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Johann Georg Förster.
Verwandtschaft mir den Niederländer» verra-lhen. Die Seitlicher können ihr französischesBlut nicht verläugnen: sie sind eben so leicht-sinnig-fröhlich, eben so gutmüthig, eben so miteiner, ich möchte sagen angebornen Höflichkeitbegabt, und sprechen auch einerlei Sprache,wiewohl so durchaus mit Provinzialismen ver-dorben, daß ein Mitglied der Pariser Akademiesie schwerlich für Bruder erkennen würde. Au-ßerdem spricht das gemeine Volk eine Art Kau-derwelsch , welches man unter dem Name» derwallonischen Mundart kennt. Dieses ist denFremden völlig unverständlich, indem die ur-sprünglich allfranzösischen Wörter ganz verun-staltet, bald abgekürzt, bald mit andern En-dungen, und in einer ganz besondern Construk-lion erscheinen. So zum Beispiel heißt: loipo -evei, laßt mich sehen ; statt des französischen:laisses moi voir; und wieder: 1'erro l'Iio»,mach die Thüre zu, statt: lorinv I» purtv. Indem letzter» Ausdruck ist l>»u das allfranzösi-sche Iiuis, wovon noch ü >»iis clvs und Imitierübrig sind. Französische Eleganz habe ich inden Kleidertrachkcn, zumal der geringern Klaffe,freilich nicht bemerkt; doch diese würde manauch in Frankreich selbst bei dieser Klasse ver-gebens suchen. Die Seitlicher Weiber tragenkurze gestreifte Röcke; Leibchen oder auch eineArt weiter Jacken von Kattun mit Ermeln,die mit demselben Zeuge frischt sind, und Kat-kunmänlel, die aber nur bis an die Taille rei-chen. Wenn sie ausgehen, binden sie ein rolh-und gelbgefleckles Baumwollcnluch über die Haubeum den Kops; doch gehört dieser Putz vermuthlichnur zu den Verwahrungen, die der noch immerfortdauernde scharfe Nordwind nothwendig macht.
Unsere Fahrt von Aachen hieher, auf derDiligence, zeichnete sich wenig aus. Wir hat-ten die ersten Plätze; allein beim Einsteigenfanden wir drei Frauenzimmer darauf; folglichschwiegen wir von unseren Ansprüchen, undsetzten uns, wo wir zukommen konnten. Ein-mal satzen eilf Personen in diesem ungeheuernWagen, weil unterwegcs einige Passagiere ab-stiegen und mehrere hinzukamen. Die Gespräche 4über politische Gegenstände nahmen kein Ende.
Es freute mich indeß, die erstaunliche Mengeneuer Ideen in Umlauf anzutreffen, da sie vorzehn Jahren zuverlässig allgemeines Aufsehen,oder gar die Indignation der Majorität auf 50den Postwägen in Deutschland und Brabanterregt hätten.
Nachdem wir durch einen schweren Sand-weg in einer tiefen Schlucht die Höhe des Ber-ges, der das Gebiet der Stadt Aachen von der 55Provinz Limburg scheidet, erreicht hatten, lagdieses herrliche Land wie ein Garten vor uns;und je weiter wir hineinkamen, desto reizenderward die Aussicht auf die kleinen umzäuntenWiesen und Viehweiden, welche die sanften, 60wellenförmigen Hügel bedecken. Ueberall ist dieseGegend mit einzelnen, oder höchstens zu dreiund vier beisammengestellten Hütten gleichsambesäet, die zum Theil massiv oder von Back-steinen, zum Theil von Fachwerk gebaut, ein 65wohlhabendes Völkchen andeuten, das hier vonder Viehzucht und vom Wollspinncn lebt. Aufviele Meilen weit sieht man die wogichcen Hü-gel überall mit lebendigen Heerden, und hier
und dort auch mit hochstämmigen Bäumen ge-ziert; auf Meilen weit liegen, ein paar guteBüchsenschüsse von einander, die einzelnen Bauer-hütten. Es ist unmöglich, sich hier etwas an-5 deres als Einfalt und Gleichheit der Einwohnerzu denken; man irrt in Gedanken von Hauszu Haus, und erblickt überall fleißige Spinner,frohe Hirten und reinliche Käscmacher. DieUfer der Maas begränzen endlich diese Aussicht,16 indem sie unweit Mastricht in der Ferne denjähen weißen Absturz dem Auge darbieten, dermit seinen häufigen Pelrefakten den Naturfor-schern unter den Namen des Pelersberges be-kannt ist. Clermont, ein artiges Dörfchen,15 liegt am Wege, und in dieser Gegend schienuns die Limburgische Landschaft vorzüglich reichund schön. Auf den ersten Blick hat es etwaseinladendes, wenn man so die zerstreuten Woh-nungen sieht, wo jeder um seine Hütte her sein20 Fleckchen Landes besitzt, sein Vieh darauf wei-den läßt oder auch, wie es weiter hin nachLütlich zu der Fall ist, seinen Weizen säet.Man denkt sich dabei eine natürliche Bestim-mung des Menschen, die Erde zu bauen und25 zu besitzen. Allein diese Vereinzelung kann ihnnicht bilden, und der zehnte Theil aller in ihngelegten Kräfte wäre für den Hirten hinrei-chend gewesen- Sollte der Mensch inne wer-den, was es sey, das sich in ihm regt, so mußte3 » sich in verschiedenen Einzelnen bald diese, baldjene Fähigkeit entwickeln, auf Kosten jenerallzueinfachen Bestimmung, welche die Wohl-thaten des geselligen Lebens nicht kennt, weilseine Bedürfnisse ihm fremd sind. Ich h^35 die guten Limburger nicht in der Nähe beob-achten können; allein ihre Vereinzelung Achtmir Ursache zu vermuthen, daß ihr Jdeenkrewäußerst eingeschränkt seyn müsse.
In den Städte» mag es indeß schon an-4V ders beschaffen sep». Hier sahen wir zum er^stenmal die brabanlische Kokarde, dieses furcht-bare, nun aber so oft ohne ächten Freiheitsstn"nachgeahmte Freiheitszeichen; auch begegne""uns einige brabancische Truppen, deren Anblmindeß keine Ehrfurcht einflößte. Sie sch"j"völlig undisziplinirt, wußten ihr Gewehr mmzu regieren, und sollen auch von der im D"n1unentbehrlichen Subordination gar keine 2- 'griffe haben. Ihre Kleidung ist ein bloßer " .berrock, der schlechterdings kein militänsmAnsehen hat. Außer diesem einzigen St»"-welches ihnen eine gewisse Uniformität S>sieht ihr übriger Anzug buntscheckig undzerrissen aus- Die meisten, die uns zu Gesikamen, waren junge Leute, und einige k»n^man beinahe noch Kinder nennen. Jb"scheinung in der Provinz mag indeß b>e^-.^ilten von Limburg über ihre eigene Sich sichein wenig beruhigt haben; denn, ""6 sshnengewisse Rechte anmaßten, die das Vo" l ^nicht zugestehen will, zogen sie bisher von ,Orte zum andern, von Herve nach h,sund von da »och näher an Aachen, '
Dorf Henri-chapelle, wo sie in einerSchenke ihre Versammlungen haltem «gt"NDer Abstich von jenen erbärmlichen ^sendas brabanrischen Pfaffendespocismusrüstigen Lüttichern gehörte mit zudie uns gleich bey dem Eintritt in °>