Buch 
Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
133-134
JPEG-Download
 

Johann Wolfgang von Göthe.

134

32

vird,

kei-

und

deut-

hnli-

be-

da

den

133

nein-

der

teten

einen

eleile

rneh-

nsern

für

orte

eten

mnd

den

hge-

mer,

lie-

ochloß

Höhe

lchfal-

fand

lung,

als

die

trach-

leuch-

dann

deut-

Oenk-

zeigte

Släser

jener

dem

lange

chtere

einer

;agd-

ugem

den»

,gkeir

„den

stall-

et

au-

mehr'

trat

rein,

Arm

istiS-

mM'

Sei-

tzl'gr

Trutz- und Schutzbau von alten Zeiten her demJahr und seinerWitterung sich entgegen stemmte,und wie doch hie und da sein Gemäuer weichen,da und dort in wüste Ruinen zusammenstürzenmußte. Nun haben wir manches gethan umdiese Wildniß zugänglicher zu machen, dennmehr bedarf es nicht um jeden Wanderer, jedenBesuchenden in Erstaunen zu fetzen, zu ent-zücken.

gränzten Aussicht wegen, zu besteigen. Aberauch hier verweilt man bequem im Schatten,denn dieser Baum ist es, der sich über dasGanze wunderbar hoch in die Luft hebt.

Danken wir also dem wackern Künstler, deruns so löblich in verschiedenen Bildern von al-lem überzeugt als wenn wir gegenwärtig wä-ren; er hat die schönsten Stunden des Tages-und der Jahreszeit dazu angewendet und sich

Indem nun der Fürst die einzelnen Blätter 10 wochenlang um diese Gegenstände herumbewegt.

deutele, sprach er weiter: Hier, wo man, den In dieser Ecke ist für ihn und den Wächter

Hohlweg durch die äußern Ringmauern her- den wir ihm zugegeben eine kleine angenehmeaufkommend, vor die eigentliche Burg gelangt, Wohnung eingerichtet. Sie sollten nicht glau-steigk uns ein Felsen entgegen von den festesten den, meine Beste, welch eine schöne Aus - unddes ganzen Gebirgs; hierauf nun steht gemauert 15 Ansicht er ins Land, in Hof und Gemäuer sichein Thurm, doch niemand wußte zu sagen, wo 5ort bereitet hat. Nun aber da alles so rein

die Natur aufhört, Kunst und Handwerk aber und charakteristisch umrissen ist, wird er es hier

anfangen. Ferner sieht man seitwärts Mauern unten mit Bequemlichkeit ausführen. Wir wol-angeschlossen und Zwinger terraffenmäßig herab len mit diesen Bildern unsern Gartensaal zie-sich erstreckend. Doch ich sage nicht recht, denn 20 ren, und niemand soll über unsere regelmäßi-es ist eigentlich ein Wald, der diesen uralten gen Parterre, Lauben und schattigen, Gänge,Gipfel umgibt; seit hundert und fünfzig Iah- seine Augen spielen lassen, der nicht wünschteren hat keine Art hier geklungen und überall sich dort oben in dem wirklichen Anschauen dessind die mächtigsten Stämme emporgewachsen; Allen und Neuen, des Starren, Unnachgiebi-wo ihr euch an den Mauern andrängt, stellt 25 gen, Unzerstörlichen, und des Frischen, Schmieg-

sich der glatte Ahorn, die rauhe Eiche, dieschlanke Fichte mit Schaft und Wurzeln ent-gegen, um diese müssen wir uns herumschlän-grln und unsere Fußpfade verständig führen.

samen, Unwiderstehlichen seine Betrachtungenanzustellen.

Honorio trat ein und meldete die Pferdeseien vorgeführt; da sagte die Fürstin, zum

Seht nur wie trefflich unser Meister dieß Cha- 50 Oheim gewendet: Reiten wir hinauf und lasse»

räkteristische auf dem Papier ausgedrückt hat,wie kennl-lich die verschiedenen Stamm- undWurzelarten zwischen das Mauerwcrk verfloch-ten und die mächtigen Aeste durch die Lücken

Sie mich in der Wirklichkeit sehen, was Siemir hier im Bilde zeigten. Seit ich hier binhör' ich von diesem Unternehmen, und werdejetzt erst recht verlangend mit Augen zu sehen.

durchgeschlungen sind. Es ist eine Wildniß wie 35 was mir in der Erzählung unmöglich schien

keine, ein zufällig-einziges Lokal, wo die altenSpuren längst, verschwundener McnschenkraftMit der ewig lebenden und fortwirkenden Na-lur sich in dem ernstesten Streit erblicken lassen.

und in der Nachbildung unwahrscheinlich bleibt.— Noch nicht, meine Liebe, versetzte der Fürst;was Sie hier sahen, ist, was es werden kannund wird; jetzt stockt noch manches im Begin-

Ein anderes Blatt aber vorlegend fuhr er 40 neu; die Kunst muß erst vollenden, wenn sie

sich vor der Natur nicht schämen soll. — Undso reiten wir wenigstens hinaufwärts, und wär'es nur bis an den Fuß; ich habe große Lustmich heute weit in der Welt umzusehen —

b>rt: Was sagt Ihr nun zum Schloßhose, der,durch das Zusammenstürzen des allen Thor-lhurmes unzugänglich, seit undenklichen Jahrenbvn niemand betreten ward. Wir suchten ihmvon der Seite bcizukommen, haben Mauern 45 Ganz nach Ihrem Willen, versetzte der Fürst,durchbrochen, Gewölbe gesprengt und so einen — Lassen Sie uns aber durch die Stadt reiten,dequcmen aber geheimen Weg bereitet. In- fuhr die Dame fort, über den großen Markt-wendig bedurft es keines Aufräumens, hier sin- platz, wo eine zahllose Menge von Buden dieder sich e,„ flacher Felsgipfel von der Natur Gestalt einer kleinen Stadt, eines FeldlagersTepläliet, aber doch haben mächtige Bäume 50 angenommen hat. Es ist als wären die Be-h>e und da zu wurzeln Glück und Gelegen- dürfniffe und Beschäftigungen sämmtlicher Fa-h"r gefunden; sie sind sachte aber entschieden mitten des Landes umher, nach außen gekehrt,^gewachsen, nun erstrecken sie ihre Aeste bis in diesem Mittelpunkt versammelt, an das Ta-die Galerien hinein, auf denen der Ritter geslicht gebracht worden; denn hier sieht der°»st auf unA abschritt; ja durch Thüren durch 55 aufmerksame Beobachter alles was der Mensch"d Fenster in die gewölbten Säle, aus denen leistet und bedarf, sich einen Augen-

sie „icht vertreiben wollen; sie sind ebengeworden und mögen's bleiben. Liefeläirerschichten wegräumend haben wir denerkwürdigsten Platz geebnet gefunden, dessen 60setzet" der Welt vielleicht nicht wieder zu

bewach allem diesem aber ist es immer nochbeA^^uswenh und an Ort und Stelle zulchauen, daß auf den Stufen die in den 65ges^"^"* hinaufführen ein Ahorn WurzelSrbo>?^" ""d sich Zu einem so tüchtigen Baumevorl!> daß man nur mit Noth daran

"dringen kann um die Zinne, der unbe-

blick ein, es sei kein Geld nöthig, jedes Ge-schäft könne hier durch Tausch abgethan wer-den ; und so ist es auch IM Grunde. Seitdemder Fürst gestern mir Anlaß zu diesen Ueber-sichten gegeben , ist es mir gar angenehm zudenken, wie hier, wo Gebirg und flaches Landaneinander gränzen, beide so deutlich ausspre-chen, was sie brauche» und was sie wünschen.Wie nun der Hochländer das Holz seiner Wäl-der in hundert Formen umzubilden weiß, dasEisen zu einem jeden Gebrauch zu vermannich-faliigen, so kommen jene drüben mir den viel-fältigsten Waaren ihm entgegen, an denen man