der Sprache,so weit dies oder jenes Producr reichet. AlleiPonarchen der Welt, wenn sie mit vereintenKräften für jede Druckerstube träten, könntendie arme Familie dieses Lctternkastens, das Asylund den Telegraph menschlicher Gedanken nichtzerstören. Ja, wer wollte es zerstören, da es,nebst einigem Bösen, so unsäglich viel Gutesgestiftet hat, und seiner unschuldigen aber kräf-tigen Natur nach nothwendig noch stiften wird.Der Redner übertäubt mich; der Schriftstellerspricht leise und sanft; ich kann ihn bedächtig lesen.Der Redner blendet mich mit seiner Gestalt,mit seinem Gefolg und Ansehen; der Schrift-steller spricht unsichtbar, und es ist meineSchuld, wenn ich mich von seinem Wortprunkhintergehen, oder mir von seinem Geschwätzdie Zeit rauben lasse; ich soll ihn prüfen, ichdarf ihn wegwerfen. Gegenseits ist auch frei-lich das Jrrsal und die Verführung des Red-ners vorübergehend und in einem Kreise be-schlossen ; das Gift und Jrrsal des Schriftstellers,seine Ehre und Schande dauert. Er selbst kannsie nicht, als etwa durch Besserung, durchWiderruf zurückrufen; und auch dadurch wird,was geschehen ist, nicht ungeschehen. Wer weiß,ob dies Blatt des Widerrufs oder der Wider-legung in die vorige Hand kommt, oder ob esdem Irrthum gleich wirket? Das Publicumder Schriftsteller ist also von eigner Art; un-sichtbar und allgegenwärtig, oft taub, oftstumm, und nach Jahren, nach Jahrhunder-ten vielleicht sehr laut und regsam. Verlorenund doch unverloren, ja unverlierbar ist, wasman in seinen Schoos schüttet. Man kann nie
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