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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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851-852
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Jmmanuel Kant.

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Welttheile (der wahrscheinlicher Weise allen an-dern dereinst Gesetze geben wird) entdecken.Indem man ferner allenthalben nur auf diebürgerliche Berfassung und deren Gesetze, undauf das Staatsverhältniß Acht hat, in sofernebeide durch das Gute, welches sie enthielten, eineZeitlang dazu dienten, Völker (mit ihnen auchKünste und Wissenschaften) empor zu heben undzu verherrlichen, durch das Fehlerhafte aber,das ihnen anhing, sie wiederum zu stürzen, sodoch, daß immer ein Keim der Aufklärung üb-rig blieb, der, durch jede Revolution mehr ent-wickelt, eine folgende noch höhere Stufe derVerbesserung vorbereitete, so wird sich, wie ichglaube, ein Leitfaden entdecken, der nicht bloßzur Erklärung des so verworrenen Spielsmenschlicher Dinge, oder zur politischen Wahr-sagerkunst künftiger Staatsveränderungen dienenkann (ein Nutzen, den man schon sonst aus derGeschichte der Menschen, wenn man sie gleich alsunzusammenhängende Wirkung einer regellosenFreiheit ansah, gezogen hat); sondern es wird(was man ohne einen Naturplan vorauszusetzennicht mit Grunde hoffen kann) eine tröstendeAussicht in die Zukunft eröffnet werden, inwelcher die Menschengattung in weiter Fernevorgestellt wird, wie sie sich endlich doch zu demZustande empor arbeitet, in welchem alle Keime,die die Natur in sie legte, völlig können ent-wickelt und ihre Bestimmung hier auf Erdenkann erfüllet werden. Eine solche Rechtfertigungder Natur — oder besser der Vorsehung — istkein unwichtiger Bewcgungsgrund, einen beson-dern Gesichtspunkt der Weltbetrachtung zuwählen; denn was hilfts, die Herrlichkeit undWeisheit der Schöpfung im vcrnunftlosen Na-turreiche zu preisen und der Betrachtung zuempfehlen, wenn der Theil des großen Schau-

platzes der obersten Weisheit, der von allemdiesen den Zweck enthält — die Geschichte desmenschlichen Geschlechts — ein unaufhörlicherEinwurf dagegen bleiben soll, dessen Anblickuns nöthigt, unsere Augen von ihm mit Un-willen wegzuwenden, und, indem wir verzwei-feln, jemals darin eine vollendete vernünftigeAbsicht anzutreffen, uns dahin bringt, sie nurin einer andern Welt zu hoffen?

Daß ich mit dieser Idee einer Weltgeschichte,die gewissermaßen einen Leitfaden a priori hat,die Bearbeitung der eigentlichen bloß empirischabgefaßten Historie verdrängen wollte, wäreMißdeutung meiner Absicht; es ist nur ein Ge-danke von dem, was ein philosophischer Kopf(der übrigens sehr geschichtskundig seyn müßte)noch aus einem andern Standpunkte versuchenkönnte. Uebcrdies muß die sonst rühmliche Um-ständlichkeit , mit der man jetzt die Geschichteseiner Zeit abfaßt, doch einen jeden natürlicherWeise auf die Bedenklichkeit bringen, wie esunsere späten Nachkommen anfangen werden,die Last von Geschichte, die wir ihnen nach ei-nigen Jahrhunderten hinterlassen möchten, zufassen. Ohne Zweifel werden sie die der älte-sten Zeit, von der ihnen die Urkunden längsterloschen seyn dürften, nur aus dem Gesichts-punkte dessen, was sie intereffirt, nemlich des-jenigen, was Völker und Regierungen in welt-bürgerlicher Absicht geleistet oder geschadet ha-ben, schätzen. Hierauf aber Rücksicht zu neh-men, ingleichen auf die Ehrbegierde der Staats-oberhäupter sowohl, als ihrer Diener, um sieauf das einzige Mittel zu richten, das ihrrühmliches Andenken auf die späteste Zeit brin-gen kann; das kann nock überdies einen kleinenBewegungsgrund zum Versuche einer solchenphilosophischen Geschichte abgeben.

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