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Johann Gottfried von Herder.
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als die Huronen und Peruaner. Russen und nur unvollkommener Versuch gewesen, sich einigePolen, deren Sprache doch lange schon geschrie- Merkstäbe der Erinnerung zu setzen, und daß
den und schriftgebildet sind, aspiriren noch im- jene nicht aus Buchstaben der Grammatik Got-
mer so, daß der wahre Ton ihrer Laute nicht tes, sonder» aus wilden Tönen freier Organe
durch Buchstaben gemalt werden kann. Der 5 entstanden sey. Sonst wäre es sonderbar, daßEngländer, wie quälet er sich, seine Töne zu eben die Buchstaben, aus denen und für die
schreiben, und wie wenig ist der noch, der ge- Gott die Sprache erfunden, mit Hülfe derer er
schriebnes Englisch versteht, ein sprechender Eng- den ersten Menschen die Sprache beigebracht
länder? Der Franzose, der seine Sylben we- hätte, eben die unvollkommensten in der Welt
niger aus der Kehle hinaufholet, und der Halb- 10 wären, die wenig vom Geiste der Sprache sa-grieche, der Italiener, der gleichsam in einer gen und in ihrer ganzen Bauart offenbar be-
höhern Gegend des Mundes, wie in einem fei- kennen, daß sie nichts davon sagen wollen.-
nern Aether redet, behält immer noch lebendigen Es verdiente diese Buchstabenhypothese frei-
Ton. Seine Laute müssen innerhalb der Or- lich ihrer Würde nach nur Einen Wink: aber
gane bleiben, wo sie gebildet worden; als ge- 15 ihrer mannichfaltigcn Beschönigung wegen mußte
malte Buchstaben sind sie, so bequem und ein- ich ihren Ungrund entblößen, und eine Sondcr-
artig sie der lange Schriftgebrauch gemacht habe, barkcit dabei erklären , von welcher mir wenig-
immer nur Schatten i stens keine Erklärung bekannt ist. Zurück auf
Das Faktum ist also falsch, und der Schluß unsre Bahn!noch falscher: er führet nicht auf einen göttli- 20 Da unsre Töne der Natursprache vorzüglichchen, sondern gerade umgekehrt auf einen thie- zum Ausdrucke der Leidenschaft bestimmt sind,rischen Ursprung der Sprache. Nehmet die so- so ists natürlich, daß sie auch die Elementegenannte göttliche erste Sprache, die hebräische, aller Rührung werden. Wer ists, dem bei einemvon der der größte Theil der Welt die Buch- zuckenden, wimmernden Gequälten, bei einemstaken geerbt hat. Daß sie in ihrem Anfange 25 ächzenden Sterbenden, auch selbst bei einemso lebendigtönend gewesen, daß sie nur sehr un- stöhnenden Vieh, wenn seine ganze Maschinevollkommen geschrieben werden konnte: dies zeigt leidet, dies Ach nicht zu Herzen dringe? weroffenbar der ganze Bau ihrer Grammatik, ihre ist der gefühllose Barbar? Je harmonischer dasso vielfachen Verwechselungen ähnlicher Buch- empfindsame Saitcnspiel selbst bei Thieren mitstaben, ja am allermeisten der völlige Mangel 30 andern Thieren gewebt ist: desto mehr fühlenihrer Vokale. Woher kommt die Sonderbarkeit, selbst diese miteinander; ihre Nerven kommendaß ihre Buchstaben nur Mitlauter sind, und in eine gleichmäßige Spannung, ihre Seele indaß eben die Elemente der Worte, auf die alles einen gleichmäßigen Ton, sie leiden wirklich me-ankommt, die Selbstlaute«, ursprünglich gar chanisch mit. Und welche Stählung seiner Fi-nicht geschrieben wurden? Diese Schreibart ist 35 bern, welche Macht, alle Oeffnungen seinerdem Laufe der gesunden Vernunft so entgegen, Empfindsamkeit zu verstopfen, gehört dazu, daß
das Unwesentliche zu schreiben und das Wesent- ein Mensch hiegegen taub und hart werde!-
liche auszulasten, daß sie den Grammatikern Diderot meint, daß ein Blindgcborner gegenunbegreiflich seyn müßte, wenn Grammatiker die Klagen eines leidenden Thiers unempsindli-häufig zu begreifen gewöhnt wären. Bei uns 4g cher seyn müßte, als ein Sehender; allein ichsind die Vokale das Erste, gleichsam die Thür- glaube, unter gewissen Fällen, das Gegentheil,angeln der Sprache; bei jenen werden sie nicht Freilich ist ihm das ganze rührende Schauspiel dic-gcschriebcn — »parum? Weil sie nicht geschrie- ses elenden zuckenden Geschöpfes verhüllet; alleinden werden konnten. Ihre Aussprache war so alle Beispiele sagen, daß eben durch diese Ver-lebendig und fein organisirt, ihr Hauch war so 45 hüllung das Gehör weniger zerstreut, horchen-geistig und ätherisch, daß er verduftete, und sich der und eindringender werde. Da lauschet ernicht in Buchstaben fassen ließ. Nur erst bei also im Finstern, in der Stille seiner ewigen
den Griechen wurden diese lebendigen Aspiratio- Nacht, und jeder Klageton geht ihm, um so
ncn in förmliche Vokale aufgefädelt, denen doch inniger und schärfer, wie ein Pfeil, zum Her-noch Spiritus u. s- w. zu Hülfe kommen muß- 50 zen! Nun nehme er noch das tastende, langsamtcn; da bei den Morgenländern die Rede gleich- umspannende Gefühl zu Hülfe, taste die Zu-sam ganz Spiritus, ein fortgehender Hauch und ckungen, er fühle den Bruch der leidenden Ma-Geist des Mundes war, wie sie sie auch so oft schine sich ganz, - Grausen und Schmerzin ihren malenden Gedichten benennen- Es war fährt durch seine Glieder: sein innrer NervenbauOthcm Gottes, wehende Luft, die das Ohr auf- 55 fühlt Bruch und Zerstörung: der Todeston tö-nahm; die todten Buchstaben, die sie hinmaleten, net. Das ist das Band dieser Natursprache!waren nur der Leichnam, der lesend mit Lebens- Ueberall sind die Europäer, trotz ihrer Bil-geist beseelt werden mußte. Was das für einen düng und Mißbildung, von den rohen Klage-
gewaltigcn Einfluß auf das Verständniß ihrer tönen der Wilden heftig gerührt worden. Leri
Sprache hat, ist hier nicht der Ort zu sagen; 60 erzählt aus Brasilien: wie sehr seine Leute vondaß dies Wehende aber den Ursprung ihrer dem herzlichen, unförmlichen Geschrei der LiebeSprache verrathe, ist offenbar. Was ist un- und Leutseligkeit dieser Amerikaner bis zu Thrä-schreibbarcr, als die unartikulirten Töne der nen seien erweicht worden. Charlevoix und an-Natur? Und wenn die Sprache, je näher ihrem dere wissen nicht genug den grausenden EindruckUrsprünge, desto unartikulirter ist — was folgt, 65 auszudrücken, den die Krieges - und Zauberliederals daß sie wohl nicht von einem höher» Wesen der Nordamerikaner machen. Wenn wir späterfür die vier und zwanzig Buchstaben, noch auch Gelegenheit haben werden zu bemerken, wie sehrdiese Buchstaben gleich mit der Sprache erfun- die alte Poesie und Musik von diesen Naturtö-den worden, daß diese vielmehr ein weit späterer nen sey belebet worden: so werden wir auch die