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Jmmänuel Kant.
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nach) betrachtet. Da er sich aber nicht bloßals Person überhaupt, sondern auch als Mensch,d. i. als eine Person, die Pflichten aus sichhat, die ihm seine eigene Vernunft auferlegt,betrachten muß, so kann seine Geringfügigkeit 5als Lhiermensch dem Bewußtsein seiner Würdeals Vernunstmensch nicht Abbruch thun, under soll die moralische Selbstschätzung in Betrachtder letztern nicht verleugnen, d. i. er soll sichum seinen Zweck, der an sich selbst Pflicht ist, 10nicht kriechend, nicht knechtisch, gleich als sichum Gunst bewerbend, bewerben, nicht seineWürde verleugnen, sondern immer das Bewußt-seyn der Erhabenheit seiner moralischen Anlagein sich aufrecht erhalten; und diese Selbstschä- 15tzung ist Pflicht des Mensche» gegen sich selbst.
Das Bewußtseyn und Gefühl der Gering-fügigkeit seines moralischen Werths in Verglei-chung mit dem Gesetz ist die moralische De-muth. Die Uebcrredung von einer Größe dieses 20seines Werths, aber nur aus Mangel der Ver- ,gleichung mit dem Gesetz, kann der Tugend-stolz genannt werden. — Die Entsagung allesAnspruchs auf irgend einen moralischen Werthseiner selbst, in der Uebcrredung, sich eben da- 25durch einen geborgten zu erwerben, ist diefalsche moralische Demuth oder geistliche Kriecherei.
Demuth als Geringschätzung seiner selbstin Vergleichung mit andern Menschen (ja über-haupt mit irgend einem endlichen Wesen, und 30wenn es auch ein Seraph wäre) ist gar keinePflicht; vielmehr ist die Bestrebung, in solcherDemuth Andern gleich zu kommen, oder sie zuübertreffen, mir der Uebcrredung, sich dadurchauch einen innern größer» Werth zu verschaffen, 35Hochmuth, welcher der Pflicht gegen anderegerade zuwider ist. Aber die bloß als Mittel,zu Erwerbung der Gunst eines Andern ( weres auch sey), ausgesonnene Herabsetzung seineseigenen moralischen Werths (Heuchelei und 40Schmeichelei)') ist falsche (erlogene! Demuth,und als Abwürdigung seiner Persönlichkeit, derPflicht gegen sich selbst entgegen.
Aus unserer aufrichtige» und genauen Ver-gleichung mit dem moralischen Gesetz (dessenHeiligkeit und Strenge) muß unvermeidlichwahre Demuth folgen: aber daraus, daß wireiner solchen innern Gesetzgebung fähig sind,daß der (physische) Mensch den (moralischen)Menschen in seiner eigenen Person zu vereh-ren sich gedrungen fühlt, zugleich Erhebungund die höchste Selbstschühung, als Gefühl sei-nes innern Werths, nach welchem er für kei-nen Preis seil ist, und eine unverlierbareWürde besitzt, die ihm Achtung gegen sich selbsteinflößt.
Mehr oder weniger kann man diese Pflicht,in Beziehung auf die Würde der Menschheitin uns, mithin auch gegen uns selbst, durchfolgende Vorschriften kennbar machen.
Werdet nicht der Menschen Knechte: —Laßt Euer Recht nicht ungeahndet von Andernmit Füßen treten. — Macht keine Schulden,für die Ihr nicht volle Sicherheit leistet. —Nehmt nicht Wohlthaten an, die Ihr entbeh-ren könnt, und seyd nicht Schmarozer, oderSchmeichler, oder gar (was freilich nur imGrad von dem Vorigen unterschieden ist) Bett-ler. Daher seyd wirthschaftlich, damit ihr nichtbettelarm werdet. — Das Klagen und Win-seln, selbst das bloße Schreien bei einem kör-perlichen Schmerz ist Euer schon unwerth, ammeisten, wenn Ihr Euch bewußt seyd, ihn selbstverschuldet zu haben. Daher die Veredlung(Abwendung der Schmach) des Todes einesDelinquenten durch die Standhaftigkeit, mitder er stirbt. — Das Hinknieen oder Hinwer-fen zur Erde, selbst um die Verehrung himm-lischer Gegenstände sich dadurch zu versinnlichen,ist der Menschenwürde zuwider, so wie die An-rufung derselben in gegenwärtigen Bildern;denn Ihr demüthigt Euch alsdann nicht untereinem Ideal, das Euch Eure eigene Vernunftvorstellt, sondern unter einem Idol, das Euereigenes Gemächsel ist.
IH. Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen frei gesprochen, dennoch gerne Zeitlebens un-
aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. mündig bleiben; und warum es Andern so
Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzu-
Verstandcs ohne Leitung eines Andern zu be- werfen. Es ist so bequem, unmündig zu styu.
dienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündig- 55 Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat,keit, wenn die Ursache derselben nicht am einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat,
Mangel des Verstandes, sondern der Entschlie- einen Arzt, der siir mich die Diät beurtheilt,
- ßung und des Muthes liegt, sich seiner ohne u. s- w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu
* Leitung eines Andern zu bedienen. Habe Muth, bemühen, ^ch habe nicht nöthig zu denken.
Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! 60 wenn ^zahlen kann; Andere werden
ist also der Wahlspruch der Aufklärung. das verdrießliche Geschäft schon für mich über-
Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, nehmen. Daß der bei Weitem größte Theil der
warum ein so großer Theil der Menschen, nach- Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht)
dem sie die Statur längst von fremder Leitung den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß
I) Heucheln (eigentlich häuchcl») scheint vorn ächzenden, die Sprache »Ilterbrechenden Hauch (Stoßseufzer), abge-leitet zu seyn; dagegen Schmeicheln vom Schmiegen, welches, als HabitllS, Schmiege!» und endlich -von den Hoch-dentschc» Schmeicheln genannt worden ist, abzustammen.
Kurz. Pros. Lil.
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