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Johann Gottfried von Herder.
Sprache die Prosodie/ Deklamation, Musik, ten in die Psychologie und Raturordnung desTanz und Poesie der alten Sprachen gebauet, menschlichen Geschlechts, in die Philosophie derund mitunter gute Anmerkungen vorgetragen Sprachen und aller Kenntnisse, die mit derhat, die aber zu unserm Zwecke nichts thun; Sprache erfunden werden, verspricht; n,ek wollteso faßt er den Faden wieder an: „Um zu be- 5 sich nicht daran versuchen?
„greifen, l§.80.) wie die Menschen unter sich über Und da die Menschen für uns die einzigen
„den Sinn der ersten Worte Eins geworden, Sprachgeschöpfe si„d, die wir kennen, und sich„die sie brauchen wollten, ist genug, wenn eben durch Sprache von allen Thieren unter-„man bemerkt, daß sie sie in Umständen aus- scheiden: wo finge der Weg der Untersuchung„sprachen, wo jeder verbunden war, sie mit 10 sicherer an, als bei Erfahrungen über den Un-eben nehmlichen Ideen zu verbinden u. s. w." terschied der Thiere und Menschen? — Con-Kurz: es entstanden Worte, weil Worte da dillac und Rousseau mußten über den Sprach-warcn, ehe sie da waren — Mich dünkt, es Ursprung irren, weil sie sich über diesen Unter-lohnt nicht, den Faden unsers Erklärers weiter schied so bekannt und verschieden irrten: da je-zu verfolgen, da er doch an nichts geknüpft ist. .15 ner die Thiere zu Menschen, und dieser, dieVielleicht gab Condillac durch seine hohle Menschen zu Thieren machte. Ich muß alsoErklärung von Entstehung der Sprache Gele- etwas weit ausholen.
genhcit, daß Rousseau die Frage nach seiner Daß der Mensch den Thieren an Stärke
Art in Schwung brachte, das ist, sie bezwei- und Sicherheit des Instinkts weit nachstehe, jafeite. Gegen Eondillac's Erklärung Zweifel zu 20 daß er das, was wir bei so vielen Thicr'gat-sinden, war eben kein Rousseau nöthig: nur tungen angcborne Kunstfähigkeiten und Kunst-aber deswegen sogleich alle menschliche Möglich- triebe nennen, gar nicht habe, ist gesichert; nurkeit der Sprachersindung zu leugnen — dazu so wie die Erklärung dieser Kunsttriebe bishergehörte freilich etwas Rousseauscher Schwung. den meisten und noch zuletzt einem der gründ-Denn weil jener die Sache schlecht erklärt hatte; 25 lichsten Philosophen ^Deutschlands mißglücket ist,ob sie also auch gar nicht erklärt werden könne? so hat auch die wahre Ursache von der Ent-Weil aus Schällen der Empfindung nimmer- behrung dieser Kunsttriebe in der menschlichenmehr eine menschliche Sprache wird, folgt dar- Natur noch nicht völlig ins Licht gesetzt werdenaus, daß sie nirgend anderswoher hat werden können. Mich dünkt, man habe eine» Haupt-können? 30 gesichtspunkt verfehlt, aus dem man, wo nicht
Daß es wirklich nur dieser verdeckte Trug- vollständige Erklärungen, so wenigstens Berner-schluß sey, der Rousseau verführet, zeigt offen- kungen über die Natur der Thiere machen kann,bar sein eigner Plan: „Wie, wenn doch allen- die, wie ich für einen andern Ort hoffe, die„falls Sprache hätte menschlich entstehen sollen, menschliche Seelenlehre sehr aufklären können,„wie sie hätte entstehen müssen?" Er fängt, 35 Dieser Gesichtspunkt ist die Sphäre der Thiere,wie sein Vorgänger, mit dem Geschrei der Na- Jedes Thier hat seinen Kreis, in den es
rur an, aus dem die menschliche Sprache werde. von der Geburt an gehört, gleich eintritt, inIch sehe nicht, wie sie daraus je geworden wäre; dem es lebenslang bleibet, und stirbt. Nun istund wundre mich, daß der Scharfsinn eines es aber sonderbar, „daß je schärfer die SinneRoufftau sie einen Augenblick daraus habe kön- 40 der Thiere, und je wunderbarer ihre Kunst-nen werden lassen? werke sind, desto kleiner ist ihr Kreis: desto
Maupcrtuis's kleine Schrift ist mir nicht einaktiger ist ihr Kunstwerk." Ich habe diesembei Händen; wenn ich aber dem Auszuge eines Verhältnisse nachgespület, und finde überall eineMannes (Süßmilch) trauen darf, dessen nicht wunderbar - beobachtete „umgekehrte Proportionkleinstes Verdienst Treue und Genauigkeit war, 45 zwischen der mindern Ertension ihrer Bewe-so hat auch er den Ursprung der Sprache nicht gunge», Nahrung, Erhaltung, Paarung, Er-genug von diesen thierischen Lauten abgesondert, ziehung, Gesellschaft und ihren Trieben undund gehet also mit den vorigen auf Einer Künsten " Die Biene in ihrem Korbe bauetStraße. mit der Weisheit, die Egeria ihren Numa nicht
Diodor endlich und Vitruv, die zudem den 50 lehren konnte; aber außer diesen Zellen undmenschlichen Ursprung der Sprache mehr ge- außer ihrem Bestimmungsgeschäft in diesen Zel-glaubt als hergeleitet haben, erschwerten sich len, ist sie auch Nichts. Die Spinne webetdie Sache dadurch, daß sie die Menschen, erst mit der Kunst der Minerva; aber alle ihreZeitenlang, als Thiere, mit Geschrei in Wäl- Kunst ist auch in diesem engen Spinnraum Ser-vern schweifen, und sich nachher, weiß Gott, 55 webet; das ist ihre Welt. Wie wundersam istwoher? und weiß Gott, wozu? Sprache ersin- das Insekt, und wie enge der Kreis seinerden liessen. - - Wirkung!
Da nun die meisten Verfechter der mensch- Gegentheils- „Je vielfacher die Berrichtun-
lichen Sprachwerdung aus einem so unsicher» gen und Bestimmung der Thiere; je zerstreuterOrt stritten, den andre, z. B. Süßmilch, mit 60 ihre Aufmerksamkeit auf mehrere Gegenstände,so vielem Grunde bekämpften: so hat die Aka- >e unstäter ihre Lebensart, kurz je größer unddemie diese Frage, die also noch unbeantwortet vielfältiger ihre Sphäre ist; desto mehr sehenist, und über die sich selbst einige ihrer vorma- wir ihre Sinnlichkeit sich vertheilen und schwä-ligen Mitglieder in Meinungen getheilt haben, chen." 3ch kann es mir hier nicht in deneinmal außer Streit wollen gesetzt sehen. 65 Sinn nehmen, dies große Verhältniß, das dieUnd da dies große Thema so viel Aussich- Kette der lebendigen Wesen durchläuft, mit
II NcimarttS über die Kinisttricbc der Tlüere.