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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
131-132
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Johann Wolfgang von Götfie.

Jahren ganz von der deutschen Bühne verdrängtsein, welches denn auch kein Unglück wäre,denn der einsame oder gesellige Leser wird anihm desto reinere Freude empfinden.

Um jedoch in dem Sinne, wie wir obenweitläufig gesprochen, einen Versuch zu machen,hat man Romeo und Julie für das Weimari-sche Theater redigirt. Die Grundsätze, wonachsolches geschehen, wollen wir ehestens entwickeln,

woraus sich denn vielleicht auch ergeben wird,warum diese Redaktion, deren Vorstellung kei-neswegs schwierig ist, jedoch kunstmäßig undgenau behandelt werten muß, auf dem deut-schen Theater nicht gegriffen. Versuche ähnli-cher Art sind im Werke und vielleicht be-reitet sich für die Zukunft etwas vor, daein häufiges Bemühen nicht immer auf denLag wirkt.

XIII. n o

Ein dichter Herbstnebcl verhüllte noch inder Frühe die weiten Räume des fürstlichenSchloßhofes, als man schon mehr oder wenigerdurch den sich lichtenden Schleier die ganze Ja- 20gerei zu Pferde und zu Fuß durch einander be-wegt sah. Die eiligen Beschäftigungen der näch-sten ließe» sich erkennen: man verlängerte, manverkürzte die Steigbügel, man reichte sich Büchseund Palrontäschchen, man schob die Dachsran- 25zen zurccht, indeß die Hunde ungeduldig amRiemen den Zurückhaltenden mit fortzuschleppendrohten. Auch hie und da gebärdete ein Pferdsich mukhigcr, von feuriger Natur getriebenoder von dem Sporn des Reiters angeregt, der 30selbst hier in der Halbhelle eine gewisse Eitel-keit sich zu zeigen nicht verläugnen konnte.

Alle jedoch warteten auf den Fürsten, der, vonseiner jungen Gemahlin Abschied nehmend, all-zulange zauderte. 35

Erst vor kurzer Zeit zusammen getrautempfanden sie schon das Glück übereinstimmen-der Gemüther; beide waren von thäliglebhaflemCharakter, eines nahm gern an des andernNeigungen und Bestrebungen Antheil. Des 4t)Fürsten Vater hatte noch den Zeitpunkt erlebtund genutzt, wo es deutlich wurde, daß alleSlaatsglieder in gleicher Betriebsamkeit ihreTage zubringen, in gleichem Wirken und Schaf-fen , jeder nach seiner Art, erst gewinnen und 45dann genießen sollte.

Wie sehr dieses gelungen war,, ließ sich indiesen Tagen gewahr werden, als eben der Haupt-markt sich versammelte, den man gar wohl eineMesse nennen konnte. Der Fürst hatte seine 50Gemahlin gestern durch das Gewimmel der aus-< gehäuften Waaren zu Pferde geführt und siebemerken lassen, wie gerade hier das Gcbirgs-land mit dem flachen Lande einen glücklichenUmtausch treffe: er wußte sie an Ort und Stelle 55auf die Betriebsamkeit seines Länderkreiscs auf-merksam zu machen.

Wenn sich nun der Fürst fast ausschließlichin diesen Lagen mit den Seinigen über diesezubringenden Gegenstände unterhielt, auch bc- 00sonders mit dem Finanzminister anhaltend ar-beitete, so behielt doch auch der Landjägcrmei-ster sein Recht, auf dessen Vorstellung es un-möglich ward, der 'Versuchung zu widerstehen,an diesen günstigen Herbsttagen eine schon ver- 05schobene Jagd zu unternehmen, sich selbst undden vielen angekommenen Fremden ei» eignesund seltenes Fest zu eröffnen.

Die Fürstin blieb ungern zurück; man hatte

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sich vorgenommen, weit in das Gebirg hinein-zubringen, um die friedlichen Bewohner derdortigen Wälder durch einen unerwartetenKriegszug zu beunruhigen.

Scheidend versäumte der Gemahl nicht einenSpazierritt vorzuschlagen, den sie im GeleiteFriedrichs, des fürstlichen Oheims, unterneh-men sollte, auch lasse ich, sagte er, dir unsernHonorio, als Stall- und Hofjunker, der füralles sorgen wird; und im Gefolg dieser Wortegab er im Hinabsteigen einem wohlgebildetenjungen Mann die nöthigen Aufträge, verschwandsodann bald mit Gästen und Gefolge.

Die Fürstin, die ihrem Gemahl noch in denSchloßhof hinab mit dem Schnupftuch nachge-winkt hatte, begab sich in die Hintern Zimmer,welche nach dem Gebirg eine freie Aussicht lie-ßen , die um desto schöner war als das Schloßselbst von dem Fuße herauf in einiger Höhestand und so vor- als hinterwärts mannichfal-tige bedeutende Ansichten gewährte. Sie fanddas treffliche Telescop noch in der Stellung/wo man es gestern Abend gelassen hatte alsman, über Busch, Berg und Waldgipfel diehohen Ruinen der uralten Stammburg betrach-tend, sich unterhielt, die in der Abendbeleuch-lung merkwürdig hervortraten, indem alsdanndie größten Licht- und Schattenmaffen den deut-lichsten Begriff von einem so ansehnlichen Denk-mal alter Zeit verleihen konnten. Auch zeigtesich heute früh durch die annähernden Gläserrecht auffallend die herbstliche Färbung jenermannichfaltigen Baumarien, die zwischen deinGemäuer ungehindert und ungestört durch langeJahre emporstrebten. Die schöne Dame richtetejedoch das Fernrohr etwas tiefer nach eineröden, steinigen Fläche, über welche der Jagd-zug weggehen mußte; sie erharrte den Augen-blick mit Geduld und betrog sich nicht; den»bei der Klarheit und Vergrößerungsfähigkt^des Instruments, erkannten ihre glänzende"Augen deutlich den Fürsten und den Obersta"-meister; ja sie enthielt sich nicht abermals >">dem Schnupftuche zu winken, als sie ein au-genblickliches Stillhalten und Rückblicken ">ehvermuthete als gewahr ward. ,

Fürst Oheim, Friedrich mit Namen /sodann, angemeldet, mit seinem Zeichner he"> 'der ei» großes Portefeuille unter dem -t"trug. Liebe Cousine, sagte der alte rufiSHerr, hier legen wir die Ansichten der StaM^bürg vor, gezeichnet um von verschiedenen ^ten anschaulich zu machen, wie der mach