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Friedrich Heinrich Jacobi.
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mit jemand in Verbindung treten, auf seineMeynung von uns zu achten, irgend eine Seitean ihm aufzusuchen, an der wir uns mit ihmmessen und uns von ihm schätzen lassen können.— Nun ist aber leicht abzunehmen, wohin dasim Umgänge mir der Gattung Menschen führenmuß, wovon wir eben redeten.
„Aber gesetzt auch, es wären nicht geradediese Menschen, sondern andere, die, jeder inseiner Art, unter die vorzüglichen gehörten:dennoch, meine Freunde, littet ihr durch Zer-streuung eurer Kräfte, durch Entflammungeurer Phantasie zu eitlen Bestrebungen, unddurch Mißleitung eurer Triebe einen unersetzli-chen, täglich zunehmenden Verlust.
„Immer und in alle Wege entfernt eine sovielfältige Bespiegelung in andern uns vombessern Selbst. Die Menge der täuschendenSchatten, die wir umher werfen, berückt uns,daß wir sie für mehr achten als unsre einzelnewesenhafte Gestalt, und damit schreiten wir ausdem Gebiet der Wirklichkeit in den endlosenRaum der Einbildung; werden dem Windeähnlich, dessen Sausen man wohl hört, abernicht weiß, von wannen er kommt, noch wohiner fährt. Der edelste Trieb in der menschli-chen Natur, der Trieb der Ehre, die Begierdevortrefflich zu sein an sich und in Vergleichungmit andern, ist alsdenn verfälscht und verirrt;denn diese Begierde, in ihrer Lauterkeit, quilltaus dem edeln Bestreben, die Kraft unsers Da-seins zu vergrößern, eigenmächtiger, in unddurch uns selbst besser und glücklicher zu werden.Hingegen der Eitle vergißt seiner selbst zu ach-ten, er will lieber viel scheinen als etwas wirk-lich seyn. Um sein geliehenes Daseyn zu erhal-ten , muß er voll Unruhe sich kümmern undschleppen, unter tausend Mühseligkeiten schmach-ten, und kann nie eine bleibende Stätte haben.
„Zuverläßig ist allemal das Beste für unsund für unsere Freunde, Anverwandten, Mit-bürger, Genossen, ja für das gesammte Uni-versum: — daß ein jeder thue sein eigenes Werk,gehe seinen eigenen Weg, besorge sein eigenesliebstes Glück.
„Wäre es nicht Narrheit von einer Sopran-stimme, mit einer Trompete sich in ein Duoeinzulassen: oder von einer Trompete, zu derAria „Wenn auf dem Antlitz" oder einer ähnlichen,die erste Violine oder die zweite Flaute machenzu wollen? Beyde würden sich verderben undmit ihrer Kunst zu Schanden werden.— Den-noch machen wir es so, treiben überall waswir weder können, noch was am Ende unserZweck ist; gerathen darüber in tausenderley Ver-wirrungen , verfallen in Unglauben an uns selbstund andere, und richten eine so ohnmächtigeund jammervolle Wirthschaft an, daß es zumErbarmen ist.«
Woldemar war unerschöpflich über diese Ge-genstände , und wußte sie bey jeder Gelegenheitin ein neues Licht zu stellen. Seine Redenmachten desto mehr Eindruck, da sie die wahrenNeigungen seiner Zuhörer heimlich auf ihrerSeite hatten. Dennoch wollte es mit ihrer Be-kehrung nicht von statten gehen, und sie be-stätigte» die Bemerkung des geplagten großenSülly: daß es das Schicksal der Vernunft zuseyn scheine, weder dann gehört zu werden.
wenn sie den Leidenschaften widerspreche, nochauch dann. wenn sie mit ihnen einerley an-rathe — Anschläge zu Reformationen wurdenöfter gemacht, auch wurde hie und da ein Ver-such angestellt: aber Angewöhnung und Zag-haftigkeit behielte» die Oberhand. Man fand:was Woldemar vorbrächte, ließe sich wohl gutsagen und auch anhören; aber es wäre nichtso leicht gethan. Hätte man sich einmal aufeinen gewissen Fuß gesetzt, so fänden sich lau-tend Schwierigkeiten, wenn man wieder davonabgehen wollte; man zöge sich die Feindschaftund den Spott der Leute auf den Hals, undmüßte am Ende noch dazu sich selbst auslachen.
Woldemar hatte, fürs erste, nicht mehr Er-wartet. Auch gestand er seinen Freunden zu,die ihm unter andern entgegen setzten, daß in seinenVorstellungen vieles übertrieben wäre, sie be-schuldigten ihn nicht ohne Grund; es wäre eineUnbilliqkeit von ihm, sie mehr in sich, als sichin sie hinein zu denken; er wüßte, daß ihn seinereizbare Gemüthsart peinlich, in gewissem Ver-stände (wenn man es so nennen wollte) schwäch-lich, oder zu moralischen Krankheiten geneigtermachte; daher er denn Ungemach und Gefah-ren erblickte, wo andere dergleichen nicht wahr-nähmen, und auch in dem Maaße nicht zu be-fürchten hätten.
Indem er gelassen zusah, und nur seinenWeg ging; gleich entfernt jemand zu stören,wie von Jemand sich stören zu lassen: wirkte seinstummes Beyspiel, sein heiteres Schweigen mehr,als früher alle seine Rede». Es war unmög-lich, daß seine Freunde dieser Reden sich nichtbey hundert Vorfällen erinnerten; und diese Er-innerungen wurden, bald durch seine Abwe-senheit, bald durch seine Gegenwart eindrin-gender. Allmählig offenbarten sich äußerlichtWirkungen. Nur der Anfang konnte schwersein: war einmal dieser ernstlich gemacht; ssmußte ihnen, was sie von jeher bey ihrer Le-bensart gedrückt hatte, jetzt mit jedem Tagtwiderlicher werden: mußte sie jede Thorheit-die sie noch eingingen, mit Ekel und Verwir-rung doppelt züchtigen. Etwas von ihrem Ver-druß unterließen sie dann nicht auf Woldei»azu werfen, weil sie sich einbildeten, er lachheimlich darüber, sie unter dem Joche keichtzu sehen. Aber so wie die Ungeduld es längzu tragen ihren Muth zum Abwerfen stärk 'so verschwand auch dieser Acrger: sie fühltesich mehr als je zu ihrem Freunde hingezog ^
Henrielte hatte nicht wenig beigetragen, alWirkungen zu beschleunigen; mehr der Sselbst und ihrer Geschwister wegen, als aus »hänglichkeit an Woldemar, welcher dem » . ^mit einer sonderbaren — soll ich sagen ^gültigkeit? zusah. Ich weiß kein Wort, ,Anschein und selbst die Sache besser audrücken; dennoch war es etwas andres. ^c-
Woldemar wurde jetzt fast täglich ^s-le» Rath angegangen. Anfangs nur durchträge an Henriette, hernach auch gerade z .^timmer sreymüthiger, bis dahin, daß man»sich nicht mehr scheute jede Schwachheit, E,durch man sich gedrückt und aufgehabte» l^csihn »»geheuchelt sehen zu lassen. Wol ^>>ganzes Herz wurde hiedurch gewönne»,Einfalt und Offenheit galten ihm übe
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