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Jnimaimcl Kant.
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Andern sicher und gut zu bedienen, daran fehltnoch sehr viel. Allein, daß jetzt ihnen doch dasFeld geöffnet wird, sich dahin frei zu bearbeiten,und die Hindernisse der allgemeinen Aufklärung,oder des Ausgangcs aus ihrer selbst verschul-deten Unmündigkeit, allmälig weniger werden,davon haben wir doch deutliche Anzeigen. Indiesem Betracht ist dieses Zeitalter das Zeit-alter der Aufklärung, oder das JahrhundertFriedrichs.
Ein Fürst, der es seiner nicht unwürdigfindet, zu sagen, daß er es für Pflicht halte,in Religionsdingcn den Menschen nichts vorzu-schreiben, sondern ihnen darin volle Freiheit zulassen, der also selbst den hochmüthigen Namender Toleranz von sich ablehnt, ist selbst aufge-klärt, und verdient von der dankbaren Weltund Nachwelt als derjenige gepriesen zu wer-den, der zuerst das menschliche Geschlecht derUnmündigkeit, wenigstens von Seiten der Re-gierung, cntschlug, und Jedem frei ließ, sichin Allem, was Gewissensangelegenheit ist, sei-ner eigenen Vernunft zu bedienen. Unter ihmdürfen verehrungswürdige Geistliche, unbeschadetihrer Amtspflicht, ihre vom angenommenenSymbol hier oder da abweichenden Urtheile undEinsichten, in der Qualität der Gelehrten, freiund öffentlich der Welt zur Prüfung darlegen;noch mehr aber jeder andere, der durch keineAmtspflicht eingeschränkt ist. Dieser Geist derFreiheit breitet sich auch außerhalb aus, selbstda. wo er mit äußeren Hindernissen einer sichselbst mißverstehenden Regierung zu ringen hat.Denn es leuchtet dieser doch ein Beispiel vor,daß bei Freiheit für die öffentliche Ruhe undEinigkeit des gemeinen Wesens nicht das Min-deste zu besorgen sey. Die Menschen arbeitensich von selbst nach und nach aus der Rohheitheraus, wenn man nur nicht absichtlich künstelt,um sie darin zu erhalten.
Ich habe den Hauptpunkt der Aufklärung,die des Ausganges der Menschen aus ihrerselbst verschuldeten Unmündigkeit, vorzüglich
i» Religionssachen gesetzt: weil in Ansehung derKünste und Wissenschaften unsere Beherrscherkein Interesse haben, den Vormund über ihreUnterthanen zu spielen; überdieß auch jene Un-5 Mündigkeit, so wie die schädlichste, also auch^>ie entehrendste unter allen ist. Aber die Den-kungsart eines Staatsoberhaupts, der die ersterebegünstigt, geht noch weiter, und sieht ein:daß selbst in Ansehung seiner Gesetzgebung es10 ohne Gefahr sey, seine» Unterthanen zu erlau-ben, von ihrer eigenen Vernunft öffentlichenGebrauch zu machen, und ihre Gedanken übereine bessere Abfassung derselben, sogar mit einerfreimüthigen Kritik der schon gegebenen, der Welt15 öffentlich vorzulegen; davon wir ein glänzendesBeispiel haben, wodurch noch kein Monarchdemjenigen vorging, welchen wir verehren.
Aber auch nur derjenige, der, selbst aufge-klärt, sich nicht vor Scharten fürchtet, zugleich20 aber ein wohldisciplinirtes zahlreiches Heer zumBürgen der öffentlichen Ruhe zur Hand hat,kann das sagen, was ei» Freistaat nicht wagendarf: räsonnirt so viel Ihr wollt, und worüberIhr wollt; nur gehorcht! So zeigt sich hierein25 befremdlicher nicht erwarteter Gang menschlicherDinge; so wie auch sonst, wenn man ihn imGroßen betrachtet, darin fast Alles paradox ist.Ein größerer Grad bürgerlicher Freiheit scheintder Freiheit des Geistes des Volks vortbeilhaft,00 und setzt ihr doch nnüberstcigliche Schranken;ein Grad weniger von jener verschafft hingegendiesem Raum, sich nach allem seinem Vermögenauszubreiten. Wenn dann die Natur unterdieser harten Hülle den Keim, für den sie am35 zärtlichsten sorgt, nämlich den Hang und Berufzum freien Denken, ausgewickelt hat, so wirktdieser allmälig zurück auf die Sinnesart desVolks (wodurch dieß der Freiheit zu Handel»nach und nach sähiger wird), und endlich auch10 sogar auf die Grundsätze der Regierung, die esihr selbst zuträglich findet, den Menschen, dernun mehr als Maschine ist, seiner Würde ge-mäß zu behandeln.
IV. Idee Zu einer allsscineincii Geschichte in wcltbürgcrlicher Absicht.
Was man sich auch in metaphysischer Absichtfür einen Begriff von der Freiheit des Willensmachen mag, so sind doch die Erscheinungendesselben, die menschlichen Handlungen, ebensowohl als jede andere Raturbegebenheit, nach 55allgemeinen Naturgesetzen bestimmt. Die Ge-schichte, welche sich mit der Erzählung dieserErscheinungen beschäftigt, so tief auch derenUrsache» verborgen sein mögen, läßt dennochvon sich hoffe,;, daß, wenn sie das Spiel der 00Freiheit des menschlichen Willens im Große»betrachtet, sie einen regelmäßigen Gang dersel-ben entdecken könne; und daß auf die Art, wasan einzelnen Subjekten verwickelt und regellosin die Augen fällt, „„ her ganzen Gattung doch 05als eine stetig fortgehende obgleich langsameEntwickelung der ursprünglichen Anlage» der-selben werde erkannt werden könne». So schei-nen die Ehen, die daher kommenden Geburten
und das Sterben, da der freie Wille der Men-schen auf sie so großen Einfluß hat, keiner Re-gel unterworfen zu seyn, nach welcher man dieZahl derselben zum Voraus durch Rechnungbestimmen könne; und doch beweisen die jähr-lichen Tafeln derselben in großen Ländern, daßsie eben sowohl nach beständigen Naturgesetzengeschehen, als die so unbeständigen Witterun-gen, deren Ereigniß man einzeln nicht vorherbestimmen kann, die aber im Ganzen nicht er-mangeln, den Wachsthum der Pflanzen, denLauf der Ströme, und andere Naturanstaltenin einem gleichförmigen ununterbrochenen Gangezu erhalten. Einzelne Menschen und selbstganze Völker denken wenig daran, daß, indemsie, ein jedes nach seinem Sinne und einer oftwider den andern, ihre eigene Absicht verfolgen,sie unbemerkt an der Naturabsicht, die ihnenselbst unbekannt ist, als an einem Leitfaden