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Jrmnanuel Kant.
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fortgehen, und an derselben Beförderung ar-beiten, an welcher, selbst wenn sie ihnen be-kannt würde, ihnen doch wenig gelegen seynwürde.
Da die Menschen in ihren Bestrebungennicht bloß instinktmaßig wie Thiere, und dochauch nicht, wie vernünftige Weltbürger, nacheinem verabredeten Plane, im Ganzen verfah-ren , so scheint auch keine planmäßige Geschichte(wie etwa von den Bienen oder den Bibern)von ihnen möglich zu seyn. Man kann sicheines gewissen Unwillens nicht erwehren, wennman ihr Thun und Lassen auf der großen Welt-bühne aufgestellt sieht, und bei hin und wiederanscheinender Weisheit im Einzelnen doch end-lich alles im Großen aus Thorheit, kindischerEitelkeit, oft auch aus kindischer Bosheit undZerstörungssucht zusammengewebt findet, wobeiman am Ende nicht weiß, was man sich vonunserer auf ihre Borzüge so eingebildeten Gat-tung für einen Begriff machen soll. Es ist hierkeine Auskunft für den Philosophen, als daß,da er bei Menschen und ihrem Spiele im Gro-ßen gar keine vernünftige eigene Absicht vor-aussetzen kann, er versuche, ob er nicht eineNaturabsicht in diesem widersinnigen Gangemenschlicher Dinge entdecken könne, aus wel-cher, von Geschöpfen, die ohne eigenen Planverfahren, dennoch eine Geschichte nach einembestimmten Plane der Natur möglich sey. —Wir wollen sehen, ob es uns gelingen werde,einen Leitfaden zu einer solchen Geschichte zufinden, und wollen es dann der Natur über-lassen, den Mann hervorzubringen, der imStande ist, sie darnach abzufassen. So brachtesie einen Kepler hervor, der die excentrischenBahnen der Planeten auf eine unerwarteteWeise bestimmten Gesetzen unterwarf, und einenNewton, der diese Gesetze aus einer allgemei-nen Natursache erklärte.
Erster Satz.
Alle Naturanlagen eines Geschöpfes sind be-stimmt , sich einmal vollständig und zweckmäßigauszuwickeln. Bei allen Thieren bestätigt diesesdie äußere sowohl, als innere oder zergliederndeBeobachtung. Ein Organ, das nicht gebrauchtwerden soll, eine Anordnung, die ihren Zwecknicht erreicht, ist ein Widerspruch in der theo-logischen Naturlehre; denn, wenn wir von je-nem Grundsätze abgehen, so haben wir nichtmehr eine gesetzmäßige, sondern eine zwecklosspielende Natur, und das trostloseste Ungefährtritt an die Stelle des Leitfadens der Vernunft.
Zweiter Satz.
Am Menschen (als dem einzigen vernünf-tigen Geschöpfe auf Erden ) sollten sich diejeni-gen Naturanlagen, die auf den Gebrauch seinerVernunft abgezielt sind, nur in der Gattung,nicht aber im Individuum vollständig entwickeln.Die Vernunft i» einem Geschöpfe ist ein Ver-mögen, die Regeln und Absichten des Gebrauchsaller seiner Kräfte weit über den Naturinstinktzu erweitern, und kennt keine Grenze» ihrerEntwürfe. Sie wirkt aber selbst nicht instinkt-^äßjg, sondern bedarf Versuche, Uebung undUnterricht, um von einer Stufe der Einsichtönr andern allmählig fortzuschreiten. Daher
würde ein jeder Mensch unmäßig lange lebenmüssen, um zu lernen, wie er von allen seinenNaturanlagcn einen vollständigen Gebrauch ma-chen solle: oder, wenn die Natur seine Lebens-frist nur kurz angesetzt hat lwie es wirklich ge-schehen ist>, so bedarf sie einer vielleicht unab-sehlichen Reihe von Zeugungen, deren eine derandern ihre Aufklärung überliefert, um endlichihre Keime in unserer Gattung zu derjenigenStufe der Entwickelung zu treiben, welche ihrerAbsicht vollständig angemessen ist. Und dieserZeitpunkt muß wenigstens in der Idee des Men-schen das Ziel seiner Bestrebungen seyn, weilsonst die Naturanlagen größtentheils als ver-geblich und zwecklos angesehen werden müßten;welches alle praktische Prinzipien aufheben, unddadurch die Natur, deren Weisheit in Beur-theilung aller übrigen Anstalten sonst zum Grund-sätze dienen muß, am Menschen allein eineskindischen Spiels verdächtig machen würde.
Dritter Satz.
Die Natur hat gewollt, daß der Menschalles, was über die mechanische Anordnungseines thierischen Daseins geht, gänzlich aus sichselbst herausbringe, und keiner andern Glück-seligkeit , oder Vollkommenheit theilhaftig werde,als die er sich selbst, frei vom Instinkt , durcheigene Vernunft, verschafft hat. Die Naturthut nemlich nichts überflüssig, und ist im Ge-brauche der Mittel zu ihren Zwecken nicht ver-schwenderisch. Da sie dem Menschen Vernunftund darauf sich gründende Freiheit des Willensgab, so war das schon eine klare Anzeige ihrerAbsicht in Ansehung seiner Ausstattung. Ersollte nämlich nun nicht durch Instinkt geleitet,oder durch ««erschaffene Kenntniß versorgt undunterrichtet seyn; er sollte vielmehr alles aussich selbst herausbringen. Die Erfindung seinerBedeckung, seiner äußern Sicherheit und Ver-theidigung (wozu sie ihm weder die Hörner desStiers, noch die Klauen des Löwen, noch dasGebiß des Hundes, sondern bloß Hände gab),alle Ergötzlichkeit, die das Leben angenehm ma-chen kann, selbst seine Einsicht und Klugheit,und sogar die Gutartigkeit seines Willens, soll-ten gänzlich sein eignes Werk seyn. Sie scheintsich hier in ihrer größten Sparsamkeit selbst ge-fallen zu haben, und ihre thierische Ausstattungso knapp, so genau auf das höchste Bedürfnißeiner anfänglichen Existenz abgemessen zu haben,als wollte sie, der Mensch sollte, wenn er sichaus der größten Rohheit dereinst zur größtenGeschicklichkeit, innerer Vollkommenheit der Den-kungsart, und (so viel es auf Erden möglichist) dadurch zur Glückseligkeit empor gearbeitethaben würde, hiervon das Verdienst ganz alleinhaben, und es sich selbst nur verdanken dürfen;gleich als habe sie es mehr auf seine vernünftigeSelbstschätzung, als auf sei» Wohlbefinden an-gelegt, denn in diesem Gange der menschlichenAngelegenheiten ist ein ganzes Heer von Müh-seligkeiten, die den Menschen erwarten. Esscheint aber der Natur darum gar nicht zuthun gewesen zu seyn, daß er wohl lebe, son-dern daß er sich so nieit hervorarbeite, um sich,durch sein Verhalten, des Lebens und desWohlbefindens würdig zu machen. Befremdendbleibt es immer hierbei, daß die älteren Gene-
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