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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
849-850
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Immanuel Kant.

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ßen. Indessen bringt es die menschliche Natur ein so bedenkliches Unternehmen, dabei der Ein-so mit sich i selbst in Ansehung der allercntfern- fluß , den jede Staatserschütterung in unsermtesten Epoche, die unsere Gattung treffen soll, durch seine Gewerbe so sehr verketteten Welt-nicht gleichgültig zu seyn, wenn sie nur mit theile aus alle andere Staaten thut, so merk-Sicherheit erwartet werden kann. Wornemlich 5 lich, daß'sich diese, durch ihre eigene Gefahrkann es in unserm Falle um desto weniger ge- gedrungen, obgleich ohne gesetzliches Ansehen,schehen, da es scheint, wir könnten durch un- zu Schiedsrichtern anbieten, und so alles vonsere eigene vernünftige Veranstaltung diesen weitem zu einem künftigen großen Staatskörperfür unsere Nachkommen so erfreulichen Zeit- anschicken, wovon die Borwelt kein Beispielpunkt schneller herbeiführen. Um deswillen 10 aufzuzeigen hat. Obgleich dieser Staatskörperwerden uns selbst die schwachen Spuren der für jetzt nur noch sehr im rohen Entwürfe da-Annäherung desselben sehr wichtig. Jetzt sind steht, so fängt sich dennoch gleichsam schon eindie Staaten schon in einem so künstlichen Ber- Gefühl in allen Gliedern, deren jedem an derhältniffe gegen einander, daß keiner in der Erhaltung des Ganzen gelegen ist, au, zu re-innern Kultur nachlassen kann, ohne gegen die 15 gen; und dieses gibt Hoffnung, daß, nach man-andern an Macht und Einfluß zu verlieren; chen Revolutionen der Umbildung, endlich das,also ist, wo nicht der Fortschritt, dennoch die was die Natur zur höchsten Absicht hat, einErhaltung dieses Zwecks der Natur, selbst durch allgemeiner wellbürgcrlicher Zustand, als derdie ehrsüchtigen Absichten derselben ziemlich ge- Schoos, worin alle ursprüngliche Anlagen dersichert. Ferner, bürgerliche Freiheit kann jetzt 20 Menschengattung entwickelt werden, dereinst ein-auch nicht sehr wohl angetastet werden, ohne mal zu Stande kommen werde,den Nachtheil davon in allen Gewerben, vor-

nemlich dem Handel, dadurch aber auch die Ab- Neunter Satz.

nähme der Kräfte des Staats im äußern Ver-hältnisse, zu fühlen. Diese Freiheit gehl aber all- 25 Ein philosophischer Versuch, die allgemeinemählig weiter. Wenn man den Bürger hin- Weltgeschichte nach einem Plane der Natur,dert, seine Wohlfahrt auf alle ihm selbst beste- der auf die vollkommene bürgerliche Vereinigungbige Art, die nur mit der Freiheit anderer zu- in der Menschengaltung abziele, zu bearbeiten,sammen bestellen kann, zu suchen, so hemmt muß als möglich, und selbst für diese Natur-man die Lebhaftigkeit des durchgängigen Betrie- !!0 absicht beförderlich angesehen werden. Es istdes, und hiermit wiederum die Kräfte des Gan- zwar ein befremdlicher und, dem Anscheine nachzen. Daher wird die persönliche Einschränkung ungereimter Anschlag, nach einer Idee, wiein seinem Thun und Lassen immer mehr auf- der Weltlauf gehen müßte, wenn er gewissengehoben, die allgemeine Freiheit der Religion vernünftigen Zwecken angemessen sein sollte,nachgegeben; und so entspringt allmählig, mit 35 eine Geschichte abfassen zu wollen; es scheint,unterlaufendem Wahne und Grillen, Aufklä- in einer solchen Absicht könne nur ein Romanrung, als ein großes Gut, welches das mensch- zu Stande kommen. Wenn man indessen än-liche Geschlecht sogar von der selbstsüchtigen nehmen darf, daß die Natur, selbst im SpieleVergrößerungsabsicht seiner Beherrscher ziehen der menschlichen Freiheit, nicht ohne Plan undmuß, wen» sie nur ihren eigenen Vortheil vcr- 4» Endabsicht verfahre, so könnte diese Idee dochstehen. Diese Aufklärung aber, und mit ihr wohl brauchbar werden; und, ob wir gleich zuauch ein gewisser Hcrzensanthcil, den der auf- kurzsichtig sind, den geheime» Mechanismengeklärte Mensch am Guten, das er vollkommen ihrer Veranstaltung durchzuschauen, so dürftebegreift, zu nehmen nicht vermeiden kann, muß diese Idee uns doch zum Leitfaden dienen, einnach und nach bis zu den Thronen hinauf ge- 45 sonst planloses Aggregat menschlicher Handlun-hen, und selbst auf ihre Rcgierungsgrundfätze gen, wenigstens im Großen als ein System dar-Einfluß haben. Obgleich z. B. unsere Welt- zustellen. Denn wenn man von der griechi-regicrcr zu öffentlichen Erziehungsanstalten, und sehen Geschichte — als derjenigen, wodurch unsüberhaupt zu allem, was das Weltbeste be- jede andere ältere oder gleichzeitige aufbehaltentrifft, vorsetzt kein Geld übrig haben, weil alles 50 worden, wenigstens beglaubigt werden muß ") —auf den künftigen Krieg schon zum Voraus anhebt: wenn man derselben Einfluß auf dieverrechnet ist so werden sie doch ihre» eigenen Bildung und Mißbildung des StaatskörpersVortheil darin finden, die, ob zwar schwachen des römischen Volks, das den griechischen Staat

und langsamen eigenen Bemühungen ihres Volks verschlang, und des letztern Einfluß auf die

in diesem Stücke wenigstens nicht zu hindern. 55 Barbaren, die jenen wiederum zerstörten, bisEndlich wird selbst der Krieg allmählig nicht auf unsere Zeit verfolgt; dabei aber die Staa-allcin ein so künstliches, im Ausgange von bei- tengcschichte anderer Volker, so wie deren Kennt-den Seiten so unsicheres, sondern auch durch durch eben diese aufgeklärten Nationen all-

die Nachweisen, die der Staat in einer immer mählig zu uns gelangt ist, episodisch hinzuthut,anwachsenden Schuldenlast leiner neuen Erfin- 60 so wird man einen regelmäßigen Gang derdüng) fühlt, deren Tilgung unabsehlich wird, Verbesserung, der Lüaatsverfaffung in unserm

1, Nur ein gelehrte« Publikum, ras von scincm Anfange an bis zu uns ununterbrochen fortgedauert hat, kanndie alte Geschichte beglaubigen. lieber dasselbe hinaus ist alles „em unbekanntes Land;" und die Geschichte derVölker, die ansicr den,selben lebten, kann nur von der Zeit angefangen Werden, da sie darin eintraten. Dies ge-schah mit dem jüdischen Volte zur Zeit der Ptolomäer. durch die griechische Bibelübersetzung, ohne welche manihren isolirten Nachrichten wenig Glauben beimcssen würde. Von da (wenn dieser Anfang vorerst gehörig ausge-mittrit worden) kann man answäriS ihren Erzählungen nachgehen. Und so mit allen übrigen Völkern. Da« ersteBlatt im ThuchdidcS lsagt Hume) ist der einzige Anfang aller wahren Geschichte.

Kurz, Pros. Lit.

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